Die Stimme aus dem Off…

Ein kleines Lebenszeichen nach fünf Monaten aus gegebenen Anlass:

Die dümmsten Schafe suchen sich ihren Schlachter selbst!

#putin
#brexit
#Trump
#LePen
#AfD

Wir sind die nächsten Opfer von Populismus und Chauvinismus, von Nationalismus und Ignoranz, von Heuchelei und Demagogie.

Glaubt mir: We’re next!

Der kranke Mann vom Bosporus

Es ist der Aufreger der vergangenen Tage: Die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages. Wobei, die ist eigentlich gar nicht das Problem, ist sie doch nur eine offizielle Feststellung eines schon lange im historischen Diskurs als autentisch klassifizierten Sachverhalts: Im Jahr 1915 haben osmanische Truppen einen Völkermord an der armenischen Bevölkerung in ihrem Herrschaftsbereich begangen. Die Geste des Deutschen Bundestags, dieses Ereignis – unter voller Berücksichtigung der eigenen Schuld am Holocaust – als das zu bezeichnen, was es war, ist in meinen Augen eine große menschliche Botschaft. Denn wir erkennen damit einen Völkermord, eines der grausamsten Verbrechen überhaupt, offiziell und mit breiter Mehrheit unserer gewählten Repräsentanten an. Die Entscheidung, die im übrigen auch in weiten Teilen der Welt begrüßt worden ist, hat jedoch einen Nebeneffekt: Der kleine Mann am Bosporus (sorry, die Metapher musste raus) wird wieder zum kranken Mann am Bosporus. Dieses alte Wortspiel trifft den Kern leider nur zu gut, denn mit welcher Chuzpe und Selbstherrlichkeit der türkische Präsident Erdogan auf die Armenien-Resolution der deutschen Parlamentarier reagiert, das hat schon etwas zutiefst Irritierendes und Weltfremdes.

Spulen wir mal einige Wochen zurück. Jan Böhmermann, seines Zeichen der von Kritikern und Fans nahezu vergötterte große Retter unseres Unterhaltungssystems (okay, das hätte nach Joko und Klaas auch gar nicht mehr tiefer sinken können), performt ein als Sartire gemeintes, jedoch vollkommen überzogenes und verbal armesliges Gedicht zu Lasten Erdogans. Dieser wiederum hat gerade, als letzter Trumpf der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise, das Loch in den Nahen Osten gestopft und wurde dafür auch und vor allem von unserer Bundeskanzlerin eifrig am Bauch gekrault (und wird es leider immer noch). Was folgte, war eine noch grenzenlosere Albernheit: Erdogan fühlte sich von dem erbämlichen Werk Böhmermanns persönlich beleidigt, erkannte die tropfende Sartire (auch wenn ich mir darunter etwas anderes vorstelle) nicht im geringsten und machte daraus eine Staatsaffäre. Sorry, Recep, unsere Angela hat sich in vielen Ländern sogar in SS-Uniform mit Bart darstellen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken, du machst das HB-Männchen. Was ist staatsmännischer? Die Frau. Sollte dir zu denken geben!

Aber wieder etwas weiter in die Gegenwart. Die Türkei hat ein Terrorproblem, ein hausgemachtes, wenn ihr mich fragt. Die Geschichte der Kurden in diesem Land ist so lang, wie bedrückend. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Ende des Osmanischen Reiches wurden sie nie als größte Minderheit des Landes anerkannt und sollten per Gesetzt assimiliert werden. Die Aufstände dagegen wurden niedergeschlagen, politische Machtausbübung be- und verhindert, ihre Kultur und Sprache unterdrückt. Ist es da nicht nachvollziehbar, dass diese Bevölkerungsgruppe sich zu wehren beginnt? Dennoch war es eine ganze Weile ruhig, bis Erdogan die Schrauben anzog. Die Kurden hatten ihm 2015 in Kobane gerade den IS vom Hals gehalten, da ließ er sie schon bombardieren, um die Waffen nicht vielleicht auf sich gerichtet zu bekommen. Es folgten viele Maßnahmen, die mit Rechtsstaatlichkeit wenig zu tun hatten, unter anderem eine massive Pressezensur, willkürliche Inhaftierungen vermeintlicher Regimegegner, Verletzung von Menschenrechten und zuletzt die Aufhebung der Immunität eines Viertels der Abgeordneten im türkischen Parlament. Kurden, wie konnte es anders sein. Die Türkei entwickelte sich immer schneller weg von einer Demokratie, einem Partner auf Augenhöhe, hin zu einem zunehmend autokratischen System ohne Gewaltenteilung.

Dennoch, und das ist das tragische, wird sie gebraucht. Wird ihr Präsident gebraucht, der mit seinen Tiraden potentiell den Rechten in Deutschland in die Karten spielt. “Dass ein demokratisch gewählter Staatspräsident im 21. Jahrhundert seine Kritik an demokratisch gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestags mit Zweifeln an deren türkischer Abstammung verbindet, ihr Blut als verdorben bezeichnet, hätte ich nicht für möglich gehalten.”, sagte gestern Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und sprach damit aus, was sich unsere Kanzlerin nicht traut. Dem Zitat habe ich wenig hinzuzufügen, nur eines: Wacht auf, liebe türkisch-stämmigen Mitbürger in unserem Land. Das ist nicht euer Heilsbringer, das ist nicht der Mann, der die Türkei wieder stark macht. Sondern das ist der Mann, der euch instrumentalisieren will und dadurch nur die Rechten in unserem Land stark macht. Erdogan hat Angst vor der Demokratie, daher schafft er sie sukzessive ab. Ihr habt hier bei uns die Möglichkeit, Flagge zu zeigen. Flagge zu zeigen, wie die mutigen türkisch-stämmigen Abgeordneten des Deutschen Bundestags, die – allen voran der Grüne Cem Özdemir – dafür gesorgt haben, dass ein Deutscher Bundestag den Mut hatte, die Wahrheit zu sagen und dazu zu stehen.

Die Türkei ist, das zeigen die aktuellen Entwicklungen, derzeit so weit von Europa weg wie die Ukraine von Russland. Und das meine ich nicht geographisch… Unsere Kanzlerin täte gut daran, den kranken Mann vom Bosporus endlich in seine Schranken zu weisen. Sein Verhalten ist nicht nur “nicht akzeptabel” (Merkel), sondern demokratiefeindlich, abstoßend und autoritär! Wir sollten uns bessere Partner suchen, selbst wenn uns das als EU den Flüchtlingsdeal kostet. Die klare, überparteiliche Kante gegen Erdogan unterstütze ich daher von ganzem Herzen!

Sendepause beendet ?!?

Puh, tatsächlich schon fast ein halbes Jahr her, dass ich hier zuletzt einen Beitrag hinterlassen habe? Kaum zu glauben. Die Zeit verging unheimlich schnell, aber irgendwie gab es auch keinen wichtigen Grund, etwas zu schreiben. Natürlich hätte es genug Themen gegeben, die ich hätte beleuchten können, zu denen ich Meinungen habe und die mir extrem gegen den Strich gehen. Aber ich habe es nicht getan. Warum?

Eine gute Frage, die ich selbst nicht beantworten kann. Es ist ja nicht so, dss ich nichts geschrieben hätte. Vielmehr habe ich viel zu viel geschrieben, und zwar an meinem Buch über Das Schwarze Auge. Mittlerweile kratze ich an den 900 Din-A4-Seiten beim Namenlosen Vergessen und habe gerade in den vergangenen drei, vier Wochen viele Dutzend Seiten hervorgebracht. Durchaus möglich, dass das einiges an Motivation für mein Blog gekostet hat.

Andererseits kann es natürlich auch sein, dass mich viele Themen mittlerweile kalt lassen, die mich vor Monaten noch berührt hätten. Es ist viel in der Welt passiert, seit meinem letzten – wenn auch noch immer hochaktuellen – Beitrag. Bataclan, Krieg in Syrien, Terror, Rechtsruck, Trump und vieles mehr. Aber dennoch habe ich nicht den Dreh bekommen, mich hier dazu zu äussern. Ich werde mich bemühen, das ab sofort wieder konsequenter durchzuziehen, denn es gibt tatsächlich Menschen, die danach fragen! Echt, ich habe Fans. Und für euch greife ich doch gerne wieder zur Tastatur. Hoffe ich jedenfalls :-)

Auf einmal ist die Welt ganz klein

Keine zehn Jahre ist es her, da war die “Welt zu Gast bei Freunden”. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 nutzte Deutschland die große Weltbühne, um sich als offen, tolerant, freundlich und modern zu präsentieren. Keine zehn Jahre später ist das anders: Kreise innerhalb der CSU überlegen ernsthaft, wie Ungarn eine Mauer zu bauen, um unliebsame Einwanderer, Asylsuchende zumeist, abzuweisen. Die ach so tolerante Gesellschaft folgt in beträchtlicher Zahl den Aufrufen zu tendenziell bis eindeutig fremdenfeindlichen Kundgebungen und ein großer Protest gegen gefühlt täglich brennende, potentielle Asylunterkünfte bleibt aus. Freundlich ist diese Fratze der Ewiggestrigen und leicht zu Beeinflussenden schon lange nicht mehr und auch modern geht anders, denn das demonstrierte Weltbild ist ein anderes: Deutschland den Deutschen, wir haben schon genug Ausländer, die nehmen uns unsere Arbeit weg, unsere Frauen, islamisieren unsere Kinder und bringen den Terror nach Deutschland. Islamophobie und Fremdenhass gehen eine unheilige Allianz ein, die sich die Rettung des Abendlandes auf die Fahnen schreibt, letztlich aber beginnt, an dessen Grundpfeilern zu sägen. Nein, die Welt ist nicht mehr zu Gast bei Freunden. Auch wenn die Welt für die große Anzahl der Flüchtlinge schon viel zu weit gegriffen ist, denn “Syrien zu Gast bei Freunden” hätte es auch getan. Doch selbst das ist den patriotischen Fahnenschwenkern, denn das tun sie auch heute noch gerne bei ihren Kundgebungen, nun schon zu viel. Keine zehn Jahre nach der Weltmeisterschaft zeigt Deutschland ein anderes Bild als das, was es 2006 so hervorragend zu inszenieren vermochte.

Natürlich ist die Zahl der Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, eine enorme Herausforderung für unseren Staat. Natürlich gibt es keinen Masterplan der Regierung und alle Parteien navigieren derzeit orientierungslos durch die eigene Meinungsfindung. Natürlich ist der innere Kompass einer Gesellschaft aus dem Ruder gelaufen, wenn plötzlich mehr als eine Million Menschen ins Land strömen und um Hilfe schreien. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir die Lage in den Griff bekommen haben. Doch unser Land ist stark genug, auch eine Führungsrolle in der Flüchtlingskrise zu spielen – ohne, dass dabei unsere Identität verloren geht. Wobei: Vielleicht wäre das das Beste, was Deutschland passieren könnte. Schon heute ist der Anteil an Bundesbürgern mit Migrationshintergrund oder verwandtschaftlichen Bindungen zu nicht Deutschstämmigen groß, vielleicht ist eine Überfremdung des “Deutschtums” der Schlüssel, um endlich das Menetekel des Nationalismus aus dem Denken zu verdrängen. Vielleicht ist es an der Zeit, die deutsche Identität zugunsten einer weltoffenen und europäischen abzustreifen? Naja, zurück zum Kern des Problems und das ist hausgemacht. Die meisten Proteste und Demonstrationen gegen die Asylsuchenden formieren sich dort, wo es prozentual die wenigsten Migranten und Ausländer gibt, nämlich in den neuen Bundesländern. Regionen mit großer Migrationsvergangenheit, wie Nordrhein-Westfalen oder die Großstädte sind in dieser Hinsicht viel unauffälliger, wahrscheinlich weil sie auf keine neue Situation treffen und schon lange weiter in der gegenseitigen Assimilation fortgeschritten sind. Wir haben Gastarbeiter aus der Türkei, Portugal oder Italien integriert (ok, weitgehend lediglich, denn im Zuge von 9/11 und IS werden selbst Türken mit deutschem Pass wieder “die Anderen”, wenn man Leserbriefe und Onlinekommentare liest), in den 90ern Menschen aus dem vormaligen Jugoslawien aufgenommen und immer wieder kleineren Kontingenten an Asylanten aus aller Welt ein neues Zuhause gegeben. Wenn nun in Dresden oder Erfurt bei verschwindend geringem Ausländeranteil gegen Flüchtlinge demonstriert wird, dann ist das in doppelter Hinsicht Angst: Angst vor dem “Anderen” und Angst um den eigenen Status, der ohnehin in sozialschwachen Regionen angeschlagen ist.

Der Fokus der Entscheidungsträger muss also über den faktischen und pragmatischen Umgang mit der Flüchtlingswelle hinausgehen und den Protestierenden und Demonstranten mit Aufklärung und Kommunikation begegnen. Die gängigsten Stereotypen sind doch einfach zu wiederlegen. Es kommen nicht massenhaft islamistische Terroristen in unser Land, sondern ein großer Teil flieht genau vor diesen Fundamentalisten und/oder vor einem irren Diktator. Natürlich kann es Einzelfälle geben, aber die gibt es immer. Das Gros der Asylanten will einfach wieder sicher und in Frieden leben – und stößt hier zu oft, wenn auch natürlich zum Glück nicht nur, auf brennende Unterkünfte und Ablehnung. Die Flüchtlinge sind finanziell nicht besser gestellt als Hartz-IV-Empfänger und jedem, der von obdachlosen Deutschen spricht, denen nicht geholfen wird, dem mag man zurufen: In diesem Land ist man nie ohne Grund obdachlos. Wer Hilfe braucht, dem wird geholfen! Die Asylsuchenden bekommen deutlich weniger an Bargeld und erhalten in der Regel Bezugsscheine. Die Angst vor Besserstellung der “Neuen” ist also ebenso von der Hand zu weisen, wie die Furcht vor dem Arbeitsplatzverlust. Solange sein Aufenthaltsstatus unsicher ist, kann kein Asylbewerber in unserem Land arbeiten. Und wenn Arbeitnehmer in unserem Land bleiben dürfen, dann haben sie in der Regel noch Sprachdefizite auszugleichen und sich neu- oder nachzuqualifizieren. Aber auch hier muss ein verquertes Bild zurecht gerückt werden, denn die meisten der Flüchtlinge sind – anders als die zuhauf und mit Leistungsanspruch in unsere Behörden strömenden Rumänen und Bulgaren – keine Wirtschaftsflüchtlinge. Sie wurden aus ihrem normalen Arbeits- und Berufsleben herausgerissen und spiegeln den Querschnitt einer vollkommen heterogenen Stadt- und Landbevölkerung wieder. Wir reden nicht wie bei den Gastarbeitern damals von einer Unzahl an (Achtung, absichtliche Übertreibung und nicht böse gemeint) ungelernten und ungebildeten Bauern aus Hinteranatolien, sondern von Ärzten, Handwerkern, Selbständigen und Beamten. Wenn einer von diesen Menschen einem Deutschen seinen Platz wegnimmt, dann einfach deshalb, weil er höher qualifiziert ist. Auch das hat jeder in unserem Land in seiner eigenen Hand! Und zu guter Letzt: Wer sagt denn eigentlich, dass alle Syrer dauerhaft in Deutschland bleiben werden? Richtig…

Ich hoffe, dass es der Politik gelingt, diese Situation an beiden “Fronten” zu bewältigen, also Unterkunft und Hilfe auf der einen, sowie Aufklärung und Richtigstellung auf der anderen zu liefern. Daran wird die Bundesregierung gemessen werden, doch ich bin mir sicher, dass Deutschland stark genug ist, die in der Tat großen Probleme zu bewältigen. Meine Meinung dazu ist klar: Jedem, der in existenzieller Not zu uns kommt, dem muss geholfen werden. Allen anderen, die nur wegen der Kohle und der Sozialsystem kommen, denen gilt die Tür gewiesen! Hoffentlich gelingt es unserem Land, den Grundbedürfnissen aller Flüchtlinge gerecht zu werden: Ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Teller, Kleidung am Körper und vor allem eines: Ruhe und Frieden. Auch vor uns Deutschen…

Wacken 2015 – Sumpf war Trumpf, Teil II

Ohne sommerliche Wärme, die einen zur besten Jahreszeit unter Garantie irgendwann aus dem Zelt treibt, und stattdessen unter fortdauernden Regen unter halbwegs festen Unterständen gefangen, tat ich am Donnerstagmorgen etwas, was in den vier Jahren Wacken Open Air zuvor nie vorgekommen war: Ich las in aller Ruhe ein Buch, stundenlang. Nichts trieb mich in den Regen hinaus, wobei der Weg ohnehin nur in den Wohnwagen schräg gegenüber geführt hätte, da unter dem Pavillon der trockene Raum äusserst gering ausfiel. Damit blieb der sonst übliche Besuch bei meinem Bruder ebenso aus, wie der Weg ins Wackinger Village. Ohnehin war nach dieser Sintflutnacht an einem Starkregenvormittag nicht viel an Wanderung zwischen den einzelnen Attraktionen zu denken. Silke war komplett an den Wohnwagen gefesselt, da weder Rollstuhl noch Rollator bei Modder und Matsch ihren Dienst versehen wollten und die Laune bei uns erreichte einen weiteren Tiefpunkt. Skyline ließ ich diesmal links liegen und ging erst zu U.D.O samt Bundeswehrmusikkorps in das Infield, das optisch schon nach wenigen Minuten trotz vieler Bemühungen der Organisatoren kaum noch von den Zuständen auf dem Metalmarkt und den Wegen auf den Campingplätzen zu unterscheiden war – Sumpf war eben Trumpf 2015 in Wacken.

Opa Dirkschneider samt Anhang konnten daher nicht gegen meine miese Laune ankommen und gewannen keinen Blumentopf. Hier und da war es sicher ganz nett, aber unter dem Strich sagte mir das Teutonic-Metal-Urgestein auch im zweiten Versuch nicht zu. Mehr versprochen hatte ich mir von In Extremo, doch auch die eigentliche Stimmungsgarantie aus dem Mittelalterrock-Spektrum zündete trotz ihrer üblichen Feuerspiele auf der Bühne bei mir diesmal nicht wirklich. Nach einem kurzen Abstecher zum Merchandise-Stand und einem Happen für den Magen gingen einige von uns – ich hatte die Gruppe meines Bruders getroffen – zu Dark Tranquility ins Zelt. Ohne Regen von oben und Schlamm oder Wasser von unten (naja, zumindest teilweise, denn die rechte Seite des Zeltes stand knöcheltief unter Wasser) stieg gleich die Stimmung und die Schweden konnten auch musikalisch trotz einiger Sounddefizite überzeugen. Der Weg zurück ins Infield wurde zur Geduldprobe, denn der Abfluss der Besucher sollte über den Campingplatz und nicht über die Plaza erfolgen, doch die Ordner fanden keinen Weg, das der Masse kundzutun. Stattdessen gab es ein heftiges Gedränge, auf das nicht mit “open gates” reagiert wurde, sondern das minutenlang vor sich hin wogte. Wir schenkten uns das, entdeckten den offenen Notausgang Richtung Campingplatz und äusserten dort Kritik zum Vorgehen, wurden aber brüsk abgewiesen á la “Wir haben das schon im Griff, erzählt uns nichts”. Naja, egal…

Während Stefan sich noch aufregte, kehrten wir ins mittlerweile trotz Wind und Wetter gut gefüllte Infield zurück und wurden verzaubert: Savatage gaben ihr Bühnencomeback nach vielen Jahren zum Besten und erzeugten schon mit ihrem Intro zu “Gutter Ballet” Gänsehaut pur bei mir! Hit auf Hit folgte für eine Dreiviertelstunde und es hätte gerne so weitergehen können, doch es war ja eine Doppelshow und das Trans Siberian Orchestra übernahm. Mit gefiel auch dieser Aspekt des Schaffens der Savatage-Musiker, doch hatte er seine Längen. Himmlisch waren noch “Believe” und vor allem “The Hourglass”, mein Lieblingssong der Amis! Auch wenn es stimmungsmässig mit TSO etwas bergab ging, so war das unter dem Strich Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau, denn als beide Bühnen mit einer gewaltigen und weltweit noch nie erreichten Video-und-Licht-Show gleichzeitig bespielt wurden, war allen klar, dass wir gerade ein absolutes, über zwei Stunden langes Meisterwerk bestaunen durften. Es dürfte schwer sein, dieses epische Event in Wacken noch zu toppen!

Am Freitag besserte sich endlich auch das Wetter, der Regen ließ nach und die Sonne schickte sich an, zumindest einen Teil an Wiedergutmachung zu leisten. Doch eines vorweg: Sie verlor den Kampf am Freitag noch klar nach Punkten, denn Matsch und Modder wollten sich nicht geschlagen geben. Merkwürdig war auch, dass ich das Regen-Wacken ohne Ponchogebrauch absolvierte, obwohl die Regenjacke mehr als einmal kapitulierte. Trocken war am Ende kaum noch ein Kleidungsstück, aber so war das eben dieses Jahr. Im Gegensatz zum langsamen Start am Vortag ging es für mich diesmal quasi aus dem Zelt direkt vor die Bühne, denn Ensiferum spielten schon mittags. Als eine meiner Lieblingsbands habe ich die Finnen schon einige Male gesehen, so dass sich dieser Auftritt leider in die Kategorie “eher mässig” einordnen ließ. Der Sound war und blieb einfach – wie passend – zu matschig, die Stimmung dementsprechend verhalten. Falconer spielten dann auf der Party Stage und hatten immer wieder mit der Technik zu kämpfen, doch da der Auftritt einer der letzten der Band war, blieb ich bis zum Ende dort. War irgendwie komisch, auch wenn es hier und da zu gefallen wusste, und im Ohr blieb auch nichts hängen, von dem ich heute berichten kann. Kvelertak machten anschließend wieder gehörig Krach und wummerten dank dreier Gitarren gewaltig, doch verstanden habe ich das Konzept und den Stil der Band auch beim zweiten Mal nicht. Egal, ab zu At The Gates und die erste Death-Metal-Kelle des Wochenendes abholen. Die Schweden hatten erst unlängst ihr Comeback gefeiert und bewiesen in Wacken zu Recht, warum sie einen so guten Ruf besitzen! Wiederum im Hintergrund vom Jägermeisterstand aus verfolgte ich Queensryche, naja, kann man machen, muss man aber nicht. Keine Frage, dass angepunkter Thrash-Metal im Anschluß deutlich massentauglicher war und Annihilator setzten dort an, wo sie vor zwei Jahren aufgehört hatten und fegten über die Party Stage. Toller Auftritt!

Das gelang anschließend auch Dream Theater, einer meiner Lieblingsbands. Zuvor hatte ich mir Sorgen gemacht, dass die progressiven Stücke auf einem Festival nicht so passend sein würden, doch den Amerikanern gelang es über weite Strecken doch recht gut, den Frickelanteil ihrer Songs in Grenzen zu halten. War schön, die sehr selten in Europa spielende Band mal live sehen zu dürfen, keine Frage. Kurz zurück am Zelt – wo ich einen zweiten Pullover anziehen musste, denn es war sehr kühl, wenn auch endlich trocken von oben – packte ich Katja und Christian, einen Bekannten vom Metalfest 2014, ein, denn In Flames standen als Headliner auf dem Programm. Leider kamen wir im dichten Gedränge und bei einsetzender Dunkelheit im immer hartnäckigeren Matsch nicht mehr nah genug vor die Bühne, so dass wir von einer tollen Setlist nur wenig mitbekamen. Wir standen auf Höhe der rechten Leinwand und bekamen schon dort kaum noch was von den Songs mit. Ein absoluter Reinfall war das Konzert allerdings nicht, denn ich hatte nach dem umstrittenen jüngsten Album der Schweden Schlimmeres erwartet. Einzig und allein der Schlammsatan nervte und ich war froh, dass ich vor der Black Stage bei Running Wild festgetretenen Boden vorfand! Die Hamburger Jungs gaben ebenfalls ihr Comeback in Wacken und wussten über weite Strecken zu gefallen, auch wenn sie einige der von allen erwarteten Hits nicht spielten. Bei mir gab es daher Abzüge in der B-Note für den Verzicht auf “Black Hand Inn” und nur die letzte Zugabe “Little Big Horn” zerstreute den faden Beigeschmack einer merkwürdigen Setlist.

Der Samstag stand an und endlich setzte sich das gelbe Rund gegen die grauen Wolken durch! Es wurde deutlich angenehmer, von einem Ort zum anderen zu kommen, und auch Silke hatte schließlich noch etwas vom Festival, nachdem sie sich freitags lediglich zu einer Band ins Zelt gequält hatte. Das freute mich für sie mindestens ebenso sehr, wie der Auftritt von Kataklysm zur Mittagsstunde zu einem Gourmet-Komplettabriss wurde! Riesige Matsch-Circle-Pits, mehrere zehntausend Zuschauer und eine nahezu perfekte Setlist machten den Gig der Kanadier zu einem Hammererlebnis – und das sage ich nicht nur als Fan. Vom ersten bis zum letzten Akkord gab es die zweite Death-Metal-Kelle des Festivals, sogar mit Nachschlag sozusagen. Einfach ein großartiges Konzert und unter meinen Top 3 in 2015! Ich freue mich schon jetzt auf ihre Tour im Februar. Katja und Silke traf ich bei Powerwolf, doch im Vergleich zu Kataklysm war der Auftritt nicht so fesselnd. Wahrscheinlich lag das daran, dass ich die Band eine Woche zuvor gesehen hatte und insgesamt schon ein halbes Dutzend mal. Während also viele Zuschauer die Saarbrücker abfeierten, erfreute ich mich an Details wie neuen Ansagen und dem lustigen Circle Pit rückwärts, den Sänger Attila einforderte und bekam. Abends sollte es noch ein Déjà Vu ähnlicher Art geben, aber zuvor stand Amorphis auf dem Plan, die ihr Erfolgsalbum “Tales from the Thousand Lakes” in voller Länge spielten. Das machte anfangs auch Spaß und Laune, vor allem weil die Sonne nun endlich ihren Hauptaufgaben – Boden toasten, Sonnenbrand erzeugen und Schweiß fließen lassen – nachkam, doch mit zunehmender Dauer des Auftritts dominierte doch das Gefühl, einfach zu Hause die CD einzuschmeißen wäre ähnlich effektiv gewesen. Ich hielt trotzdem durch und holte anschließend meine Runde durch das Wackinger Village nach. Zum einen, um zu essen, denn dort gibt es immer das beste Preis-Leistungsverhältnis beim WOA. Zum anderen aber auch, um Skilltron zu sehen. Eine argentinische Band die mit Dudelsack und Gitarre schottische Kriegslieder zum besten gibt klingt zunächst schräg, passt aber sehr gut zusammen. Allerdings gab die Bühne der Band zu wenig Raum und auch der Sound war mau. Bitte bald mehr davon auf der Partystage! Allerdings erwischte mich genau hier die dickste Krise des Festivals, denn mir taten die Füße weh, der Magen drückte und ich wollte mich nur noch setzen. Also ging es zurück zum Zelt, wo Katja mir die ersten Bands für 2016 vorlas. Meine erste Reaktion war niederschmetternd, denn da war bis auf wenige Bands nichts für mich dabei. Ein meganerviges Schlammorama gekrönt von einem potentiell mageren Billing im kommenden Jahr, das ergab für mich erst einmal ein klares “njet”. Naja, die Karten haben wir trotzdem gekauft…

Auf den Bühnen warteten noch Sabaton – das oben erwähnte Déjà Vu, auch wenn mir die Schweden besser gefielen als die Wölfe. Naja, zu letzteren kam ich von einem Stimmungshöhepunkt, zur Power-Metal-Kriegerschar aus einem persönlichen Tief. Lag also wohl daran, dass mir trotz der nervigen “Noch ein Bier”- die musikalische Geschichte besser mundete. Und dann war da ja natürlich noch Judas Priest! Das hätte ich vor dem Auftritt so nicht geschrieben, doch nach dem Konzert der Metal-Legende kann ich mit Fug und Recht behaupten: Das war mein Highlight und ein toller Abschluß eines doch so wechselhaften Festivals. Schon einmal hatte ich Halford und Co. in Wacken erlebt und damals lief es unter “naja, ganz nett”, doch was die Briten dieses Jahr auffuhren, das war phänomenal. Hits am Fließband, eine Lautstärke genau an der Schmerzgrenze, super Sound und ein bestens aufgelegter Sänger – da passte einfach alles! Keine Frage, dass ich mir den Rest – Subway to Sally wäre noch eine Option gewesen – schenkte und im Gefühl des siebten Metalhimmels unseren Zeltplatz aufsuchte und mir Santiano und Subway to Sally bequem aus der Ferne anhörte. 2015 war insgesamt ein Auf und Ab für mich, sowohl vom Wetter und der persönlichen Stimmung, als auch musikalisch. Abschließend möchte ich mich bei allen entschuldigen, die ich mit meiner schlechten Laune gestört und genervt habe, sorry! Mein sechstes Wacken Open Air im kommenden Jahr bringt nun also Blind Guardian, Orden Ogan, Unisonic, Legion of the Damned und Eluveitie – doch es besteht ja noch Hoffnung auf mehr. In dem Sinne: See you in Wacken, rain (bitte nicht) or shine (mehr davon bitte)!

Wacken 2015 – Sumpf war Trumpf

Mal ehrlich: Alle Freunde harter Rockmusik können doch froh sein! Froh, dass zwischen zwei Wacken Open Airs immer gut und gerne dreihundertsechzig Tage liegen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was dieses Mal los gewesen wäre, wenn die Unmengen an Staub aus dem Vorjahr sich nicht zurück in Wiesen und Äcker verwandelt hätten. Das Wacken Open Air 2015 wäre wohl nicht ins Wasser gefallen, aber kreative Wortschöpfer hätten sicherlich einige Synapsen anstrengen müssen, um einen passenden Begriff für die Kombination aus Unmengen von Dreck mit kübelweise Regenwasser (145 Liter/m² in drei Tagen…) plus Ackerboden zu finden. In Ermangelung ihres spekulativen Endergebnisses bleibe ich bei dem Wort, dass dem Erlebten am nächsten kommt: Sumpf war Trumpf in Schleswig-Holstein 2015! Die Organisatoren taten alles, um den Wasser- und schließlich Matschmassen Herr zu werden, mussten aber schließlich an vielen Stellen kapitulieren. Immerhin: Das Wetter besserte sich an den letzten beiden Festivaltagen und Sonnenschein transformierte in Verbindung mit Kampf- und Gummistiefeln wenigstens einen größeren Teil des Sumpfs zurück in norddeutsches Ackerland. Dem Spaß tat das Wetter bei den meisten Besuchern keinen Abbruch – bei mir schon…

Mit den negativen Wetteraussichten aber auch mit der Hoffnung, dass das schon nicht so schlimm werden würde, ging es Montagabend wie gewohnt nach Voerde zu Silke und Reinhard und von dort dann mit dem Wohnwagen über Nacht nach Wacken. Da uns diesmal keine Vollsperrung der Autobahn wie 2014 erwartete, landeten wir sehr früh am Dienstagmorgen auf dem Acker der (Alp-)Träume und wurden von verschlafenen Ordnern auf den Campground A gelassen, wo wiederum das Handicap-Field auf uns wartete. Doch schon an der unteren Zufahrt des Areals wurde es problematisch, denn trotz Schneegang gelang es Silke nicht, Auto und Camper auf den Platz zu bugsieren. Schieben war angesagt und die Schinderei dauerte trotz hilfreicher Hände gut und gerne eine halbe Stunde, bis wir unseren endgültigen Standort zur anstehenden Versumpfung erreicht hatten. Der Bereich war eigentlich reserviert von einer Firma für Rehaangebote aus der Umgebung, doch die Abgrenzung war dermassen dürftig und nachts kaum zu erkennen, so dass uns der Chef der Firma unser mühevoll erarbeitetes Asyl nicht nehmen wollte. Daher hatten wir – wie schon im Vorjahr – so ziemlich Pole Position an der Dorfstraße!

Kurze Zeit später standen Zelt und Wohnwagen, war das erste Bier getrunken und der Regen hatte glücklicherweise sogar eine Pause eingelegt, während wir werkelten. Daher machten wir uns gegen halb fünf auf den Weg zur Bandausgabe, was mit Silke im E-Rollstuhl bedeutete: Finden wir mal gemeinsam einen Weg über matschige Äcker und überflutete Feldwege quer über das Areal zur Wacken Plaza! Nun, es gelang uns am Ende tatsächlich, hin- und wieder zurückzukommen. Allerdings war das nur unter Mithilfe der Ordnungskräfte möglich, die uns zunächst die asphaltierten Versorgungswege nutzen ließen und dann freie Passage durch den Backstagebereich des Bullhead City Circus und das noch gesperrte Wackinger Village gewährten. So hatten wir nach mehr als eineinhalb Stunden auch das zweite Abenteuer des WOA 2015 erfolgreich absolviert und uns ein Frühstück redlich verdient! Auch beim anschließenden traditionellen Dorfgang waren wir früh dran und ergatterten ohne Mühe unsere Festivalshirts. Mehr von Wacken-City schenkten Reinhard und ich uns diesmal jedoch, während Katja und Silke das Outlet am anderen Ende des Dorfs besuchten. Das Schöne an der Dorfstraße ist ja, dass dort immer etwas los ist und wir schnell neue Leute kennenlernen. So wurde der Dienstag trotz Müdigkeit nicht langweilig und auch der wieder stark einsetzende Regen hinderte uns erst Abends am gemütlichen Sitzen am Wegesrand. Bei Jägermeister, Bier und Karten endete der “Wartetag” gemütlich im Wohnwagen. Mir jedoch wäre es draussen deutlich lieber gewesen, denn einiges an Flair ging durch das Mistwetter schon hier verloren.

Der Mittwoch startete nach dem Frühstück wie gewohnt mit dem gemeinsamen Besuch des Metalmarkts, dessen Boden sich im Dauerregen quasi beim Zuschauen in Matsch verwandelte und an den Stellen, die ohnehin schon vom Aufbau des Areals in Mitleidenschaft gezogen worden waren, einen bösen Ausblick auf die kommenden Sumpftage lieferte. In den kommenden Tagen sollten sich zwei Trends durchsetzen: Gummistiefel und Regenjacken. Besonders erstere waren so begehrt, dass ratzfatz sold out gemeldet wurde und ein großer Schuh- und Stiefelfriedhof auf dem Metalmarkt entstand. Noch mehr Regen und die ersten Besucher hätten sicherlich flächendeckend Gummiboote geordert. Schon Mittwochmittag, beim gemütlichen Grillen, wurde klar, dass für Silke die kommenden Tage beschwerlich werden würden und – so viel vorweg – am Donnerstag konnte sie unseren Platz nicht verlassen. Sumpf war leider Trumpf und der Weg zu den Bühnen nicht zu bewältigen. Schade, aber höhere Gewalt. Für Katja und mich ging es ab ins große Zelt, denn der Mittwoch war qualitativ aufgewertet worden und bot ausser dem üblichen Metal Battle schon das ein oder andere Highlight am ersten Festivaltag!

Wie schon im Vorjahr sollte Jon Diva mit seinen Rockets of Love meinen Startschuß in den musikalischen Teil des Festivals bilden, doch der absolute Geheimtipp anna 2014 hatte sich herumgesprochen und das Zelt war schon richtig voll, als wir ankamen. Musikalisch konnte die Band nichts falsch machen: Songs von Guns ‘n Roses, Poison, Bon Jovi, Twisted Sister und andere Tophits aus den 80er und 90er Jahren gehen eben immer! Zusammen mit meinem Bruder und einem Großteil seiner Gruppe, die Katja nun im dritten Anlauf endlich etwas kennenlernen durfte, hatten wir richtig Spaß und selbst der Comedy-Metal-Kram der Grailknights störte die gute Laune nicht weiter. Wenn man nicht auf die Texte hört, bleibt ordentlich Dampf in den Ohren hängen und Zeit zum Bierholen. Und lockere zwanzig Minuten gingen da schon drauf, so voll war es im Zelt. Daher fiel meine Wahl auch gleich auf den Ein-Liter-Becher samt Becks-Füllung. Mambo Kurt schaffte es dann aber doch, der Stimmung mit seinem immer gleichen Programm einen herben Dämpfer zu versetzen und auch New Model Army wurden ihrem durchaus großen Namen nur bei ihren Fans gerecht. Uli Jon Roth war es vorbehalten, mit schnörkellosen und gut hörbaren Stücken für einen gelungenen Übergang zum Headliner des Abends zu sorgen: Europe.

Nicht wenige hatten die Schweden im Vorfeld auf “Final Countdown” reduziert, doch sie wurden in der kommenden Eineinviertelstunde eines besseren belehrt, denn neben dem Evergreen, der natürlich als letztes gespielt wurde, hatten die Skandinavier eine Reihe toller Songs in der Setlist und vor allem die neuen Songs vom aktuellen Album waren spitzenklasse. So geht Headliner! Mit der eingängigen Melodie im Ohr und dem dazu gesungenen Wort “Zyklopenspieß” ging es zu sechst (der verbliebene Rest, alle anderen hatten definitiv ein erstes Highlight verpasst) zurück zum Camp meines Bruders, das jedoch seiner Pavillons bereits verlustig gegangen war und vor dem Starkregen des Abends in die Zelte verschwunden war. Wir kehrten bei Nachbarn mit passenderer Unterkunft ein, doch nach einer Stunde schlug ich mich durch die Fluten – kein anderes Wort passte zu diesem Zeitpunkt mehr für die Regenmassen in der Luft und auf dem Boden – querfeldein zurück zu meinem Zelt durch. Im prasselnden Regen ließ es sich hervorragend schlafen, denn Generatoren waren nicht zu hören und auch laute Musik wurde prima gedämpft. Am Donnerstag sollte es auf den Hauptbühnen losgehen, aber mehr davon beim nächsten Mal!

Zu Gast auf der Sonneninsel, Teil III

Blick von der Promenade über die Playa de Fanabe auf Adeje

Ab Tag sieben neigte sich unser Teneriffa-Urlaub leider schon wieder dem Ende entgegen. Ohne Auto, das wir montags problemlos abgaben, machten wir uns via Bus auf den Weg nach Los Cristianos, um den größten Teil der vierzehn Kilometer langen Strandpromenade entlang zu wandern. Das Wetter war zunächst bewölkt und geradezu ideal für unser Vorhaben, doch zum Mittag hin knallte die Sonne dann mit aller Macht und wir waren froh, als wir am frühen Nachmittag wieder im Hotel waren und uns an den Pool legen konnten. Die Promenade selbst entwickelt sich auf ihrem Weg nach Westen ebenso, wie die Ortschaften. Los Cristianos und Las Americas sind Touristenhotspots der 70er und 80er Jahre und bieten eine Bettenburg nach der anderen. Je weiter wir liefen, desto schöner wurden die Hotels und die Promenade gewann an optischem Reiz. Abseits des Massentourismus verschwanden auch die vielen nervigen Strandverkäufer mit ihren gefälschten Brillen und Uhren, so dass wir ab dem Hafen von Adeje endlich Ruhe vor ihnen hatten. Den Weg nach La Caleta, also etwa die letzten zwei oder drei Kilometer, sparten wir uns schließlich und machten uns stattdessen auf den Rückweg zum Hotel, wo wir den Tag entspannt ausklingen ließen.

Grindwale an der Westküste Teneriffas

Am achten Tag stand der Besuch im Siam Park an, dem größten Aquapark der Insel und einem der größten der Welt. Der Bus dorthin fuhr direkt vor unserem Hotel ab und brachte uns in wenigen Minuten zum Ziel. Ganz im Gegensatz zum eher felsigen und steinigen Süden der Insel, war der Park herrlich begrünt und toll angelegt. Rund um eine tropische Flusslandschaft, durch die man sich entspannt und bequem in Einzel- oder Doppelsitzern treiben lassen kann, lagen eine Unzahl von verschiedenen Rutschen und Vergnügungsmöglichkeiten, ein herrliches Kinderparadies und ein riesiges Wellenband samt Strand und Gastronomie. Es war keine Kunst, hier den ganzen Tag zu verbringen und es wurde nie langweilig! Wie schon den Zoo der Insel, so kann ich auch den Wasserpark nur nachdrücklich empfehlen und bin mir sicher, dass ihn eigentlich niemand nicht zu schätzen wissen würde, der sich nur im Ansatz für Rutschen und Wasserspiele begeistert. Mutig war ich auch: Eine der Rutschen des Parks geht nahezu senkrecht nach unten und nach zwei Sekunden “free fall” rutscht man für weitere zwei Schläge in einem Tunnel durch das Haifischbassin auf dem Areal – top! Enttäuscht hat keine der Rutschen und vor allem die riesigen für vier Personen waren unglaublich toll. Abends waren wir ziemlich platt und trotz Sonnencreme knallrot, aber das war wurscht: Es war ein toller Tag!

Ankerplatz am Fuße der Giganten unterhalb von Masca

Und der neunte sollte ein weiteres Highlight bieten, denn auf einer kleinen Yacht ging es mit nur zwei Dutzend Passagieren vom Hafen aus nach Los Gigantes, der riesigen Steilküste im Westen der Insel. Getränke und Obst waren ebenso im Preis inbegriffen, wie ein Mittagessen und die Hauptattraktion der Fahrt: Grindwale und Delfine hautnah! Und wir hatten Glück, denn eine große Herde der erstgenannten kreuzte unseren Weg und die Tiere waren sprichwörtlich zum Greifen nah. Delfine waren zwar weniger unterwegs, doch immer wieder konnte man hier und da welche entdecken. Einfach ein faszinierender Ausflug mit toller Reiseführung und jeden Euro wert! Auf dem Rückweg fuhren wir die Westküste hinab und erfuhren noch sehr viel über Land und Leute. Keine Frage: Immer wieder gerne, Neptuno und Holger! Zurück an Land nach mehr als fünf Stunden auf dem Schiff klapperten wir auf der Suche nach Andenken und Mitbringseln die örtlichen Einkaufszentren ab, doch irgendwie war das nichts und vernünftige Souveniers ließen sich nicht finden. Stattdessen gab es bei bestem Wetter noch einmal Pool, leckeres Abendessen und viel Wehmut am letzten Tag des Urlaubs. Wir wären wirklich am liebsten dort geblieben und überlegten selbst am Flughafen noch lange, ob wir nicht einfach umdrehen sollten. Das Gefühl, nach Hause fliegen zu müssen war unheimlich bitter, denn auch wenn Teneriffa sich uns nicht immer von seiner besten Seite gezeigt hat, so dürfte eines klar sein: Wenn ich irgendwann auswandere, dann genau dorthin – und wir kommen wieder, keine Frage!

Zu Gast auf der Sonneninsel, Teil II

Gorilla im Loro Parque

Am vierten Tag unseres Urlaubs auf Teneriffa wurden wir Zeugen eines seltenen Naturschauspiels auf der Sonneninsel: Regen. Der erste seit Monaten, wie wir später erfahren sollten. Tja, was nun? Bestes Wetter für einen Zoobesuch. Letztlich entschieden wir uns doch für die lange Fahrt in den Norden. Lang deshalb, weil es keine direkte Nord-Süd-Autobahn auf Teneriffa gibt. Das Tejde-Massiv ist einfach im Weg, so dass die Fahrtzeit in den Norden nach Puerto de la Cruz etwa eineinhalb Stunden dauerte. Als wir auf die Nordautobahn gelangten, fing es richtig an zu schütten und im dichten Nebel betrug die Sichtweite auf der Straße nur noch wenige Dutzend Meter. Sollten wir umdrehen? Wir taten es nicht, waren ja fast schon da und das war auch die richtige Entscheidung.

Weißer Tiger im Loro Parque

Wer den Loro Parque auf Teneriffa gesehen hat, der braucht wohl keinen anderen Zoo der Welt mehr besuchen! Ein tolles, tropisch gehaltenes Areal, wunderbares Ambiente, weitgehend tolle Freigehege (die Ausnahme bildeten die namensgebenden Papageien, aber daran arbeiten sie gerade – die Zuchtstation war dafür umso toller!), eine super interessante Führung mit vielen Informationen, klasse Shows und vieles mehr. Muss man gesehen haben! Leider waren die Orcas “in Renovierung”, aber das machte uns wenig aus, gibt es doch dadurch nur einen guten Grund, nochmal vorbeizuschauen! Und als wir in den Süden zurückfuhren spielte auch endlich das Wetter wieder mit.

Blick von Masca auf den Atlantik

Der fünfte Tag war ein Samstag und wir machten uns auf, die westliche Inselseite und das Tenogebirge zu erkunden. Oberhalb der Küste ging es auf einer gut ausgebauten Straße bis nach Santiago del Teide, wo wir auf die schmale Bergstraße nach Masca einbogen. Der Weg zum idyllisch gelegenen Bergdorf mitten im Gebirge war wohl die “heißeste” Fahrt, war doch die Straße deutlich verwinkelter und so schmal, dass an vielen Stellen eben keine zwei Autos aneinander vorbeifahren konnte. Die Pause in Masca entschädigte dafür umso mehr, denn der Blick durch die enge Schlucht auf das strahlendblaue Meer war einfach toll. Auch wenn ich stundenlang dort hätte bleiben können, ging es bald weiter über die schmale Strecke nach Norden, wo uns Nebel leider viel der tollen Bergatmosphäre nahm. Über Buenavista, wo wir für sparfüchsige 96 Cent pro Liter den Wagen auftankten, ging es nach Garachico. Die einstige Hafenstadt wurde Ende des 18. Jahrhunderts von einem Vulkanausbruch vernichtet und im Kolonialstil wieder aufgebaut, so dass die Innenstadt einem Museum glich und durch das Verbot von Autos ein wenig aus der Zeit gefallen schien. Wir aßen das beste Eis des Urlaubs, besichtigten eine kleine Festung, die einst den Hafen bewachte und staunten über das tolle Naturschwimmbad, in das gerade mit voller Kraft die Flut hineindrückte. Katja musste mich echt wegreißen, so toll war dieser Ort!

Marktplatz von Garachico

Der letzte Abschnitt der Hinfahrt führte uns zum Inselwahrzeichen, dem riesigen El Drago. Ein Riesenbaum, keine Frage, aber sooo toll nun auch wieder nicht. War eher einer der Punkte auf meiner Liste, den wir schnell abgehakt hatten. Wir fuhren zurück über andere Straßen als zuvor und erreichten die riesigen Steilwände von Los Gigantes im Westen der Insel. Mehrere hundert Meter hoch sind die geradezu senkrecht abfallenden Felswände dort und boten ein tolles Panorama! An der Küste entlang ging es schließlich zurück nach Adeje, vorbei an einem vollkommen einsam stehenden, knallig pinken Hotel. Was wir für bescheuert hielten, entpuppte sich – wie wir später erfahren sollten – als das Luxus- und Promiresort der Insel. Naja, Geschmack ist immer relativ.

Playa de las Teresitas

Am Sonntag, unserem sechsten Urlaubstag, hatten wir zum letzten Mal das Auto. So ging es früh über die Südautobahn in die Hauptstadt der Insel, Santa Cruz de Teneriffa. Wir fuhren am Hafen entlang und besichtigten die Stadt quasi “on the fly”, denn unser Ziel war der einzige echte Sandstrand der Insel: Die Playa de las Teresitas. In dieser herrlichen Bucht sammelte sich über die Jahrzehnte angewehter Wüstensand aus Afrika und wir erwischten einen tollen Tag mit bestem Wetter. So warm, dass wir nicht lange am Strand verblieben, sondern uns nach Nordosten aufmachten, wo die letzte der drei Bergregionen der Insel auf uns wartete: Das Anagagebirge mit seinen uralten Lorbeerwäldern. Bei dichtem Nebel – hier oben stauen sich die von Norden kommenden Wolken – folgten wir bei recht übler Sicht einer tollen Panoramastraße, über die der Wind die Wolken gespenstisch hinwegjagte.

Sandgemälde in La Laguna

Es war das größte Abenteuer unseres Urlaubs, vor allem durch die vielen engen Straßen und Kurven bei schlechter Sicht, und am Ende waren wir beide froh, dass wir unter der Wolkengrenze ankamen und sich vor uns das Tal von La Laguna ausbreitete. Wir spazierten ein wenig durch das erhaltene Zentrum der Universitätsstadt und schlugen dann den Rückweg über die Autobahn nach Adeje ein. Eine weitere Tour über Bergpanaromastraße am Tejdemassiv entlang verweigerte mir Katja leider. Also ging es noch kurz an den Pool und dann nach dem Abendessen entspannt an die Playa del Duque, um den Sonneruntergang zu genießen. Leider nahm uns eine mit bloßem Auge nicht zu erkennende Wolkenwand wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche viel von der sicherlich herrlichen Atmosphäre. Naja, man kann nicht alles haben.

Die Tage geht es weiter mit dem Ende dieses tollen Urlaubs. Bis dann!

OXI

Am Samstag hat sich die Schuldenkrise Griechenlands deutlich verschärft. Nach einem monatelangen Eiertanz voller letzter Chancen, ausbleibender Reformlisten und einer beispiellosen Wendehalspolitik, hat sich die griechische Regierung um fünf vor zwölf dazu entschlossen, die eigene Bevölkerung zu ihrer Meinung zu den Reformvorschlägen der EU zu befragen. Basisdemokratie ist ja grundsätzlich gut, doch die Bedingungen des Referendums sind albern: Über einen Kompromiss abstimmen zu lassen, den man selbst ablehnt ist lächerlich – zumal die Regierungspartei Syriza mit ihrer Wahl den deutlichen Auftrag bekommen hat, die Schuldenkrise zu lösen. Premierminister Tsipras fordert nun ein, dass es auf “die paar Tage nicht ankommen darf” und hätte die Hilfsgelder gerne für wenige Tage länger erhalten. Doch der Internationale Währungsform sagte ebenso Oxi zu diesem Entgegenkommen, wie Tsipras zum allerletzten Kompromissvorschlag. Nichts geht mehr und die verbalen Ähnlichkeiten zwischen Oxi und Exit könnten in den nächsten Tagen mit Leben gefüllt werden. Fünf Jahre Zeit hatten die Griechen, um zu einer Verhandlungslösung zu kommen, Reformen einzuleiten und die eigene Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Genutzt hat diese Option keine der diversen im Amt befindlichen Regierungen dieses Zeitrahmens. Stattdessen spielte vor allem die derzeit regierende Syriza auf Zeit, lavierte zwischen Entgegenkommen und Ablehnung, offenbarte eine verzerrte Sicht auf die Realität und brachte auf der Zielgeraden selbst die gemässigten Verhandlungsführer der Europäischen Zentralbank und des IWF gegen sich auf. Das Pokerspiel ist nun jedoch offenbar beendet, das letzte Angebot aus Frust über den Vertrauensbruch durch die Ankündigung des Referendums zurückgezogen. Europa sagt Oxi zu Griechenland, der Grexit droht nun mehr denn je.

Doch auch die EU hatte fünf Jahre Zeit, eine Lösung herbeizuführen und eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Sollen in der EU nur wirtschaftlich solide Nationen teilhaben dürfen? Oder gilt der Solidaritätsgedanke bis zur letzten Konsequenz, nämlich einer dauerhaften Unterstützung der nahezu insolventen Mitglieder? Steht Wirtschaftlichkeit im Vordergrund oder europäische Integration? Natürlich darf dieser Prozess nicht einseitig sein, darf Griechenland nun nicht – wie es leider so oft tut – mit dem Finger auf die Helfer zeigen. Seine Vorgängerregierungen haben es ebenso wenig geschafft, das wirtschaftliche Problem des Landes zu lösen, wie Syriza und Tsipras. Doch die Schuldigen sitzen nicht in Brüssel oder Berlin. Bundeskanzlerin Merkel dient als Feindbild nur in Form einer Verdrängungsreaktion, denn nicht sie hat das Land an die Schwelle des Ruins getrieben, ebensowenig wie die übrigen Regierungschefs und handelnden Personen. Das Problem ist und bleibt hausgemacht! Ohne Gegenleistung kann und wird es keine weitere Rettung der griechischen Wirtschaft geben können. Klingt logisch, wird jedoch immer wieder unter den Teppich gekehrt. Vor allem von Tsipras und Co., die nun mit ihrem sturen Pokerspiel ein ganzes Land gefährden. In der Abwägung der möglichen Reformfolgen und der Auswirkungen eines Grexit haben sie womöglich die falsche Spur verfolgt, galten ihnen Parteiprogramm und Wahlversprechen mehr, als die eigene Wählerschaft.

Die Folgen eines Ausscheidens der Nation aus dem Euro sind für die EU überschaubarer als für die Griechen selbst. Hier liegt offenbar das Eigentor, das Tsipras und seine Parteigenossen sich am Samstag geschossen haben. Wahrscheinlich wäre eine in enger Absprache mit der EU durchgeführte und finanzierte Reformierung der eigenen Wirtschaft besser gewesen, als der nun drohende Zusammenbruch und Neuaufbau. Wie es auch kommt: Die Zeche zahlen jetzt in erster Linie und ohne europäische Transferzahlungen die Menschen in Griechenland, die zum Opfer eines europäischen Mangels an einem “Plan B” oder festgelegten Verfahren bei Überschuldung eines Landes werden. Aber was will man von einer EU erwarten, die Verstöße gegen wirtschaftliche Auflagen mit Geldstrafen sanktioniert? Fortsetzung folgt… wahrscheinlich.

Zu Gast auf der Sonneninsel, Teil I

Blick vom Balkon auf Park und Berg

Anfang des Monats ging es für meine Frau und mich für zehn Tage nach Teneriffa auf die Kanarischen Inseln. Sonnengarantie stand auf dem Wunschzettel, dazu für mich vor allem tolle Landschaften und viele schöne Flecken zu entdecken. Denn Strand und Pool, das ist weniger meins als Katjas. So ging es also per Flieger von Düsseldorf dienstags los und am Nachmittag erreichten wir den Südflughafen der Urlaubsinsel. Doch statt Sonne satt mussten wir festellen, dass das Wetter sich nicht wirklich von dem in Deutschland unterschied. Nachdem dann unser Bus das Flughafengelände verlassen und den herrlich mit Palmen und exotischen Pflanzen begrünten Zubringer zur Autobahn hinter sich gelassen hatte, erlitt unsere Urlaubsstimmung einen weiteren Dämpfer. Die karge Vulkanlandschaft mit wenig Bewuchs und die kanarische Zweckarchitektur sorgten in Verbindung mit dem mässigen Wetter für leichten Frust bei uns, den auch das beschauliche und angenehme Apartement mit direkten Blick auf einen großen Park in Adeje nicht gleich vertreiben konnte. Irritiert saßen wir auf dem Balkon, starrten auf die wolkenverhangene Berge und schüttelten immer wieder mit dem Kopf. Nach dem – wie eigentlich immer – leckeren Abendessen gönnten wir uns in der Poolbar einen Urlaubsbegrüßungscocktail und zogen uns dann zurück auf den Balkon. Der Urlaub hatte ja gerade erst begonnen und konnte ja nur besser werden.

Blick auf die Playa de Fanabe

Der Mittwoch begann mit einer guten Nachricht: Die Sonne hatte die Wolken vertrieben und ließ unseren Zimmerblick auf Park und Berge doch gleich viel attraktiver erscheinen. Nach dem Frühstück machten wir uns zu Fuß auf an den nächstgelegenen Strand, die Playa de Fanabe. Der dunkle Sand hatte schon ordentlich Temperatur und während ich meinen Blick über das doch noch recht überschaubare Treiben am Strand schweifen ließ – ein Vorteil der Vorsaison, keine Frage – traute sich Katja sogar in das doch noch recht kühle Wasser des Atlantiks. Nach einem längeren Sonnenbad ging es weiter den Strand entlang, auf Vulkangestein rund um eine Landzunge in eine herrliche kleine Bucht zwischen der Playa de Fanabe und der Playa del Duque. Die Flut hatte schon eine ganze Weile zuvor eingesetzt und drückte nun mit Wucht in die seit vielen hundert Jahren in den Fels gewaschenen Höhlen und kleinen Fjorde, so dass die Wellen sich herrlich brachen und das Wasser beim Zurückweichen die mächtigen Steine unterhalb unseres Standorts – wir hatten uns auf eine Bank am Kopfende der Bucht zum Verschnaufen niedergelassen – wie Kieselsteine aneinander klappern und klackern ließen.

Bucht in Adeje bei Flut

Ich hätte stundenlang sitzen bleiben können, doch Katja wollte irgendwann dann doch weiter. Also ging es um eine weitere Landzunge herum, auf deren Spitze eine herrliche Villa thronte, an die Playa del Duque. Auch dieser Strand, kleiner und heller als der erste, strahlte Urlaubsstimmung aus. Da das Wetter ebenfalls mitspielte und sich für den Anreisetag entschuldigte, waren wir endlich auf der Insel angekommen. Auf dem Rückweg kauften wir im Einkaufszentrum direkt im Vorbau unseres Hotels ein und suchten kurz darauf erstmals den Pool auf, wo wir den Nachmittag ausklingen ließen. Nach dem Abendessen entspannten wir auf dem Balkon und genossen den Sonnenuntergang, der ein herrliches Farbenspiel auf die Berge warf.

Blick auf die Playa del Duque

Am dritten Tag, dem Donnerstag, standen wir früh auf, um zeitig zu frühstücken, denn wir hatten um zehn Uhr einen Termin mit Hertz, um unseren Leihwagen abzuholen. Auch das Büro der Leihfirma war direkt im Einkaufszentrum vor unserer Nase, so dass wir ohne Komplikationen an unseren kleinen, aber feinen VW Up kamen, der uns bis Montag begleiten sollte. Gegenüber vom Hotel war auf dem zentralen Parkplatz Adejes Markttag, so dass viele Touristen zwischen Ramsch- und Kleiderständen herumwuselten. Selbst Katja hatte nach drei der acht Reihen genug und wir fanden unseren Wagen am anderen Ende des Parkplatzes. Dann ging es auf in den kanarischen Straßenverkehr, der einige verwirrende Besonderheiten aufwies, vor allem Autobahnauffahrten ohne Beschleunigungsspuren und mangelnde Hinweisschilder sorgten zu Beginn für etwas hohen Blutdruck bei mir. Aber ich wurde nur zwei- oder dreimal angehupt, also alles halb so schlimm, und bald befanden wir uns auf der Landstraße hinauf zum Teide Nationalpark. Über eine weitgehend sehr komfortabel ausgebaute Serpentinenstraße – wichtig für Katja, sie mag das nicht so sehr – erreichten wir nach einer guten Dreiviertelstunde, die leider wieder präsenten, aber schon weniger störenden Wolken unter uns lassend, über El Medano, Villaflor und Boca de Tauce die große Ebene vor dem höchsten Berg Spaniens.

Blick auf den Teide

Wir waren schon knapp über zweitausend Meter hoch, doch bis zum Gipfel des aktiven Vulkans – gut an seinen beiden “Nasenlöchern” zu erkennen, hätten uns noch etwa tausendfünfhundert gefehlt. Wir fuhren nun von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, wanderten durch meterhohe Lavaströme und genossen die erstaunlich vielfältige Natur auf dem Dach der Insel. Unsere Rückfahrt führte uns über eine tolle Bergpanoramastraße über den Rücken des Gebirges, an El Portillo und La Esperanza vorbei in die Universitätsstadt La Laguna, doch wir bogen falsch ab und landeten schließlich in der Hauptstadt Santa Cruz. Die oben schon erwähnten Verkehrsbesonderheiten, zu denen sich verstärkt zweispurige Kreisverkehre und unangekündigte Autobahnauffahrten gesellten, führte jedoch bald dazu, dass wir den Besuch einer der beiden Städte abbrachen und über die Südautobahn zurück nach Adeje fuhren. Wir legten uns noch für eine Stunde an den Pool, genossen das Abendessen und ließen den Abend erneut auf dem Balkon ausklingen.

Wolkenmeer im Norden der Insel

Soviel erstmal für heute, weiter geht es in den kommenden Tagen!