NHL: Überraschungsteams vs. Derby

Nicht wenige hätte sich gewundert, wenn die Conference Finals zwischen den Pittsburgh Penguins und den Philadelphia Flyers auf der einen und zwischen den Vancouver Canucks und den Detroit Red Wings auf der anderen Seite des Kontinents ausgetragen worden wären. Auch mit Titelverteidiger Boston Bruins war zu rechnen, die Chicago Blackhawks konnte man nicht komplett abschreiben und die St. Louis Blues schienen gegen Saisonende so stabil, dass eine Finalteilnahme im Bereich des Möglichen lag. Doch nach zwei Playoff-Runden ist von den ganz heißen Eisen nur noch eines im Feuer, und das erst im siebten Spiel heute Nacht gegen die Washington Capitals. Doch am Ende blieben die New York Rangers als Nummer eins im Osten der letzte ganz große Hecht im Karpfenteich. Die drei anderen Plätze gehen vielmehr an Überraschungsteams, die für die Final Four oder gar den Stanley Cup kaum jemand auf der Rechnung hatte.

Im Osten treffen die Rangers nun also im Nachbarschaftsduell auf die New Jersey Devils. Auf jenes Team, dass in der vergangenen Saison einen eklatanten Fehlstart hingelegt hatte und dann im Endspurt nicht mehr die Playoffs erreichen konnte. Auch die diesjährige Regular Season lief bei weitem nicht so rund wie beim Team aus dem Big Apple, das eigentlich nie wirklich aus dem Tritt kam. Doch die sechstplatzierten Devils verabschiedeten zunächst in einem engen Duell die Florida Panthers mit 4:3 und machten dann unerwartet kurzen Prozess (4:1) mit den hochgehandelten Philadelphia Flyers. Die Rangers dagegen mühten sich wie erwähnt in zähen Duellen gegen Washington in die Conference Finals, nachdem zunächst schon Titelverteidiger Boston mühsam mit 4:3 aus dem Weg geräumt werden musste. Im Westen treffen die Los Angeles Kings, im Oktober noch Gast zur Saisoneröffnung in Europa, diesmal auch in Berlin – jüngst immer ein gutes Omen! – als achtplatziertes Team auf die ebenso unerwartet im Conference Final vertretenen Phoenix Coyotes, die jedoch im Endspurt der Hauptrunde als Dritte schon weitgehend unbeachtet ordentlich zugebissen hatten. Besonders die Kings scheinen genau passend zum Saisonfinale endlich auf einem Leistungshoch angekommen, nachdem es mit der Playoffteilnahme lange eng aussah. Doch zunächst wurde das beste Team der Vorrunde, die Vancouver Canucks, mit 4:1 auf den Boden der Tatsachen geholt, dann wurde das in der Liga so defensivstarke St. Louis mit 4:0 aus dem Wettbewerb gefegt. Eindrucksvoll! Gegner Phoenix setzte sich zunächst mit 4:2 gegen die Blackhawks durch und legte dann im Duell der Aussenseiter gegen die Nashville Predators ein 4:1 nach. Während LA das erste Mal seit 19 Jahren so weit in den Playoffs gekommen ist, war für die Coyotes schon der Einzug in das Conference Halbfinale der größte Erfolg der bisherigen Franchisegeschichte. Eines der beiden Überraschungsteams wird also nun im großen Finale stehen!

Offense wins Games, Defense wins Championchips – dieser Spruch scheint sich auch dieses Jahr zu bewahrheiten, denn alle vier Teams haben unheimlich starke Keeper in ihren Reihen. Die Jungspunde Jonathan Quick (Kings) und Mike Smith (Coyotes) dominieren dabei den Westen, während im Osten mit Hendrik Lundqvist (Rangers) und Rekordmann Martin Brodeur (Devils) eher die Älteren zur Hochform auflaufen. Hier herrscht ein komplett totes Rennen zwischen allen Halbfinalisten um den großen Pott! In der Abwehr sind alle Teams gut, aber nicht super gut besetzt, so dass die Angriffsreihen zu viel Freiräumen kommen werden. Wichtig wird sein, möglichst viel Druck auf die herausragenden Keeper auszuüben und dann mit einer Führung im Rücken zu agieren, denn diese Saison endeten bereits sehr viele Playoff-Partien supereng mit einem Tor oder in Overtime! Im Westen machen offensiv vor allem Anze Kopitar und der starke Dustin Brown für die Kings einen sehr guten Eindruck, während die Coyotes mehr über die Dichte des Kaders kommen. Im Osten spitzt sich alles auf die Frage zu, welches Duo das stärkere sein wird: Ilya Kovalchuk und Travis Zajac für die Devils oder doch Brad Richards und Milan Gaborik für die Rangers? Wir dürfen uns also auf sehr enge und spannende Spiele freuen! Mein Tipp für das Finale: Kings gegen Rangers.

Mutti ist die Beste!

Kurz und bündig, ehrlich klar:
Mutter, Du bist wunderbar!

Liebe Mutter,
Ich wünsch Dir Glück und Fröhlichkeit,
die Sonne soll Dir lachen,
Für heute und in alle Zeit,
will ich dir Freude machen!

Denn Muttertage, das ist wahr,
die sind an allen Tagen,
ich hab’ Dich lieb das ganze Jahr,
das wollt ich Dir nur sagen!

Nun, was soll ich dem unbekannten Autor dieses Muttertagsgedichtes noch hinzufügen? Nichts und Vieles, denn die besondere Rolle der eigenen Mutter nehmen wir oft als gegeben und normal hin. Doch wenn man sich das mal länger durch den Kopf gehen lässt, dann gibt es eigentlich keine andere Person auf der Welt, zu der man eine dermassen innige Beziehung hat. In der Regel ist es die Mutter, die immer da ist, wenn man Hilfe braucht. Und das nicht nur in den ersten Jahren, oder nur bis das Kind aus dem Haus ist – nein, meine Mutter ist auch heute noch immer und jederzeit für mich da. Leider drückt man dann zu selten aus, was einem seine Mutter bedeutet und ich tue mir sowieso richtig schwer mit solchen Sachen. Aber eines möchte ich heute mal sagen: Danke, dass es dich gibt, ich hab dich lieb! Ohne dich kann ich mir gar nicht vorstellen, also mach genauso weiter. :-)

Spieletipp: Crusader Kings II

Wir schreiben das Jahr 1207. Papst Victor III. hat zum Kreuzzug gerufen und Ordulf II., der Herzog von Sachsen und treuer Vassall seiner Majestät Kaiser Rupert I., folgt dem Ruf des Kirchenoberhauptes. Das heimische Territorium ist gesichert, mit den Dänen herrscht ein Waffenstillstand und mit den benachbarten Polen sind die Sachsen befreundet und durch die Heirat zweier Nachkommen verbunden. Die Hauptstadt Lüneburg blüht und wächst, lediglich der von Kaiser Rupert eingesetzte Herzog von Mecklenburg – so ein italienischer Emporkömmling aus der Grafschaft Verona – verweigert uns unsere Besitzansprüche an den Provinzen Rostock und Brandenburg. Zeit also, um in den besten Mannesjahren auf große Fahrt zu gehen! Acht Jahre später ist Ordulf II. von Sachsen König Ordulf I. von Jerusalem, denn nachdem er den größten Anteil an den Kriegsbemühungen des Papstes an der Eroberung der heiligen Stadt hatte, machte dieser den Sachsen zum Herrscher in den neu eroberten Gebieten! Eine Generation später ist das Hoheitsgebiet des Königs von Jerusalem gewachsen, doch Magnus I. von Jerusalem hat daheim große Probleme, denn die treuen Gefolgsleute seines Vaters Ordulf gehorchen ihm nicht, im Gegenteil: Sie bevorzugen seinen jüngeren Bruder Diethart. Auch die Eroberung der dänischen Krone ändert nichts daran, dass Magnus I. nie das Prestige seines Vaters erlangt. Kurz vor einem Bürgerkrieg stehend, muss der König von Jerusalem entscheiden: Die Kontrahenten militärisch bezwingen oder durch Abgabe eigener Privilegien und Lehen besänftigen? Magnus entscheidet sich für letzteres und gewinnt in den neuen Herzögen von Holstein und Braunschweig wichtige Verbündete für den Kampf gegen den Veroneser Rivalen, der nun selbst Ansprüche auf Lüneburg erhebt…

So hätte ich nun ewig weiterschreiben können, denn es ist kein Auszug aus einem Geschichtsbuch. Stattdessen ist es nur ein kleiner Auszug der Geschehnisse meines aktuellen Crusader Kings II Spielstandes mit dem Herzogtum Sachsen. Das Spiel, auf das ich durch einen sehr guten Test in der vergangenen PC Games gestoßen bin, müsst ihr euch in etwa vorstellen wie Medieval Total War, nur dass die Echtzeitschlachten wegfallen und stattdessen die Verwaltung- und Politikdimension extrem erweitert wurden. Das Spiel ist ein hartes Brett mit einem fuchsteufelsschweren Einstieg und vielen Frustmomenten, selbst auf der einfachsten Stufe noch jederzeit fordernd und vor unlösbare Aufgaben stellend. So wird Ordulf III., König von Jerusalem und Dänemark, später erbitterte Kriege mit dem englischen Großreich unter Richard IV. führen, der seinerseits weite Teile Frankreichs erobert und unterworfen hat. Nur der Kaiser wird ihm den Hintern retten und seine Titel erhalten, obwohl er seinerseits genug mit den abtrünnigen Böhmen zu tun hat…

Ihr merkt schon: Das Ganze ist vor allem etwas für Geschichtsfreaks wie mich mit einem Faible für Strategie! Doch wer sich in die Welt von Crusader Kings II einziehen und auf das Spiel einlässt, der erlebt eine Spieleperle in diesem Genre, deren Entwickler Paradox auch für die Hearts of Iron und Europa Universalis Reihen verantwortlich ist. Schnell stellt sich dann das bekannte und gute Strategiespiele auszeichnende “Eine-Runde-geht-noch”-Gefühl ein und die wenigen freien Stunden verbringt man als einer von hunderten realen Spielstartadligen – vom Kaiser bis zum kleinen Grafen ist jede kleine Provinz spielbar! Lediglich auf ein Spielen als muslimischer Herrscher muss der geneigte Hobbydynastiker noch verzichten, aber ich bin mir sicher, dass das genug Stoff für ein Addon hergibt. Kleiner Tipp noch: Spielt mit dem englischen Client, denn der deutsche hat doch noch einige Übersetzungsmacken. Ansonsten aber von mir ein absoluter Geheimtipp für historisch veranlagte Strategen! Sogar eine Bestellung für Diablo III habe ich noch nicht aufgegeben, denn zwei Suchtspiele auf einmal bei unheimlich eingeschränkter Freizeit? Das würde mein ohnehin vorhandenes Schlafdefizit ungemein und ungesund erhöhen…

Im Mai wählt NRW…

… und ich bin mehr als unentschlossen, wo ich denn nun mein Kreuzchen machen soll. Vorneweg: Dass wir in NRW überhaupt wählen müssen ist ein Witz! Im Allgemeinen hat die rotgrüne Minderheits- regierung unter Hannelore Kraft (SPD) wenig falsch, aber gezwungenermassen auch nicht allzu viel richtig gemacht. Sie hat Kontinuität gebracht und es ist klar, dass sie die Fehler der Vergangenheit – egal welche Parteienkonstellation am Werke war – nicht von heute auf morgen glattbügeln kann. Persönlich habe ich natürlich von der Abschaffung der Studiengebühren profitiert, allerdings leidet darunter die Lehre an den Hochschulen und sicherlich ist auch die Finanzierung der Eliteausbildung einer der Faktoren für das wohl notwendige – hier kann man natürlich streiten – Mehr an Schulden an Rhein und Ruhr. Doch im Großen und Ganzen war die Politik von Rotgrün in Ordnung und mir persönlich auch sympathischer als die schwarzgelbe Vorgängerregierung.

Doch dann entschieden sich die Linken, den Haushalt anstatt mit einer stillschweigenden Billigung durch Abwesenheit lieber durch Gegenstimmen platzen zu lassen und auch allen anderen Parteien war es egal, ob die Landespolitik für vier oder fünf Monate auf Eis gelegt wurde. Das ist arm und unverantwortlich! Zumal der Wähler sich fragen muss, was es denn bringt: SPD und Grüne könnten sogar noch von den Neuwahlen profitieren, die FDP und die Linke gar ganz aus dem Landesparlament fliegen und die Piraten ihre Fahne in Düsseldorf hissen. Das zu erwartende Ergebnis ist das, was wir auch Anfang des Jahres hatten: Hannelore Kraft regiert – und dann wohl mit einer Mehrheit. Das Ganze kostet das Land und die Parteien nun Geld und Energie, die woanders besser eingesetzt gewesen wären. Da ist es symphatisch, dass die Grünen in Recklinghausen auf Plakatwerbung für einen guten Zweck verzichten. Sauber! Irgendwie fällt es mir schwer, einen Sieger in der aktuellen Entwicklung zu sehen. Dennoch wird es am 13. Mai eine Wahl geben, wir bekommen ein neues Parlament mit wohl gleicher Regierungskoalition und neuen Wahlversprechen. Aber was ist davon zu halten? Und vor allem: Wo stehe ich dabei?

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir die sozialliberale Ausrichtung der Piraten sehr gefällt, aber ich zweifle an ihrer politischen Reife. Natürlich kann es der Partei helfen, immer mehr in landespolitische Verantwortung zu kommen, aber der Schuß kann auch nach hinten losgehen. Das Profil der Piraten ist mir wohl noch zu konturlos, um mein Kreuz hinter der orangenen Fahne zu machen. Aus Familientradition und sozialem Umfeld bin ich natürlich sehr SPD-affin und habe das mit meinem Abstimmungsverhalten bis auf ganz wenige Ausnahmen auch gezeigt. Doch sowohl SPD als auch CDU haben für mich derzeit an Attraktivität verloren, da sie auf neue Fragen keine neuen Antworten finden, sondern sich in einer Endlosschleife immer wieder auf alte Wege besinnen. Zudem wandern die beiden Pole immer näher aufeinander zu, doch die politische Mitte in Deutschland verträgt meines Erachtens nur eine Partei. Da fehlt mir eindeutig Innovation und Mut zu neuen Lösungsansätzen! Da die Linke für mich persönlich nicht wählbar ist – jede Partei sollte zumindest ansatzweise in der Lage sein, das eigene Wahlprogramm zu finanzieren und wenn eine Regierungsbeteiligung der Linken bedeutet, dass wir eine Schuldenflut erleben, dann hätten sie die alte Regierung auch nicht platzen lassen müssen! – bleiben nicht mehr viele Alternativen. Die FDP zersägt sich selbst und hat sich berechtigterweise mit ihrer jüngsten Politik das eigene Grab geschaufelt, in das sie möglicherweise am 13. Mai plumpsen wird. Wendehälse braucht NRW nicht und auch in Deutschland hat es sich ausgesteuert! Tja, bleiben die Grünen, denn eine Stimme für ganz kleine Parteien verweigere ich ebenso, wie ich einen Verzicht auf Stimmabgabe nicht nachvollziehen kann. Doch die Grünen in NRW sind mir zu wenig präsent, es ist nicht ganz klar, was sie wollen. Zudem haben sie es verpasst, den bundes- und regionalpolitischen Aufschwung nach Fukushima in realpolitische Inhalte und Forderungen zu transformieren und verlieren nun die damaligen Protestwähler an die Piraten.

In so einer Situation greife ich dann gerne auf den Wahl-O-Mat zurück, doch auch der ist mir keine große Hilfe, denn Grün, Rot, Linke und Piraten liefern sich ein Kopf-an-Kopfrennen, so dass schon die Wahl einer neuen Gewichtung bei einer These zu vollkommen neuer Reihenfolge an der Spitze führt. Immerhin kann ich dank dieser Hilfestellung die CDU und erst recht die FDP ausschließen. Bleibt also die Qual der Wahl zwischen Rot, Grün und Orange – vollkommen offen, wo ich das Häkchen machen werde. Wichtig ist mir nur eines: Politik muss sich an der Realität orientieren und keine Luftschlösser bauen. Sie muss da anpacken, wo es Not tut und sich nicht mit Nebenschauplätzen aufhalten. Aber ob unsere Demokratie dazu noch in der Lage ist? Wir werden es sehen, nicht nur am 13. Mai, sondern auch 2013. Denn dann wird im Bund gewählt und es könnte um Bundesmerkel auch national so einsam werden wie in Europa, wo ihr der Busenfreund Sarkozy abhanden zu gehen droht. Schauen wir mal, wohin der Urnengang im kommenden Monat unser Land führt.

Eine Bitte noch: Geht wählen!!!

Was (auch) gesagt werden muss

Günter Grass und sein Gedicht sorgten unlängst für viel Wirbel

Meine Güte, was hat Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (*1927) mit seinem “Gedicht” für eine Welle losgetreten! Kein Medium, dass nicht die vergangene Woche mit Grass Schlagzeilen produzieren konnte. Viele Literaten und Künstler generell wünschten sich einmal im Leben eine so große Bühne! Kleiner Tipp: In Deutschland reicht es aus, die Worte “Israel” und “Kritik” in einen Textkorpus einzubauen, in Relation zu setzen und mit einigen unnötigen und daher bewusst provokanten Angriffsflächen zu garnieren. Das Echo ist garantiert und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Worte “Antisemitismus”, “Schuld” und “Verantwortung” beinhalten. Eben das klassische Koordinatensystem der speziellen deutsch-israelischen, wobei man besser sagen sollte der deutsch-jüdischen Beziehungen. Kritik an Israel aus Deutschland gleich Antisemitismus? Nein danke!

Auf diese einfache, aber populistisch wirksame und oft gebrauchte Formel lässt sich alles herunterbrechen, was auch nur entfernt den Hauch hinterlässt, alte nie verheilte Wunden neu aufzureißen. Es ist ein Reflex auf ein großes und wichtiges Thema der deutschen Nachkriegsgeschichte, nahezu das Brechen eines Tabus bzw. ein Verstoß gegen den bundesrepublikanischen Habitus, grundsätzlich pro-israelisch eingestellt sein zu müssen. Wie sagte Bundesmerkel so deutlich: “Die Sicherheit Israels gehört zur deutschen Staatsräson”. Kritik an Israel wird zum Sakrileg in einer Demokratie! Bei allem Respekt vor der Vergangenheit, bei allem Bewusstsein für Schuld (vieler Deutscher, aber nicht aller – was gerne vergessen wird) unseres Landes in der Rechtsnachfolge des NS-Staates und der damit verbundenen Verantwortung gegenüber dem jüdischen durch das deutsche Volk (ja, ich habe das verbotene Wort gesagt, denn nur weil wir uns selbst nicht erlauben den Wortschatz der Nationalsozialisten zu gebrauchen, macht es uns gegenüber die ganze Welt): Manche Dinge müssen gesagt werden!

Soweit gehe ich mit Grass konform, auch wenn ich seine Kritik inhaltlich in manchen Punkten für aufgesetzt und falsch halte. In anderen Aspekten hat er wiederum Recht! Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich persönlich das hinbekomme, was viele Menschen nicht können, nicht wollen oder nicht einsehen: Das jüdische und von uns Deutschen im Holocaust mit den übelsten Menschenverbrechen nahezu ausgerottete Volk und der moderne Staat Israel sind für mich zwei Paar Schuhe! Dieser intellektuelle Spagat verbietet sich für viele Menschen in unserem Land unter dem Stichwort “Staatsräson”, um bei Bundesmerkel zu bleiben, doch ich nehme ihn für mich bewusst in Anspruch. Das Judentum ist eine sehr interessante, ja faszinierende Religion und sicherlich ist sie in Israel prägender als bei uns heutzutage das Christentum, doch Religion ist nur ein Aspekt von Gesellschaft. Eine Gleichsetzung von jüdischem Volk und dem Land Israel mag zwar der religiösen Überlieferung entsprechen, aber sie muss in einem aufgeklärten Zeitalter – und das nehmen wir für uns in Kauf, auch wenn wir davon immer noch so weit entfernt sind wie Israel und die Arabische Welt von einem tragbaren modus vivendi – einer Prüfung standhalten, die sie in meinen Augen nicht besteht. Für mich ist der Staat Israel in seiner heutigen Form deutlich getrennt zu sehen vom Judentum als religiöse Säule. Man bedient sich der Religion gerne, um unangenehme Dinge abzublocken, packt die Keule Antisemitismus hervor und knüppelt alles nieder, was anti-israelisch erscheint. Doch ist das der Weg des 21. Jahrhunderts?

Ein anderer Aspekt, den ich vor meiner eigenen Israelkritik aufgreifen möchte, ist meine persönliche Distanz zur Tätergeneration. Meine Eltern sind nach dem Krieg geboren, meine Großeltern spielten in meiner Erziehung nur eine untergeordnete Rolle und das Thema Weltkrieg wurde nur zaghaft und selten aufgegriffen. Nationalsozialistisches Gedankengut kam nicht vor, eine Auseinandersetzung mit der deutschen Verantwortung und Schuld jedoch auch nicht. Durch meine Studienkombination Geschichte und Religionswissenschaft fühle ich mich in der Lage, sowohl der enormen historischen Tragweite des NS-Regimes und des Holocausts, als auch der jüdischen Religion als frühes Kernelement des Staates Israels Rechnung zu tragen, zu reflektieren und zu bewerten. Ich und weite Teile der deutschen Bevölkerung haben eine so große Distanz zwischen Ausschwitz und Gegenwart gelegt, dass das Thema “Schuld” sich auf persönlicher Ebene allmählich ausgereizt haben dürfte und zusammen mit dem Thema “Verantwortung” zwar eine bedeutsame, jedoch nach außen deutlich eingeschränktere Rolle in der deutschen Gesellschaft und Politik spielen sollte. Nationalsozialismus und Holocaust dürfen nicht vergessen werden und ich bin mir sicher, dass das auch nicht so schnell passieren wird. Aber die beteiligte Generation stirbt aus, bald ist sie selbst Geschichte. Wann, wenn nicht jetzt darf man allmählich den Griff von der eigenen Kehle nehmen sobald es um Kritik an Israel geht? Ich denke man muss sich sogar gerade jetzt erlauben, sich Luft zu verschaffen!

Grass hat seine Wurzeln in der braunen Vergangenheit, daher traf ihn die Keule “Antisemitismus” voll und in einigen Aspekten zu Recht. Doch seine Kritik an Israel ist dadurch nicht das Produkt ewiggestriger Senilität, sondern auch die Äusserung eines der klügsten und intellektuellsten Deutschen der Gegenwart! Grass hat sein “Gedicht” angreifbar gemacht, nicht klar genug differenziert und in einigen Punkten lag er daneben. Aber wenn er “mit letzter Tinte” eine tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem Thema angestoßen hat, dann bin ich ihm zu Dank verpflichtet, denn manches muss eben gesagt werden! Ich hoffe ich habe mich mit diesen einleitenden Zeilen klar positioniert, um nun meine eigene Kritik an Israel anbringen zu können.

Die Gründung des Staates Israel nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte in einer seit Jahrhunderten kulturell zwar jüdisch beeinflussten, aber mit Sicherheit nicht geprägten Region. Das Christentum in römischer und byzantinischer Ausprägung, sowie viele hundert Jahre gelebte islamische Kultur überlagerten die Rudimente des biblischen Israels. Die Bildung Israels im arabisch-muslimisch dominierten Raum glich damit der Installierung eines sowjet-kommunistischen Bundestaates in den USA zur Zeit des Kalten Krieges! Das ist natürlich überspitzt, aber Fremde vor die eigene Haustür gesetzt zu bekommen ist immer befremdlich. Vor allem dann, wenn sich die Neuankömmlinge bzw. die sich erneut nach beinahe zweitausendjähriger Diaspora ansiedelnde Urbevölkerung (blödes Wort, aber es trifft den Nagel auf den Kopf) in der Folge das Recht einer zweiten Landnahme nimmt, sich gegenüber der arabischen Welt abschottet und letztlich sogar auf elementare Konfrontation geht. Natürlich ist es einfach, aus unserer Sicht über die Vergangenheit zu urteilen, doch der Staat Israel war nunmal kein Produkt des Dialogs, der Völkerverständigung oder eines Kompromisses, er war das Diktat der Weltmächte! Trotz der vielfältigen Probleme, die ein solcher Kunststaat mit sich bringt, gelang Vieles, doch misslang Elementares: Es erfolgte keine Integration in das arabische Umfeld, gleichwohl auch umgekehrt Israel nicht integriert wurde. Die Zeichen standen auf Sturm und stehen es auch heute noch, denn Israel erkämpfte sich sein religiös-legitimiertes Existenzrecht ohne Rücksicht auf die arabische Umwelt und auf die durch die Staatsgründung zu Einwohnern des Staates Israels gewordenen Araber.

Das gegenwärtige Bild Israels ist für mich besorgniserregend, vor allem aufgrund seiner Parallelen zur deutsch-jüdischen Vergangenheit. Das unterdrückte Volk wurde zu Unterdrückern, das wie Vieh in Ghettos gepferchte Volk baut Mauern, nicht nur um sich selbst nach aussen hin, sondern auch um die arabische Bevölkerung von elementaren Grundrechten abzuschotten. Auf Kosten der jahrhundertelang dominierenden Einwohnerschaft wird durch älteres Recht die Landnahme durch Siedlungsbau- und Erschließungsprojekte fortgesetzt. Integration? Fehlanzeige! Doch auch die arabische Welt ist dazu erst seit jüngerer Zeit zum Teil bereit, mit langer Verzögerung setzte der Dialog ein, der eigentlich schon 1948 notwendig gewesen wäre. Das Ergebnis nach jahrzehntelanger Ablehnung und gegenseitiger Bekämpfung steht noch aus – und es ist fraglich, ob es dazu kommen wird. Denn um den Bogen zu Grass’ “Gedicht” zu schlagen: Israel – sich durch Iran bedroht sehend, aber in Wahrheit durch selbstgewählte, isolatorische Außenpolitik in einer Sackgasse verrannt – droht mit Waffengewalt die atomaren Bemühungen Irans zu  beenden. Das wäre ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht! Ahmadenidschad, der iranische Präsident, ist ein zutiefst abzulehnender Politiker, einer dieser “Führer”, die die Weltgeschichte zum eigenen Leidwesen immer wieder hervorbringt. Doch sein Land hat jedes Recht der Welt, Atomtechnologie zu entwickeln und zu nutzen. Sogar in der Waffentechnik, auch wenn ein Ahmadenidschad mit einem Roten Knopf so ziemlich das Übelste ist, was ich mir vorstellen kann. Aber darf die nicht legitime – im Sinne des Atomwaffensperrvertrages – Atommacht Israel dieses Szenario mit nicht-sanktionierter Waffengewalt beenden? NEIN!

Ein Angriff Israels unter gefühlter oder realer Rückendeckung der USA (größte jüdische Bevölkerungsgruppe ausserhalb Israels) und Deutschlands (Stichwort “Staatsräson”) wäre eine Bankrotterklärung gleich auf mehreren Ebenen. Die erste ist die bilaterale, doch diese ist schon seit Jahrzehnten durch das gleich einem Magneten abstoßende Verhalten der beiden Nationen obsolet. Die zweite ist die regionale Ebene, auf der jeglicher entstandener Dialog im Zuge der andauernden Friedensgespräche mit einem Schlag zunichte gemacht wäre. Oder glaubt jemand im Traum daran, dass Israel sich selbst unter den moderatesten Nachbarn mit einem Waffengang Freunde machen würde, geschweige denn Verbündete finden würde? Und es wäre drittens natürlich eine Katastrophe für den globalen Dialog und die entsprechenden multilateralen Organe. Es wäre schlicht und ergreifend ein Versagen der demokratischen und völkerrechtlichen Weltanschauung, sowie der Nationen, die für sich selbst den Anspruch als Weltmacht erheben. Die israelische Vergangenheit vor 1948 wäre dann das Sahnehäubchen, denn im Grunde hat dann weder Israel noch die Welt aus der Katastrophe des Holocausts gelernt!

Der einzig gangbare Weg ist der des Dialogs, denn nur auf diplomatischer Ebene kann ein unserem westlichen Selbstverständnis entsprechendes Ergebnis erzielt werden. Auch wenn es für die Integration des Staates Israel in den arabischen Kulturraum viel zu spät erscheint, so ist das der nötige Weg! Israel muss nach innen den Palästinensern die Hand reichen, aller terroristischer Vergangenheit und Gegenwart zum Trotz. Ebenso muss Israel nach aussen dialogbereit auf seine Nachbarn zugehen, darf die Früchte jahrzehntelanger Diplomatie nicht mit einem wilden Aufstampfen zertreten. Die Folgen eines israelischen Angriffs auf einen unabhängigen Staat – und nichts anderes ist der Iran trotz aller Bedenken auch meinerseits – sind unabsehbar. Im arabischen Raum würde sich Widerstand regen, wenn nicht offen in Form von Kriegshandlungen, dann in Form von Abbruch diplomatischer Beziehungen. Der Funke des Krieges, den Israel in den Iran tragen würde, könnte auf Nachbarländer wie Afghanistan oder Irak überspringen, in denen die Demokratisierung nach westlichem Vorbild scheinbar misslungen ist und für die ein – auch religiös legitimierter – Konflikt eine neue Identifikations- und Sinnstiftung darstellen könnte. Um es auf den Punkt zu bringen: Alles, was die USA und ihre Verbündeten an Werten und Hilfen in die Region gepumpt haben, droht verloren zu gehen! Daher kann die Maxime nur heißen: Stoppt Israel dabei, den Iran zu stoppen! Die Welt kann keinen Funken in der Nähe der größten Pulverfässer der Gegenwart gebrauchen, ein Eingreifen muss Israels Regierung vor sich selbst retten. Auch wenn ein kalter Krieg mit gegenseitiger atomarer Abschreckung zwischen Iran und Israel droht: Die anderen arabischen Länder wären Israel gegenüber dialogbereiter, wenn dieses den Finger vom Abzug nehmen und auf die arabische Welt zugehen würde! Alles nur ein Traum? Mag sein, doch wenn man die Hoffnung auf friedliche Lösungen aufgibt, dann dreht sich die Spirale der Eskalation ungebremst weiter.

Die Haltung der Bundesrepublik dieser Situation gegenüber muss daher in meinen Augen von der Vergangenheit entkoppelt werden, die Sicherheit der Welt darf meiner Meinung nach nicht hinter eine Palisade von “Schuld” und “Verantwortung” zurückgestellt werden! Deutschland muss sich klar zum demokratisch-globalen Dialog bekennen und in dieser Sache auch einmal gegen Israel Position beziehen. Der Iran darf nicht aussen vor bleiben, keine Frage. Er muss natürlich mit allen friedlichen Mittel bearbeitet werden, die das derzeitige westliche Weltkonzept hergibt. Auch ein “wir akzeptieren euer Recht auf friedliche atomare Forschung” muss möglich und darf kein Tabu sein. Die Atombombe als Geißel der Menschheit ist weiterhin die ultima ratio für manch einen verwirrten Geist, klarer Fall, und Iran und Nordkorea gehören nicht zu den gewünschten Atomwaffenbesitzern, auch klar. Doch am Ende greift Israel den Iran an und wir erleben erneut, dass es für diesen Kriegsgrund keine Beweise gibt. Dann wäre der Frieden der Völker für ein Luftloch geopfert worden! Iran und Nordkorea müssen wie alle anderen Länder der Welt lernen, auf Atomwaffen zu verzichten. Dazu gehört ein globaler Dialog, kein auf egozentrischen Weltbildern basierender Krieg!

Das musste gesagt werden – und es ist ein langes “Gedicht” geworden. Hoffen wir, dass die internationale Gemeinschaft es schafft, Israel auf den gemeinsamen Boden zurückzuholen, den es durch eigene Weltanschauung geblendet und durch selbstgewählte Isolation zu verlassen droht. Israel oder Iran ist also keine Alternative: Beide gehören durch die internationale Staatengemeinschaft ernst genommen und bestmöglich integriert. “Wunschdenken” mag mir manch einer vorwerfen, klar. Aber was ist die Alternative und zu welchem Preis? Darf man Israel “machen lassen”, nur weil es eine besondere historische Komponente gibt? Nein! Grass hat dieses Thema in die Medien gehoben und sagte, was gesagt werden muss. Zwar hat er sich dabei in einigen Aspekten vergriffen und an anderen verhoben, aber er hat hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Auch ohne die Reflexkeule zu spüren, da mein “Gedicht” sicherlich nicht so weit verbreitet werden wird, müssen wir Grass dankbar dafür sein, dass er an diesem Stachel der gegenwärtigen Vergangenheit gewackelt hat!

NHL: It’s playoff time!

Erneut bestes Team der Vorrunde: Die Vancouver Canucks

Die Regular Season ist seit dem Wochenende Geschichte und ab heute Nacht geht es in die Playoffs der besten Eishockey Liga der Welt! Meine Detroit Red Wings bekommen es mit den Nashville Predators zu tun – das war im Vorjahr ein klarer Sweep, doch diese Spielzeit sieht das etwas anders aus. Detroit hat das Heimrecht durch eine ellenlange Verletztenliste im Saisonendspurt verloren, dazu auswärts oft richtig gruselig gespielt. Daher wird dieses Duell 2012 zu einer ganz engen Kiste. Und zwei Duelle stehen natürlich auch im Fokus, denn alle vier sind sicherlich heiße Kandidaten auf den Stanley Cup: Die Pittsburgh Penguins treffen auf die Philadelphia Flyers und die Washington Capitals bekommen es mit Titelverteidiger Boston Bruins zu tun! Und dann sind da noch die Überraschungsteams der Saison, die nach den Sternen greifen, die vor der Spielzeit noch viel zu weit oben hingen: Die St. Louis Blues treffen auf die San Jose Sharks, während die Florida Panthers es mit den New Jersey Devils zu tun bekommen. Die Los Angeles Kings sind gegen das beste Team der Vorrunde, die Vancouver Canucks, nur Außenseiter, die Chicago Blackhawks bekommen es mit den Phoenix Coyotes zu tun und die sensationell im Umbruchjahr in den Playoffs vertretenen Ottawa Senators dürften für die New York Rangers nur Durchgangsstation sein – aber wer weiß das schon in den Playoffs! Die großen Nieten zogen diese Saison die Buffalo Sabres, die mit großen Ambitionen und einer deutlichen Kaderverstärkung gestartet sind, nun aber als Neunter im Osten in die Röhre schauen, sowie die Anaheim Ducks, die ihren Vorjahrsendspurt nicht wiederholen konnten und tief im Keller des Westens versauern, während woanders Playoffs gespielt werden. Man, bin ich gespannt wer am Ende den Stanley Cup holen wird! Immerhin ist dieser seit zwölf Jahren durch viele Hände gegangen und nie verteidigt worden!

Ganz klar Spieler des Jahres und nun mit Crosby noch gefährlicher: Evgeni Malkin

Die Spieler des Jahres zu suchen ist diesmal kaum schwer. In Abwesenheit von Sidney Crosby – wohl der dickste Joker in den Playoffs und in meinen Augen das Puzzlestück, das den Pens gefehlt haben könnte – konnte sich Evgeni Malkin mit 109 Punkten mehr als deutlich gegen seine Konkurrenten durchsetzen und die Sedin-Dominanz der vergangenen Jahre brechen. Hinter dem bärenstarken Russen konnte Steven Stamkos von den Tampa Bay Lightning trotz verpasster Playoffs seine Sonderstellung unter den Torjägern beweisen und bei 97 Punkten gleich 60 Treffer erzielen. Drittbester Scorer wurde Philadelphias Claude Giroux, der mit 93 Punkten seine bisher beste Saison spielte und noch für viel Furore sorgen wird. Dahinter folgt mit Jason Spezza einer der wenigen Überlebenden des Ottawa-Umbaus, dessen 84 Zähler nach drei mässigen Jahren massgeblichen Anteil am guten Abschneiden der Senators hatten. Das Spitzenquintett vervollständigt Ilya Kovalchuk mit 83 Punkten, der damit die katastrophale Devils-Vorjahresspielzeit vergessen machen konnte. Bei den Torjägern platzierte sich hinter Stamkos und Malkin (50 Treffer) mit deutlichem Respektabstand Milan Gaborik von den New York Rangers (41), dicht gefolgt vom starken Crosby-Ersatz James Neal (40) und Alex Ovechkin, der trotz durchwachsener Saison am Ende noch 38 Mal treffen konnte. Für die Sedin-Twins reichte es immerhin zu den meisten Vorlagen, die sich Henrik Sedin (67 Assists) vor Giroux (65), Malkin (59) und Bostons Joe Thornton (ebenfalls 59) sichern konnte.

Drittes Jahr, drittes Mal deutlich verbessert: Abwehrsensation Erik Karlsson

Das Maß aller Dinge bei den Abwehrspielern war Ottawas Erik Karlsson, der die meisten Tore (19), Vorlagen (59) und Punkte (78) erzielen und damit einen starken elften Rang unter allen Punktesammlern einfahren konnte! Bei den Rookies wussten am Ende drei besonders zu überzeugen, von denen ich eigentlich keinen hervorheben mag: Gabriel Landeskog von den Colorado Avalanche und Topdraftpick Ryan Nugent-Hopkins kamen auf je 52, Adam Henrique von den New Jersey Devils überraschte mit 51 Punkten. Den größten Impact hatte aber sicher Nugent-Hopkins, der nur 62 Spiele absolvieren konnte und bei voller Einsatzzeit wohl um die 70 Zähler hätte einfahren können. Und aller Voraussicht nach bekommt er einen weiteren Topdraftpick an seine Seite, denn die Oilers sind auch 2012 als erste an der Reihe, wie die heutige Draft-Lotterie ergeben hat! Keeper des Jahres war mit Sicherheit Stehaufmännchen Brian Elliott, der zusammen mit Jaroslav Halak für die St. Louis Blues einen NHL-Rekord für die wenigsten Gegentore in einer Saison aufstellen konnte. Dazu sicherte sich der bei Ottawa und Colorado nicht für gut genug befundene Elliott mit Save Percentage und Goals Against Average zwei der wichtigsten Torhüter-Statistiken und musste bei den Shutouts (9) nur Jonathan Quick von den Los Angeles Kings den Vortritt lassen (10). Die meisten Siege fuhr Pekka Rinne von den Nashville Predators ein (43). Bester deutscher Scorer war trotz deutlicher Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr Buffalos Christian Ehrhoff (32 Punkte), der jedoch in den Playoffs nun zuschauen muss, wo es doch mit den Canucks im Vorjahr fast zum Titel gereicht hat. Überraschend stark kam nach seiner Verletzungspause Marcel Goc zurück, der für die starken Florida Panthers – erstmals seit zehn Jahren in den Playoffs! – 27 Punkte in nur 57 Spielen erzielte. Dauerbrenner war einmal mehr Dennis Seidenberg, der für die Bruins nur zweimal nicht auf dem Eis stehen konnte und 23 Mal punktete – auch bei ihm weniger als im Meisterjahr. Alexander Sulzer profitierte von seinem Deadline-Wechsel von den Canucks zu den Sabres, wo er regelmässig spielte und noch neun Scorerpunkte erzielen konnte. Für die beiden deutschen Altstars Jochen Hecht in Buffalo (9) und Wandervogel Marco Sturm (5), jetzt Florida, war es ein gebrauchtes Jahr. Thomas Greiß stellte mit neun Siegen und sieben Niederlagen seinen Wert als Nummer zwei der San Jose Sharks unter Beweis und wird möglicherweise in der kommenden Serie mehr Einsatzzeit bekommen.

Heute Abend geht es los! Ick freu mir!!!

Back to the foot

Nunja, vielleicht nicht die tollste Überschrift der Weltgeschichte und grammatikalisch auch nicht gerade eine Erleuchtung, denn die Ableitung von “back to the roots” müsste ja korrekt “back to the feet” heißen, aber Schwamm drüber. Heute war der zweite Streiktag im Öffentlichen Personennahverkehr, der weite Teile des lokalen Verkehrsnetzes lahmlegte, darunter auch die für mich zuständige Busverbindung zwischen Arbeit und Wohnung. So machte ich mich nach achteinhalb Stunden stehender Arbeit auf den Heimweg, per pedes – sozusagen “back to the foot”. Sieben Kilometer von Datteln nach Oer-Erkenschwick, und zum Glück quasi nur vom einen Ortseingang zum anderen, aber immerhin keine kurze Wanderstrecke. Zumal der Frühling sich dann auch noch entschloß, sich von seiner charmantesten Seite zu zeigen. Die Wahl der Füße als Fortbewegungsmittel war alternativlos, denn morgens fährt mich meine Frau Katja immer zur Druckerei, zurück nehme ich immer den Bus, der normalerweilse perfekt für die Strecke ist: Raus aus dem Betrieb, rein in den Bus, raus aus dem Bus, rein in die Wohnung. Jeweils nur wenige Dutzend Meter Fußweg. Naja, diesmal waren es mal einige mehr.

Heute jedoch fiel die perfekte Verbindung natürlich dem Streik zum Opfer, über dessen Berechtigung ich an dieser Stelle keine Zweifel äussern möchte. Streik ist ein legitimes Mittel im Arbeitskampf und gerade im ÖPNV natürlich ein attraktives Druckmittel. Es ist – wenn man selbst von den Auswirkungen betroffen ist – natürlich ärgerlich, aber man muss es akzeptieren. Da meine Fahrradreifen platt sind und ich keine Lust hatte, morgens nach Datteln zu jockeln, und da ich zu geizig für ein Taxi bin und nicht einsehe, Verwandte für meine Bequemlichkeit einzuspannen blieb als letzte Hoffnung das Rad unseres Nachbarn, der im gleichen Betrieb arbeitet. Doch der von mir geplante Deal “gib mir den Drahtesel und ich hole dich später mit dem Auto ab, wenn meine Frau von der Arbeit zurück ist” stieß nicht auf die gewünschte Resonanz. Also doch die maltretierten Füße zu einer weiteren Gefälligkeit herangezogen und auf gings: Vierzig Minuten Wanderung und viele interessante Eindrücke und Gedanken. Macht euch mal den Spaß und lauft einen motorisiert vertrauten Weg zur Abwechslung mal zu Fuß, ihr werdet staunen!

Die erste Beobachtung war irgendwie zu erwarten: Natürlich war ich nicht der Einzige ohne Fortbewegungsmittel und so begegneten mir viele Wanderer, die wie ich Jacke und Pulli geschultert, die Trinkflasche in der anderen Hand die Hauptstraße zwischen den Feldern entlang liefen. Wenn ein Ereignis sich wildfremden Menschen ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubert, dann ist es doch im Grunde positiv! Geteiltes Leid ist eben nur ein halbes, wie der Volksmund so schön sagt (aber meine Füße in diesem Fall nicht um ihre Meinung fragte). So schweifen die Gedanken hin zur Anonymität der Masse, denn im Bus hätten wir Wanderer uns sicherlich in keiner Form ausgetauscht, sondern geflissentlich – wie in unserer Gesellschaft mittlerweile üblich – ignoriert. Macht euch mal den Spaß und wünscht an einer Bushaltestelle mal den Wartenden einen “Guten Morgen”: Die schauen euch an, als ob ihr gerade aus einer Zeitmaschine entstiegen wärt! Da ist so ein Streik doch mal ein angenehmer Augenöffner.

Was einem auch nicht klar wird, wenn man mit Auto oder Bus den gleichen Weg immer wieder entlangfährt ist, dass die Umgebung durchaus ihren Reiz hat. Links und rechts beginnen Bäume und Sträucher zu grünen, die Felder sind bestellt oder liegen noch in Erwartung zukünftiger Nutzung brach. Da hinten entdeckt man eine Laubenkolonie, dort auf der anderen Seite erblickt man das Silo, das man sonst nur von einer anderen Perspektive kennt und so weiter. Was einem aber auch auffällt: Müll, Dreck und Unrat soweit das Auge reicht. Besonders Gebüsche und Gräben scheinen beliebte Entsorgungsorte für den alltäglichen Müll zu sein – und ich rede hier nicht von den allgegenwärtigen Zigarettenkippen und Hundepfui! Vom PC-Bildschirm, über Plastiktüten, jede Menge Papier und Verpackungen bis hin zu nicht mit Pfand belegten Dosen und Flaschen: Ein solcher Spaziergang öffnet einem wieder einmal die Augen, was wir unserem Planeten in nonchalanter Art und Weise “Gutes” tun. Macht also eure Erkundung per pedes jetzt, solange nicht pralles Grün das tiefe Grau des Umweltalltags verdeckt!

Dieser Art entschleunigt wundert man sich dann auch, warum man die Käferart da auf dem Boden eigentlich noch nicht kannte oder das Vogelzwitschern einem im Winter doch irgendwie gefehlt hat. Und man erfährt und entdeckt spannende Dinge – naja, sagen wir mal besser interessante Details.  Auf dem ersten der beiden großen Bauernhöfe auf dem sieben Kilometer langen Fußweg gibt es frische Eier und Heu – autsch, ja: Eine weitere Erkenntnis ist das Nahen der Heuschnupfensaison – zu erwerben, auf dem zweiten Zwergkaninchen zu erstehen und Pferdeboxen zu mieten. Der eine Hof hat einen Unterstand für Nutzfahrzeuge und Heu, dessen vorderer Pfeiler in sich zusammengebrochen ist, der zweite Bauer reißt gerade seine Scheune ein. Ich wusste nichtmal, dass da eine steht! Und so geht das den ganzen Weg lang: Man entdeckt, wie detailreich unsere Welt doch ist und wie eingeschränkt und limitiert wir sie doch für gewöhnlich wahrnehmen. Meine Gedanken schweiften dann weiter: Ich wohne seit bald fünf Jahren in Oer-Erkenschwick, wie viel von diesem Ort kenne ich überhaupt? Wohin führt dieser Feldweg, was verbirgt sich um die Ecke dieses Pfades? Was gibt es noch alles zu entdecken, wenn man nicht so spazierunlustig wäre wie ich? Mit dem Rad – wenn es denn mal Luft hat – lassen sich da schon einige Lücken der Ortskundigkeit schließen, doch wirklich bewusst macht man sich das Meiste wohl wirklich nur zu Fuß.

Ein letzter Gedanke zu meiner heutigen Wanderschaft kehrt zurück zum Ausgangsthema zurück: Back to the foot. Wir haben uns an viele Annehmlich- und Selbstverständlichkeiten des Lebens derart gewöhnt, dass wir ohne sie zum Teil mächtig aufgeschmissen sind. Während ich persönlich auf Telefon oder Fernsehen verzichten kann, würde ich das Internet oder die Geschirrspülmaschine nie und nimmer missen wollen. So gewinnen viele Dinge an Wert, wenn man für eine Weile auf sie verzichten muss. Daher bin ich froh, dass ich in der Regel ja nicht auf meine Füße als Transportmittel angewiesen bin. Früher war das aber das Normalste von der Welt! Mal eben zu Fuß nach Recklinghausen oder Datteln war von Oer-Erkenschwick aus selbstverständlich! Und ich jammere hier rum wegen der popeligen sieben Kilometer… Lange Rede, kurzer Sinn: Zurückgeworfen auf sich selbst zu sein ist von unschätzbarem Wert! Wir sollten uns alle angewöhnen, nicht Alles als selbstverständlich anzunehmen und ohne Reflexion – in welcher Art und Weise auch immer – zu “konsumieren”. Das Leben hat viel mehr zu bieten, als es auf dem durch den Alltag getrübten Auge zu erkennen scheint – und ein kleiner Fußmarsch hilft sicherlich dabei, sich genau das bewusst zu machen! So, und morgen geht es wieder mit dem Bus zurück nach Hause… ;-)

Blauweiß trifft Königsblau

Gestern war die F-Jugend meines Vereins mit mir als Trainer auf Schalke! Ich denke schon, dass dieser Artikel daher auch ruhig auf meiner eigenen Homepage stehen darf. Viel Spaß beim Lesen!

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Gestern Nachmittag stand für unsere F-Jugend ein absolutes Highlight auf dem Programm: Es ging in die Veltins Arena nach Gelsenkirchen, wo unsere Jungs später am Tag beim Europapokalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und dem niederländischen Pokalsieger Twente Enschede eines der Einlaufteams stellen durften! Organisiert hatte diese kurzfristige Überraschung Schalke-Fan und Post-Urgestein Stephan Kuhlmann, seines Zeichens stellvertretender Jugendleiter der Spielvereinigung Blau Weiß Post. Den Weg bereitet hatte eine lose Anfrage am vergangenen Donnerstag, beim Hinspiel im Nachbarland. Es stellte sich heraus, dass noch eine Mannschaft neben dem Erler SV 08 für den Einmarsch in die Fünf-Sterne-Arena fehlte. Natürlich konnten wir uns das nicht entgehen lassen!

Blauweiße Jungs (und ein Mädchen) in Rot mit den großen königsblauen Jungs

Leider konnten wir nur elf Kinder mit in die Arena nehmen, so dass drei Kids unseres Minikicker-Teams in die Röhre schauen mussten, die wir in unserer Euphorie zu früh mit eingeladen hatten und hinterher nach weiterem Informationseingang zurückrudern mussten. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich und in aller Form entschuldigen!

So ging am Donnerstag um halb sechs mit den elf Einlaufkindern und jeweils einem Elternteil samt Trainer Thomas Kauert nach Gelsenkirchen. Die Anreise klappte wunderbar und der Parkplatz entpuppte sich als Geheimtipp und ermöglichte eine rasche Heimreise nach dem Spiel. Gemeinsam wanderten wir vorbei am Stadion und über die Trainingsanlage zur Geschäftsstelle, wo wir auf die Erler Jungs trafen und von zwei Verantwortlichen der Königsblauen begrüßt wurden. Nach einigen grundlegenden Informationen ging es zum Umziehen – und zum Losentscheid, welche Jugend- mit welcher Profimannschaft auflaufen würde. Das Schalke-Los traf zu großer Freude unsere Jungs, auch wenn wir dafür in Enschede-Rot in die Arena einmarschieren würden. Das weiße S04-Trikotset, das jedes Einlaufkind bekommen würde, entschädigte dafür natürlich!

Nach einer kurzen Stadionführung – VIP-Eingangsbereich, Stadionkapelle, Pressebereich und Rasen – hatten wir eine längere Pause, die wir für unser leibliches Wohl nutzten. Es gab lecker Bretzel und Wurst, dazu koffeinhaltige Getränke, denn der Abend würde noch etwas dauern. Die Spannung stieg natürlich von Minute zu Minute und gegen neun Uhr war es dann soweit: Schalke und die F-Jugend von Blau Weiß Post betraten die fast ausverkaufte Arena! Ein ganz besonderer Moment für die Jungs, natürlich. Anschließend hieß es fix umziehen und das richtig gute Spiel anschauen. Zwar geriet der S04 in Rückstand, doch vor allem Klaas-Jan Huntelaar sogte für die Wende zum 4:1-Sieg und richtig gute Stimmung in der Veltins Arena, die dem ein oder anderen F-Jugend-Kind ordentlich in den Ohren brauste. Spaß machte es dennoch und zumindest einem Spieler brachte das viele Mitsingen und -jubeln eine heisere Stimme ein!

Nach dem Spiel hieß es dann ab in die Autos und zurück nach Recklinghausen, wo wir gegen Mitternacht auch ankamen. Natürlich dürfte der ein oder andere am nächsten Morgen in der Schule etwas müde gewesen sein, aber dafür gab es auch genug zu erzählen für die Klassenkameraden. Eines ist klar: Wir werden uns bemühen, in naher Zukunft erneut in ein Bundesligastadion einzulaufen. Vor allem auch für die Jungs, die diesmal leider passen mussten. Blauweiß trifft Königsblau – das passte gestern Abend hervorragend zusammen!

Sparen? Nix, Schulden sind angesagt!

Nun, es scheint nach meinem Beitrag von gestern noch Dampf im Kessel zu sein, also seht es mir nach, wenn ich noch einmal zum verbalen Rundumschlag aushole. Heute soll es um das Thema Geld gehen, vielmehr um den Umgang mit dem chronischen Mangel an Barem in vielen Haushalten – damit meine ich bewusst nicht nur private, sondern auch öffentliche bis hin zu internationalen. Ich bin damit groß geworden nur das auch ausgeben zu können, was ich auch besitze. Es gibt wenig Dinge die mir unangenehmer sind als Schulden oder die Frage “kannst du mir mal etwas leihen” sobald es um größere Summen geht. Durch meine Selbständigkeit habe ich ordentlich Geld verbraten und ich weiß bis heute nicht, wie ich meinen Eltern je dafür danken kann, dass sie meinen Hintern über Wasser gehalten haben. Oder meinem Bruder, dass er uns einen monetären Engpaß mit frischen Devisen verstopft hat. Oder meinen Schwiegereltern, die mir mit einer Zuwendung in schweren Zeiten überhaupt erst ermöglicht haben, weiter zu studieren. Ach, Mist… rechne ich das alles zusammen ist das eine Investition in mich, die ich niemals wieder richtig gutmachen kann und mit meinem Verhalten oftmals kaum rechtfertige. Grund genug, endlich das Studium zu finalisieren, echt…

Gehört in meinen Augen verboten: Kreditwerbung via Plakat...

Aber zurück zum Hauptpunkt: Schulden sind für mich eine Ausnahmeerscheinung in Zeiten, wo es eben keine andere Möglichkeit mehr gibt auf anderen Wegen über die Runden zu kommen. Oder eben eine Notwendigkeit, um Dinge zu bezahlen die die wenigsten von uns mal eben bar in der Tasche haben. Und damit meine ich nun nicht den nächsten Urlaub oder den nicht unbedingt erforderlichen Zweitwagen, sondern Hauskauf, den Ersatz für die kaputte Waschmaschine oder die dringende Autoreparatur. Schon eine Investition in Möbel oder einen neuen Fernseher auf Raten kam für mich lange nicht infrage und in jüngster Vergangenheit habe ich so etwas nur in dem Bewusstsein gemacht, dass ich das Ganze auch hätte in bar zahlen können aber bei null Zinsen und Gebühren von diesem Angebot natürlich profitiere und das Loch im Haushalt einfach mal durch sechs auf die ebensovielen kommenden Monate verteile. Alles in allem sind Schulden für mich eine Sache, die ich genau so gerne habe – beziehungsweise noch viel weniger – wie Pickel am Hintern oder die dritte Erkältung des jungen Jahres. Interessant ist dabei schon auf Privathaushaltsebene, wie einfach uns das Leben das Schuldenmachen macht und dafür sorgt, dass Peter Zwegat nicht arbeitslos wird – mal davon ab: Seine Sendung strotzte zu Beginn vor vielen guten Tipps, auch wenn sich der Ablauf mittlerweile wiederholt und das Format immer mehr in Richtung Thrash TV, vielleicht sogar Scripted Reality taumelt.

... flächendeckenden Postwurfsendungen...

Zahlen auf Rechnung geht solange gut, bis die Unternehmen einsehen, dass der Abstand zwischen Bestellung und Bezahlung doch exorbitant größer ist als er sein sollte. Aber kein Problem: In multimedialen Zeiten gibt es ja nicht nur einen Onlineversand! Also summiert und multipliziert sich die mögliche Schuldensumme schon extrem, wenn man genau darüber nachdenkt. Und das ganze geht ja noch weiter, denn solange der Anbieter keine Schufa-Auskunft einholt kriegt er ja nicht mit, über welche Bonität sein Kunde denn tatsächlich verfügt. Kann mir gut vorstellen, dass alleine hier eine Riesensumme möglich ist ohne auch nur in der Lage zu sein, die Rechnungen irgendwann zu begleichen. Da mag man meinen, dass Banken – für viele in Sachen Geld lange Zeit die seriöseste Option – höhere Standards setzen. Auf dem ersten Blick stimmt das auch, doch auf dem zweiten wird das Licht schon etwas schummriger. Denn die Bonitätsprüfung der Bank basiert auf persönlichen Angaben und öffnet schon hier dem Selbstbetrug Tür und Tor. Lediglich bei Summen wo die Bank Einkommensnachweise haben möchte bleibt da der alte Status der Geldinstitute bestehen. Aber für den Kleinkredit zwischendurch machen auch Banken im Ringen um die Kundschaft Abstriche und bewerben sogar massiv Kleinkredite für den nächsten Urlaub oder das Luxusfernsehgerät. Egal auf welchem medialen Weg oder via Post und Mails: Das gehört verboten, denn es verführt labile Menschen! Mein Lieblingsbeispiel ist das auf Pump bezahlte Auto, dass in sechzig Kleinstraten abgestottert wird aber nach zwei Jahren den TüV nicht packt…

... oder im Internet.

Worauf ich hinaus will: Nie war es so leicht sich zu verschulden und die Hemmungen sinken auf beiden Seiten, beim Anbieter und beim Konsumenten. Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt nur zu sehr, wie der Hase weltweit mittlerweile läuft. Wir leben fast nur noch von virtuellem Kapital, die Banken und Unternehmen schieben sich gegenseitig Millionen zu, die nirgends auf der Welt mehr gedeckt sind. Man stelle sich das mal vor: Die Finanzindustrie hat es geschafft, mit einer überhaupt nicht vorhandenen Sache einen nahezu abartigen Einfluß auf die Weltpolitik zu nehmen, dass sie für eigenes Versagen auch noch den Hintern mit neuem virtuellen Kapital gebuttert bekommt! Und dann liest man Sachen wie jüngst bei Spiegel-Online, dass Bankangestellte in den USA nach Kürzung ihrer exorbitanten Bezüge auf ein immernoch weit über dem Schnitt liegendes Niveau öffentlich darüber klagen, wie sie denn nun die Penthousewohnung, die exklusive Privatschule für die Kids oder den aktuellen Kleidungsstil halten können. Gleichzeitig erreicht die Armut im Land ein Rekordhoch für amerikanische Verhältnisse und der potentielle republikanische Herausforderer von Präsident Obama, Newt Gingrich, geht mit Sätzen wie “meine Frau fährt zwei Cadillacs” auf Stimmenfang im verarmenden Autostaat Michigan…

Es hat sich ein politisch-ökonomisches Establishment gebildet, das auf ganz dünnem Eis agiert und jederzeit zusammenbrechen könnte. Die Schritte in Europa sind dabei umstritten, aber die richtigen. Einsparungen und Reduzierung der Neuverschuldung sind die Zauberwörter, auch wenn sie niemand gerne hört. Griechenland ist in aller Munde – und das nicht nur, weil regelmässig die Wut auf das Unvermögen der eigenen Regierung an deutschen Flaggen ausgelassen wird. WIR haben euch nicht verschuldet, Freunde! Wir versuchen nur euren Arsch zu retten, damit ihr nicht mit eurem Untergang gleich den ganzen Wirtschaftsraum hinterherreißt! Aber über dieses Thema habe ich bereits geschrieben und es bleibt dabei: Der Euro ist die Konsequenz aus der europäischen Nachkriegsentwicklung und er ist durch die unzähligen entstandenen Verwicklungen der Volkswirtschaften untereinander alternativlos (Vgl. dazu Spiegel-Online: Die Spur des Geldes).  Doch die Frage bleibt bestehen: Kann dieses zu weit gelöste Rad eigentlich noch zurückgedreht werden? Oder wird es am Ende ab- und die Menschheit übereinander herfallen? Für mich selbst ist klar das das, was im Kleinen schon viel zu einfach ist, auch im großen und vervielfacht nicht mehr ohne tiefste Einschnitte zu regeln ist. Mal eben von vorne anfangen ist für Staaten wie für Individuen eben nicht so simpel, denn am Ende verzichtet kein Gläubiger gerne auf sein Geld – egal auf welcher Ebene unseres Finanzfiaskos: Der eine zieht den anderen mit in den Sumpf…

[Zu den Bildern: Ich habe nichts gegen die abgebildeten Unternehmen, sie sind schlicht Ergebnisse einer oberflächlichen Googlesuche. Es hätte jedes andere Unternehmen sein können!]

Nein, danke und Tschüs!

Gestern war es wieder soweit: Es klingelt an der Haustür, man öffnet in der Erwartung seiner Bestellung vom Internetkaufhaus Amazon und schon stehen sie im Flur. Zu zweit, mit Mappen in den Händen und gleich der Entschuldigung “keine Angst, wir sind harmlos”. Wer jetzt an die Zeugen Jehovas denkt, der liegt daneben, denn die sind wirklich harmlos im Gegensatz zu einem bekannten Unternehmen der Branche Digital-TV, Internet und Telefon, das mir schon seit gehöriger Zeit auf den Zwirn geht. Da ich hier nur Dampf ablassen und keinen Firmen-Bashing betreiben möchte, nenne ich die Firma mal Muh. Da standen die beiden also gestern, ein nettes Mädel und ihr Aufpasser. “Hallo, wir sind von Muh und das ist mein Kollege, der mich heute begleitet”. In dem Moment gingen bei mir die internen Scheuklappen natürlich direkt vor die Augen, denn da war ja mal was – und nicht nur einmal.

Jedenfalls scheint die Firma zu viel Geld zu verdienen, denn mindestens alle zwei Wochen landet ihre Werbung in unserem Briefkasten und einmal im Monat hat man unter Garantie irgendeines der Callcenter von Muh an der Strippe. Da kann man noch so oft kein Interesse haben und bekunden, dass man keine Anrufe haben mag. Muh ist da immer nett: “Alles klar, dann notiere ich das hier.” Aber unter Garantie passiert da gar nichts, denn unsere Nummer ist ja wertvolles Kapital. Manch einen Call-Center-Agent habe ich daher schon böse abgewatscht, aber das ist eben Berufsrisiko und ich bin sicherlich der Harmloseste unter den Cholerikern. Jedenfalls versucht Muh immer wieder auf’s Neue bei mir einen Fuß in die Tür zu bekommen. Aber seitdem das einer ihrer Kollegen – seit gestern habe ich eine Entschuldigung von Muh mit Verweis auf die Unberechenbarkeit von Fremdfirmen, kurz: Treppenterrier – mal geschafft hat und von mir später an die frische Luft komplimentiert worden ist, führe ich die Gespräche eben im Hausflur – immerhin ist die Nachbarschaft dann auch schon vorgewarnt.

Jener kommerzielle Wadenbeißer nutzte vor gut zwei Jahren die Chance der Umstellung des Fernsehempfangs von analog auf digital – leider kann man Muh hierzulande im Bezug auf Kabelfernsehen kaum ausweichen. Also schaute er sich die Verkabelung hinter dem Fernsehgerät an und meinte “Das ist noch ein alter Anschluß, da muss mal ein Techniker rauskommen.” Gesagt, gesetzt und Mappe auf ging es weiter mit meinen persönlichen Daten. Auf den Hinweis, dass Muh meine Daten schon habe, reagierte er routiniert mit “Ich weiß, aber wir haben keine vorgedruckten Auftragsformulare, man weiß ja nie, wen man antrifft” – ‘und wer so blöd ist mich auch noch reinzulassen’, denke ich für ihn mal mit im Nachhinein. Als er dann aber für einen Handwerkerauftrag meine Bankdaten haben wollte, wurde ich stutzig und ließ mir das Formular zeigen. Anstelle eines Technikerauftrags wollte der Hund doch glatt einen Neuvertrag abschließen, natürlich im Komplettpaket mit allen Optionen. Damit war er der erste Mensch, den ich aus unserer Wohnung schmiss – ich glaube das hatte vorher noch niemand geschafft (ausser Insekten, die sich verfliegen oder -laufen, und da auch nur manche, denn andere überleben die Zeitung, den Latschen oder das Handtuch nicht).

Auf jeden Fall sollte man meine Beziehung zu Muh vorsichtig als “ausbaufähig” bezeichnen und genau dieser Umstand rettete dann gestern auch die nette Braunhaarige und ihren Begleiter nicht mehr. Aber es war lustig, denn alles was sie an Sympathie aufbauen konnte, das riss er gleich wieder ein, denn ausreden lassen war nicht seine große Stärke. Möglicherweise stimmten aber aus genau diesem Grund die Tagesumsätze nicht – auch wenn er meinte, dass sie anders als Fremdfirmen nicht auf Provision arbeiten, naja, wer kann das nicht vorgeben? – was natürlich dann in einer “Schlechte Laune-Spirale” geendet haben mag. Aber es soll mir ja auch egal sein, denn nach zwei oder drei Minuten hatte ich wieder meine Ruhe und die beiden klingelten gegenüber bei den Nachbarn. Also zu Muh abschließend: Nein, danke und Tschüs! Möglicherweise spare ich fünf Euro im Monat, mag sein. Aber dafür noch mehr Muh-Post? Sicherlich nicht. Vielleicht waren die beiden ja auch extra ausgesandt, um mich, den hartnäckigen Muh-Verweigerer, mit Aussendienstprofis und weiblichem Charme endlich aus der Reserve zu locken und in die – offenbar niemals zu lange – Kundenreihe einzureihen.

Naja, so wichtig bin ich dann auch wieder nicht – und das ist auch gut so. Jedenfalls ist der Dampf nun raus aus dem Kessel und als Soundtrack für solche Gelegenheiten empfehle ich “Mouth for War” vom Pantera-Album “Vulgar Display of Power”. Genau das richtige in so einer Stimmung. :-)

Mouth for War – Pantera