Bundesliga startet in die Rückrunde

Das Meisterpuzzlestück für den FC Bayern: Sebastian Schweinsteiger

Heute Abend ist es soweit: Mit dem Spitzenspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München beginnt die Rückrunde einer Saison, die bisher für einiges an Spannung und Überraschungen gesorgt hat. Besonders die heute gastgebende Borussia hat nachhaltig zu überzeugen gewusst. Im Vorjahr nur durch die Relegation dem Abstieg entronnen, hat Lucien Favre den Gladbachern neues Leben eingehaucht und die Liga mit attraktivem Fußball verblüfft. Natürlich muss man aus der geschlossenen Teamleistung mit Marco Reus einen Spieler hervorheben, der dem VfL jedoch nur noch eine Rückrunde lang erhalten bleibt und dann zu Borussia Dortmund wechseln wird. Man darf nun gespannt sein, wie Reus mit dieser Situation umgeht und ob der unerwartete Erfolg der Fohlen weiter anhält. Alles andere als eine Niederlage heute Abend wäre für mich aber eine Überraschung, denn der FC Bayern bleibt für mich derzeit das Maß aller Dinge und hat nun mit Sebastian Schweinsteiger nach Verletzungspause wieder das Puzzleteil zur Verfügung, das offenbar den Unterschied zwischen Gleichwertigkeit mit den drei aktuell heißesten Konkurrenten und Überlegenheit der Bayern darstellt. Die Spitzengruppe komplettieren derzeit und meiner Ansicht nach auch bis Saisonende Borussia Dortmund und der FC Schalke 04. Während man nach der hervorragenden Vorsaison bei den Dortmundern mit einer Position im Champions League Bereich rechnen konnte, haben die Schalker es geschafft, die Wogen der Ära Magath zu glätten, Kontinuität in den Kader zu bekommen und durch das beste Sturmduo der Liga zu überzeugen. Raul und Huntelaar sind daher in meinen Augen auch die Garanten für eine ganz starke königsblaue Saison! Beim BVB hingegen sticht vor allem die Kadertiefe hervor, bei den Dortmundern fügt sich ein Spieler nahtlos ein, wenn ein anderer einmal ausfällt. Meine Prognose für die Spitzengruppe: Die Bayern machen es ohne Verletzungen der Stars souverän und sichern sich den Titel. Dahinter sehe ich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Ruhrpottrivalen. Die Gladbacher verlieren etwas den Schwung und rutschen noch aus den Champions League Plätzen, doch das 10-Punkte-Polster auf Rang sieben reicht gerade so aus.

Steht meiner Meinung nach einer Leverkusener Topsaison im Weg: Trainer Robin Dutt

Die Lage hinter dem Spitzenquartett scheint sich weitgehend geklärt zu haben, denn mit Werder Bremen und Bayer Leverkusen liegen zwei Teams auf den Europa League Plätzen, denen mehr als zuzutrauen ist, diese Platzierungen bis Saisonende zu behalten. Doch beide Teams haben Schwachstellen, die sich vielleicht noch negativ auszahlen könnten. Bei den Norddeutschen ist es die latente Abwehrschwäche, die immer wieder zu hohen Niederlagen – vornehmlich gegen direkte Konkurrenten – führt. Das kann noch nach hinten losgehen, wenn sich der Kreis der Kandidaten um die Plätze fünf und sechs erweitern sollte, vielleicht um den VfB Stuttgart, vielleicht doch Hannover 96 oder gar den Hamburger SV? Wir werden es sehen! Die Schwäche der Leverkusener ist in meinen Augen Trainer Robin Dutt, denn Jupp Heynckes hat es vorgemacht, wie man mit der jungen, aber erfahrenen Truppe erfolgreich Fußball spielt und dabei die Attraktivität nicht aus den Augen verliert. Dutt’s Version der Leverkusener hat jedoch immer wieder böse Aussetzer und das in einem Jahr, wo nicht nur ich mit Bayer im Titelkampf gerechnet habe. Ein Trainertausch unter dem Eindruck eines gefährdeten Platz sechs kann ich mir sehr gut vorstellen. Hinter den beiden Favoriten haben sich die Fronten noch nicht endgültig geklärt. Wohin geht es für Hannover 96, das nicht mehr so schnörkellos nach vorne spielt wie im Vorjahr? Kriegt der VfB Stuttgart endlich Konstanz in sein Spiel und den wirklich guten Kader in den Europapokal? Schafft es 1899 Hoffenheim endlich mal dauerhaft attraktiv und erfolgreich zu gleich zu spielen oder verblasst das Team weiter zur grauen Maus im Schatten Europas? Eines bleibt klar: Für alle genannten Klubs ist die Gefahr nach unten zu sacken genau so groß wie die Chance in Reichweite der europäischen Fleischtöpfe zu klettern. Meine Prognose also für die Europapokalplätze vier bis sechs: Bremen oder Leverkusen klaut Gladbach den Champions League Platz, aber keines der drei Teams braucht 2012/13 auf den internationalen Vergleich verzichten.

Die Kölner Lebensversicherung Lukas Podoksi - doch was passiert, wenn dieser seine Form verliert?

Das Ligamittelfeld wird daher meiner Meinung nach sehr breit und auch dauerhaft eng beisammen liegen. Neben den genannten Teams aus Hannover, Stuttgart und Hoffenheim kann daher die Reise auch für den 1. FC Podolski, ähm… Köln in beide Richtungen gehen. Sollte die lokale Galleonsfigur seine beste Karrieresaison bis zum Ende durchziehen, dann kann er ein mäßiges Domstadt-Ensemble weit ausserhalb der bedrohten Region halten. Knickt Podolski ein, dürfte es für den FC auch schnell nach unten gehen. Bei Hertha BSC Berlin bleibt abzuwarten, wie der Streit um den Trainerwechsel von Markus Babbel zu Michael Skibbe verdaut werden kann. Bisher spielte Hertha eine gute Saison im Jahr eins nach dem Wiederaufstieg, doch die Konkurrenz schläft nicht und mit dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV lauern zwei große Fische, an denen sich die Berliner verschlucken könnten. Wobei: Was aus Wolfsburg wird, das weiß kein Mensch so Recht, es sei denn er heißt Felix Magath. Ein erneuter Kaufrausch führt dazu, dass der VfL der Rückrunde so gut wie nichts mehr mit dem der Hinrunde, noch gar der Meistermannschaft zu tun haben wird. Schlagen die vielen No-Names aus ganz Europa ein, dann geht es nach vorne, klemmt es im Zusammenspiel des Würfelhaufens weiter, dann kann der Schuß auch millionenschwer in Liga zwei gehen! Besser stehen die Prognosen meiner Meinung nach beim Hamburger SV, wo Torsten Fink der richtige Mann für den Neuaufbau zu sein scheint. Die einzelnen Teilchen fügen sich immer besser zusammen, die jungen Spieler konnten sich an das Niveau der Bundesliga gewöhnen und es herrscht endlich Ruhe an der Alster! Ich rechne also stark mit einer guten Rückrunde des Bundesligaurgesteins, die vielleicht sogar noch Richtung Europa führen kann.

Wer soll Cisse in Freiburg ersetzen? Sebastian Freis alleine ganz sicher nicht!

Mit dem HSV endet für mich auch das Ligamittelfeld, alle anderen Teams sehe ich in erster Linie im Kampf um den Klassenerhalt. Aktuell liegen hier noch Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg über dem Strich, doch beide sehe ich bis zum Ende im Abstiegsstrudel gefangen. Beide Mannschaften haben es bisher nicht geschafft, ihre gravierenden Abgänge im vergangenen Sommer zu kompensieren, so dass in der Rückrunde schon einiges passen muss, damit diese Klubs den Treibsand am Tabellenende hinter sich lassen können. Ähnliches gilt für den 1. FC Kaiserslauten, wobei ich für die Pfälzer ein besseres Gefühl habe. Für mich wird sich der FCK als erstes Team von ganz unten distanzieren und entweder Nürnberg oder Mainz in die Relegation verdrängen. Für die beiden aktuell Letztplatzierten hege ich keine Hoffnung. Der FC Augsburg ist einfach zu schwach auf der Brust, um die Liga zu halten und wird sich nach einem einjährigen Intermezzo wieder in Liga zwei zurückziehen. Der SC Freiburg hat sich durch Trainerwechsel und vor allem durch den Verkauf von Torgarantie Papiss Demba Cisse selbst die tödliche Dosis Abstieg verpasst. Wie bitte soll ein Sebastian Freis diese Lücke schließen? Ein Spieler, der in Köln Podolski und Novakovic nicht annähernd gefährden konnte und nur im Mittelfeld auf Einsatzteiten kam als Hoffnungsträger, den Ausfall von 60% der Breisgauer Tore zu kompensieren? Ein guter Witz, also wenn da nichts kommt, dann sagt auch der Sportclub “Adios Bundesliga”. Meine Prognose also für den Tabellenkeller: Augsburg und Freiburg steigen sicher ab, der Relegationsrang bekommt Besuch aus Mainz, Nürnberg oder vielleicht sogar noch Wolfsburg.

Lassen wir uns ab heute Abend am besten einfach überraschen, denn entscheidend ist ja immer noch auf’m Platz! Ich wünsche uns allen eine spannende und leidenschaftliche Rückrunde und anschließend natürlich eine hervorragende Europameisterschaft, die hoffentlich endlich wieder mit einem deutschen Erfolg gekrönt wird! Nie waren die Aussichten in meinen Augen so gut wie dieses Jahr, die Nationalelf seit Jahrzehnten nicht mehr so spielstark und personell bis auf den letzten Reserveplatz ausgeglichen auf hohem Niveau besetzt. Europameister? Das muss das Ziel sein und das Team kann es erreichen!

NHL: Eine Halbzeitsbilanz

Nach dem ausführlichen Rückblick auf das erste Saisonviertel habe ich mir Gedanken über die Form der Präsentation gemacht, denn es war einfach zu viel Aufwand für eigentlich zu geringe Resonanz – wofür die wenigen, die regelmässig hier lesen ja nichts können. Daher werde ich mich in den kommenden Rückblicken wieder etwas kürzer fassen! Es ist nunmal so, dass meine Eishockeyleidenschaft nicht so geteilt wird, als wenn ich hier über die Bundesliga schreiben würde. Aber auch das habe ich mir für 2012 wieder vorgenommen und dafür kennen mich viele der Besucher meines Blogs von früher ja auch noch. Heute aber wieder Eishockey, denn es ist Halbzeit in der National Hockey League!

Eastern Conference

An der Spitze im Osten der NHL sind nach einem mässigen Start nun die New York Rangers (56 Punkte / 31 davon im zweiten Viertel der Saison) das Team der Stunde. Schlüssel zur derzeitigen Klasse ist vor allem die Ausgeglichenheit des Teams um Topscorer Milan Gaborik. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rangers nur eine Begegnung! Auf dem zweiten Platz rangiert Titelverteidiger Boston Bruins (53/27), das torgefährlichste und gleichzeitig defensivstärkste Team der bisherigen Saison – und damit natürlich wieder ganz heiß als Stanley-Cup-Kandidat gehandelt! Als bestes Team der Southeast Division folgen die Florida Panthers (48/21), die zwar nicht mehr so überragend agieren wie zu Saisonbeginn, jedoch weiterhin solide punkten. Dick im Geschäft um eine lange Preseason sind natürlich auch die Philadelphia Flyers (52/25), die mit Claude Giroux den derzeit wohl besten Angreifer der NHL in ihren Reihen haben. Überraschend weit nach vorne gespült hat das zweite Viertel die Ottawa Senators (50/28). Das ist insofern beachtlich, da man in Kanadas Hauptstadt im vergangenen Jahr den großen Schnitt gewagt hat und statt auf Stars überwiegend auf junge Talente setzt! Deutlich besser als in der Vorsaison präsentieren sich weiterhin die New Jersey Devils (48/25), die im engen Mittelfeld des Ostens derzeit ebenso auf Playoff-Kurs liegen wie die langsam zurückfallenden Toronto Maple Leafs (47/21) und die nach der erneuten Auszeit von Superstar Sidney Crosby deutlich schwächelnden Pittsburgh Penguins (46/18). Diese Teams bekommen Druck von zwei Mannschaften unterhalb der Playoff-Markierung. Zum einen kommt dieser von den stärker aufkommenden Winnipeg Jets (45/25), zum anderen von den weiterhin unter Niveau spielenden, aber immer für eine Siegesserie guten Washington Capitals (44/19). Etwas reißen lassen mussten im Ranking jedoch die ambitionierten aber derzeit recht erfolglosen Buffalo Sabres (41/16) und die ebenfalls nach gutem Start strauchelnden Montreal Canadiens (39/16). Dahinter brechen die im Vorjahr starken Tampa Bay Lightning (37/17) trotz eines starken Steven Stamkos immer mehr zusammen und auch die Carolina Hurricanes (35/15) verlieren deutlich an Boden gegenüber Platz acht. Am Ende der Eastern Conference konnten die New York Islanders (34/20) immerhin Anschluß an die Konkurrenz herstellen und werden nun sicher als erstes die schwächelnde Konkurrenz vor sich angreifen.

Western Conference

Wie schon nach dem ersten Saisonviertel von mir prognostiziert, konnten die Vancouver Canucks (55/32) ihren mäßigen Saisonstart hinter sich lassen und dominierten die vergangenen Wochen. Besonders die von mir im November noch kritisierte Tiefe der Offensive hinter den Sedin-Zwillingen kam zuletzt auf Betriebstemperatur, so dass die Vorjahrsfinalisten wieder dort stehen, wo sie seit Jahren hingehören: In der Spitzengruppe der Western Conference! Hinter den Canucks bahnt sich eine megaspannende Saison in der Central Division an, denn dort sind gleich drei Teams punktgleich zur Saisonhalbzeit. Die Nase vorn haben als Zweite der Conference derzeit aufgrund der deutlich besseren Tordifferenz die Detroit Red Wings (53/28), die ihre Achterbahnstartphase überstanden und gegen eine sehr gute und solide Punkteausbeute im zweiten Viertel getauscht haben. An der Spitze der Pacific Division haben die San Jose Sharks (50/23) noch Spiele in der Hinterhand, um sich an Vancouver heranzupirschen. Ihnen folgen mit den jüngst viermal sieglosen Chicago Blackhawks (53/26) und den nach einem frühen Trainerwechsel enorm verbesserten St. Louis Blues (53/29) die beiden punktgleichen Central-Rivalen der Red Wings. Mit einem kleinen Respektabstand folgt das enge Mittelfeld der Western Conference, wobei die stabil punktenden Nashville Predators (48/24) und die etwas nachlassenden Dallas Stars (47/21) das Überraschungsteam des ersten Viertels einrahmen, doch die Anfangseuphorie bei den Minnesota Wild (48/19) ist verpufft, es droht nun sogar ein rascher Absturz aus den Playoff-Plätzen, denn nahezu auf Augenhöhe befinden sich nun schon die stabilen Los Angeles Kings (47/21) und die stark aufkommenden Colorado Avalanche (47/28). Auch die Phoenix Coyotes (45/20) und die immer besser werdenden Calgary Flames (43/26) sind in Schlagdistanz zu den noch im November so prächtig platzierten Wild gerückt. Das schwächste zweite Saisonviertel der Liga spielten die Edmonton Oilers (35/11), die damit wieder in den ihnen verhassten Keller des Ostens wanderten und schon gehörig um einen Playoff-Einzug bangen müssen. Dort leisten sie nun den weiterhin erschreckend schwachen Anaheim Ducks (39/14) und Columbus Blue Jackets (27/14) Gesellschaft, für die derzeit so gut wie nichts mehr spricht.

Topspieler

An der Spitze der Topscorer musste sich Phil Kessel (Toronto Maple Leafs, 48) in den vergangenen Wochen zunächst vom dann kurz verletzten Claude Giroux (Philadelphia Flyers, 48) – der ohne diese Pause sicher ganz vorne stehen würde – und im Augenblick von Henrik Sedin (Vancouver Canucks, 49) ablösen lassen, bleibt jedoch weiterhin ebenso gut bei der Musik wie sein Teamkamerad Joffrey Lupul (Toronto Maple Leafs, 47) und Daniel Sedin (Vancouver Canucks, 47) – für Spannung ist also gesorgt, auch da eine ganze Reihe von Spielern dicht hinter dem Spitzenquintett folgt. Auch bei den Torjägern musste Kessel (24) seine Spitzenposition abgeben, doch Steven Stamkos (Tampa Bay Lightning, 28) musste in dieser Kategorie nunmal jeder auf dem Zettel haben. Ohne ihn wären die Lightning sicher schon lange ganz im Keller der Liga angelangt. Herangerückt an den alten Leader sind auch Milan Gaborik (New York Rangers, 23) und Jonathan Toews (Chicago Blackhawks, 22), sowie Crosby-Verteter James Neal (Pittsburgh Penguins, 21). Die meisten Assists hat – wie könnte es anders sein? – Henrik Sedin auf seinem Konto (38), nur gefolgt von Offensivverteidiger Erik Karlsson (Ottawa Senators, 35). Mit je 30 Vorlagen folgen Giroux, Pavel Datsyuk (Detroit Red Wings) und Abwehrmann Brian Campbell (Florida Panthers). Hinter Karlsson (41 Punkte) und Campbell (33) sind derzeit Shea Weber (Nashville Predators, 31), Dennis Wideman (Washington Capitals, 29) und Alexander Edler (Vancouver Canucks, 29) die offensivstärksten Abwehrspieler der Liga. Bei den Torhütern hat sich Boston Bruins-Backup Tuukka Rask wieder nachhaltig in Erinnerung gebracht und führt die GAA- und Save-Percentage-Kategorien an, doch auch Stammkeeper Tim Thomas gehört zu den besten der Saison. Bester seines Fachs ist aber derzwei wohl Brian Elliott (St. Louis Blues), der in den beiden genannten Kategorien auf Platz zwei liegt und bereits fünf Shutouts zu verzeichnen hatte. Ebenfalls stark sind Jimmy Howard (Detroit Red Wings) mit 24 Siegen und Jonathan Quick (Los Angeles Kings) mit sechs Shutouts. Aus deutscher Sicht ist erwartungsgemäß Christian Ehrhoff (Buffalo Sabres) mit 17 Punkten an der Spitze, gefolgt von Dennis Seidenberg (Boston Bruins) mit 14 Zählern. Gut aus seiner Verletzungspause herausgekommen ist Hochen Hecht (Buffalo Sabres), der in 15 Spielen immerhin siebenmal punkten konnte, während das Comeback von Marcel Goc (Florida Panthers) mit vier Zählern in 19 Spielen eher mässig ausfällt. Nur eine Nebenrolle spielen derzeit Marco Sturm (Florida Panthers) mit drei Punkten und der bisher in immerhin acht Spielen punktlose Alexander Sulzer (Vancouver Canucks). Bei den San Jose Sharks erfüllt Thomas Greiss seine Aufgabe als Backup derzeit ordentlich und hat schon den ein oder anderen Punkt für die Sharks gesichert.

2011 – ein politisches Jahr

Wer schon seit den Anfangstagen meine Posts hier im Blog verfolgt hat, der wird festgestellt haben, dass ich im Dezember diesmal keinen Rückblick geschrieben habe. Der Grund ist einfach, und auch wieder nicht, denn Kannix hat einen eigentümlichen Tick: Er mag keine ungeraden Zahlen! Und wie Radio und Fernseher immer auf gerade  Zahlen eingestellt sein müssen, so kann auch sein Blog nicht am Ende eines Monats eine ungerade Zahl an Beiträgen aufweisen. Ist doch logisch, oder? Die einzige Ausnahme von dieser Marotte ist lustigerweise der Fußball, wo Kannix seine Karriere holzend und bolzend mit den Rückennummern 3, 5 und 13 (übrigens auch seine Glückszahl) bestritten hat und nun auf Alte-Herren-Niveau wiederum mit der 5 aktiv ist. Aber wie dem auch sei: Der Rückblick konnte nicht Beitrag Nummer fünf sein und folgt daher im Januar als Beitrag Nummer eins. Alles klar soweit?

Wie ich in der Überschrift schon sagte, empfand ich 2011 als ein zutiefst politisches Jahr. Das mag zum einen natürlich an vielen einschneidenden Ereignissen und Skandalen aus diesem Gesellschaftsbereich in den vergangenen zwölf Monaten liegen, zum anderen vielleicht auch daran, dass ich mich auch gedanklich mehr und mehr mit entsprechenden Themen beschäftige und die (Online)-Tagespresse viel eingehender studiere als noch 2010. Ich denke, dass man das auch in den Beiträgen der jüngeren Vergangenheit bemerkt hat. Ganze zwanzig Artikel des Jahres 2011 habe ich mit dem Tag “Politik” versehen und damit zumindest in Ansätzen mit diesem Themenbereich in Verbindung gebracht – und ich habe noch nicht einmal über alles geschrieben, was so geschehen ist! Ob international (Arabischer Frühling, Atomkatastrophe, Massaker in Norwegen, Wirtschaftskrise, getötete Diktatoren, US-Außenpolitik und Wahlkampf, Klimagipfel), national (Plagiatsaffäre, E10-Boykott, Aufschwung der Grünen und Abschwung der Liberalen, Unzulänglichkeiten in der deutschen Rechtssprechung, Bundeswehrreform, Piratenpartei, Rechtsradikalismus) oder auch lokal (Vereinspolitik und Migration) sowie “personal interest” (Ende Jugoslawiens) – Kannix war 2011 dabei und hat geschrieben! Dabei ist das Themenreservoir noch lange nicht erschöpft, denn unter anderem schreit unser Bundespräsident derzeit vehement nach einem eigenen Beitrag. Ich denke ich werde ihm nachkommen die Tage!

Ich möchte nicht mehr auf einzelne Themen eingehen und wenn ich das doch machen mag, dann wieder in eigenständigen Beiträgen. Aber ich möchte gerne ein wenig rück- und ausblickend zusammenfassen! International steht die Bundesregierung unter Angela Merkel auf europäischer Ebene sehr gut da, doch national ist es ihr nicht gelungen, innenpolitische Themen auf die Agenda zu bringen. Skandale (Guttenberg, Wulff), Wendehalspolitik (Atomkraft) und ein sich selbst zersetzender Koalitionspartner (FDP) blieben bei mir hängen – aber nicht eine Entwicklung die unser Land nach vorne gebracht hätte! Natürlich wurde an der wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands gearbeitet, natürlich wurden Dinge im Hintergrund positiv gestaltet und die Ernte vorangeganger Saaten eingesammelt – doch wirklich Neues kam nur dann, wenn der entsprechende öffentliche Druck dahinter stand. Europa ist dem Deutschen aber nicht nah genug! Daher kann die Bilanz der Bundesregierung nur mittelprächtig bis solide ausfallen, sie hat eben verwaltet und nicht reformiert. Das muss nicht schlecht sein, bleibt aber auch nicht beim Wähler hängen. Genau da liegt die Crux der instabil wirkenden Koalition: Die Opposition schläft nicht, sondern ist sogar noch um die Piratenpartei gewachsen. Zu den Politik-Freibeutern habe ich ja schon geschrieben, man wird ihre Entwicklung abwarten müssen. SPD und Grüne hingegen streben mit Macht ins Bundeskanzleramt und scheinen derzeit alle Asse in der Hand zu haben, wenn es 2013 an die Urnen geht. Sie machen nicht grundsätzlich alles besser und haben auch keine tiefgreifenden Reformansätze, wie mir scheint. Aber sie mussten keine Skandale durchstehen, keine innerparteilichen Prinzipien umwerfen und wurden sogar durch internationale Entwicklungen gestärkt. Letzteres sieht man natürlich deutlich an den Grünen, die ohne Fukushima zwar auch politisch bedeutsamer geworden, aber sicher nicht in Baden-Württemberg an die Macht gekommen wären.

Was mag uns also 2012 innenpolitisch bringen? Die Regierung ist in der Pflicht, nun etwas für die Bürger des eigenen Landes zu tun, was diese auch genau so wahrnehmen. Europäische Wirtschaftspolitik gewinnt keine Bundestagswahl, das sollte Merkel und Co. klar sein! Die Koalition – so sie denn das Jahr übersteht, was aufgrund der fragilen Liberalen noch lange nicht sicher ist – muss nun den Spagat schaffen, Ziele der politischen Gegner umzusetzen, ohne dass es so aussieht. Quadratur des Kreises gefällig? Nichts anderes scheint mir notwendig, damit Frau Merkel eine dritte Amtszeit von den Wählern zugesprochen bekommen könnte. Ansonsten jagt die Opposition zunächst Bundespräsident Wulff öffentlichkeits- und wählerwirksam aus dem Amt und besetzt dann den Chefsessel der Republik spätestens 2013 neu. Ihr kann eigentlich wenig passieren, wenn keine Skandale auftreten und die Frage nach den jeweiligen Kanzlerkandidaten positiv geklärt werden. Um es im Boxjargon auszudrücken: Nach acht von zwölf Runden liegt Rot-Grün(-Orange-Dunkelrot) nach Punkten deutlich vorne, Schwarz-Gelb muss zum befreienden Knockout ansetzen. Wir dürfen gespannt sein!

International scheint mir der Arabische Frühling von 2011 noch große Nachwehen zu haben. Jemen und Syrien kommen nicht zur Ruhe, auch in Ägypten hat sich die politische Lage erneut zugespitzt und man darf gespannt sein was nach der geplanten Machtübergabe durch das Militär am Nil geschieht. In Lybien ist es nach aussen hin ruhig geworden, doch im Hintergrund läuft das Ringen um Macht in einem gesellschaftlich und kulturell zerissenen Land. Hier würden mich Abspaltungen einzelner Regionen in naher Zukunft nicht wundern. Immerhin reden Israelis und Palästinenser wieder über eine Entspannung des Dauerkrisenherdes und durch innerjüdische Rivalitäten wird der Fokus im Land von aussen nach innen gelenkt. Größere Sorgen – und damit komme ich zwangsläufig wieder zu den Vereinigten Staaten – versprechen auch für 2012 die Entwicklungen um Iran, Pakistan und das gerade nach einem dynastischen Herrscherwechsel zum noch größeren Fragezeichen gewordene Nordkorea. Hoffen wir, dass alle Beteiligten die Füße still halten – und die USA ihre Außenpolitik überdenken. Hier wage ich wahrlich keine Prognose! Innenpolitisch stehen in den Staaten die Zeichen natürlich auf Wahlkampf, was manch einen Präsidenten schon zu aussenpolitischen Machtspielchen und Abenteuern verleitet hat.

In Europa wird auch 2012 die Wirtschaftskrise das dominierende Thema sein, was denn auch sonst? Hier ist in meinen Augen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, möglicherweise kommt der dicke Hammer noch. Ich glaube nicht an ein Ende des Euros, aber ebensowenig an eine mögliche Rettung Griechenlands. Im Osten des Kontinents könnte sich etwas zusammenbrauen, denn die russische Regierung um Putin und Medwedew scheint zunehmend Gegenwind zu bekommen, da kann sie noch so repressiv gegen die eigene Bevölkerung vorgehen. Ich habe das Gefühl, dass sich die nach Westen strebende junge Generation das nicht mehr lange ansieht, auch wenn für gravierende Umbrüche das Jahr 2012 zu früh sein dürfte. Meiner Meinung nach dürfte sich Russland zunächst weiterhin schwerpunktmässig mit sich selbst beschäftigen – und damit China die Rolle der zweiten Geige in der Welt überlassen. Wirtschaftlich stark, militärisch bedeutsam und zunehmend politisch gemäßigt haben wir es hier mit einem neuen Global Player zu tun, der den Vereinigten Staaten vielleicht schon im neuen Jahr als globales Gegengewicht immer stärker auf die Füße treten könnte. Und weltweit gibt es dann ja auch noch die “Occupy”-Bewegung, die sich gegen die globale Abhängigkeit der Politik von der Wirtschaft stemmt und 2012 noch weiter Gehör finden dürfte. Es wird also spannend, das politische Jahr 2012!

Soviel aber nun zur Politik und ich merke mal wieder, dass ein zweiter Teil des Rückblicks von Nöten sein wird. Denn das Leben besteht – bei allem Interesse – nicht nur aus Politik, sondern auch aus Sport, Gesellschaft und Medien. Natürlich darf auch eine private Rückschau nicht fehlen, die 2011 gaaanz viel mit lauter und heftiger Musik zu tun hat. Schaut also rein, die Tage geht es weiter!

Der Rubel rollt…

… nur nicht mehr so, wie sich das alle gerne vorgestellt haben. Die Auswirkungen der durch die US-Bankenkrise von 2007/08 ausgelösten Weltwirtschaftskrise sind seit Monaten in aller Munde, auch wenn wir in Deutschland noch nicht so viel davon mitbekommen haben bzw. uns ziemlich schnell von den Finanzproblemen erholen konnten. Doch ein Effekt der Krise an den Finanzmärkten sind Wellenbewegungen, denn der internationale Kapitalmarkt ist längst derartig vernetzt, das frisches Geld nur noch von außen kommen kann – von Staaten, die sich bisher einer Eingliederung in die Weltfinanz weitgehend verweigert haben. Die Finanzkrise als Hebel zur Weltmachtrolle Chinas als Gegenstück zu den Vereinigten Staaten? Es schaut so aus. Wie diese Info zur Finanz/Bankenkrise 2008 deutlich macht – ich kann sie nur empfehlen, denn nun habe auch ich das Problem verstanden – war eine Krise überfällig und liegt ursächlich im oft ungeregelten Kapitalismus begründet. Wir haben es also nicht nur mit einer ökonomischen, sondern auch mit einer ideologischen Krise zu tun.

Die Weltfinanzkrise lässt auch den Euro nicht unberührt (Graphik: Schubert TV & Film GmbH)

Streng genommen begann das Problem schon vor vielen Jahren und Jahrzehnten, spätestens als das System von Bretton Woods – eine Steuerung von festen Wechselkursen nach der Abkehr von Silber- und Goldstandards als Gegengewicht für Papierwährung – im Jahr 1973 zusammenbrach. Die Abkehr von festen Wechselkursen führte zu Währungsunionen und Absprachen über Wechselkurse und gipfelte in Europa in der Währungsunion von 1999 – dem heute vielfach als problematisch eingestuften Euro. Doch – und das mögen viele D-Mark-Verfechter nicht wissen oder vergessen – der Euro ist ein europäisches Mittel zur Stabilisierung der immer weiter aus dem Ruder laufenden Finanzmärkte. Ohne seine Einführung, so schätze ich, wären viele Nationen längst stärker von der Krise betroffen als jetzt, wenn nicht schon lange mit ihren Nationalwährungen stark-inflationär oder pleite! Was schert mich das, die D-Mark war doch so stabil! Richtig und falsch zugleich. Deutschland hätte aufgrund seiner Wirtschaftskraft lange die Auswirkungen der Probleme anderer Staaten vernachlässigen können, wäre als Exportnation jedoch mittelfristig stark betroffen gewesen. Auch mit der D-Mark würden heute wichtige Absatzmärkte fehlen, denn die Krisenstaaten USA und Italien stehen ebenso unter den Top-15 der deutschen Handelspartner wie Frankreich, Spanien und Österreich, bei denen in naher Zukunft größere Probleme erwartet werden. Mit anderen Worten: Wir hätten zwar länger durchgehalten, wären aber letztlich auch getroffen worden. Die Einführung des Euro hat also augenscheinlich zu einem Aufschub des Problems beigetragen und wichtige Absatzmärkte der Bundesrepublik länger im großen Wirtschaftsspiel gehalten, als es ohne sie wahrscheinlich gewesen wäre.

Dennoch hat der Euro nun eine Krise, keine Frage. Diese liegt in erster Linie darin, dass die Schaffung virtuellen Geldes zu einer extremen internationalen Vernetzung im Kapitalmarkt geführt hat. Die Summen, die heute auf Schuldentafeln gerne öffentlichkeitswirksam zur Schau gestellt werden, erreichen astromische Höhen – und reichen bei weitem nicht aus. Das gesamte Weltwirtschaftssystem wackelt! Und der Euro natürlich mit, auch wenn er für sich genommen sehr stabil ist. Das Problem liegt nicht in der Währung an sich, sondern in der fortdauernden Schaffung virtuellen Kapitals. Keine Bank der Welt hat schon lange nicht mehr ausreichend Geld flüssig, um alle seine Kunden zu bedienen. Ein großer Teil des Geldumlaufes in der Welt besteht nur auf dem Papier! Und dieser Anteil ist immer weiter gewachsen, ungehemmt, kaum kontrolliert – und genau das ist das europäische Problem im Augenblick: Mangelnde Kontrolle und Eingriffsmöglichkeiten. Eine Anekdote dazu: In Lettland wurden am Montag aus Angst vor der Pleite einer schwedischen Bank circa 15 Millionen Euro von deren lettischen Kunden abgehoben. Zwar hatte und hat die Bank keine Existenzprobleme, wie sich mittlerweile herausstellte, doch wurde das Barkapital schnell knapp, um alle Kunden zu bedienen. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Das Weltwirtschaftssystem durchläuft eine systemimanente Krise, Europa ist nur ein Teil davon und sucht nach Lösungen.

Sagte "No" zum europäischen Rettungsplan: Großbritanniens Premier David Cameron (Photo: Getty Images)

Der Eurogipfel vergangene Woche brachte dabei nur zum Teil einen Fortschritt, denn das deutsch-französische Konzept zu mehr Kontrolle – wie oben beschrieben genau der Kern das Problems – wurde nicht von allen EU-Mitgliedern getragen. Der prominenteste Gegensprecher war Großbritanniens Premier David Cameron, der sein Land aus dem gemeinsamen Vorgehen gegen die Finanzkrise ausscheren ließ und damit mit einem einfachen “No” die große europäische Idee der Nachkriegszeit sich selbst überließ. Schon bei der Euro-Einführung zog das Inselreich nicht mit, beharrte aber immer wieder auf einen Führungsanspruch in Europa, den nun Frankreich und Deutschland endgültig für sich reklamieren konnten. Dabei ist das “Nein” und die harte Linie unserer Bundeskanzlerin beim Thema Eurobonds, für das sie international stark kritisiert wurde, genau richtig! Was bringt die Schaffung neuer virtuellen Finanzmittel auf einer Ebene oberhalb der Landesbanken? Es schafft frisches Kapital, bietet neuen Spielraum, bekämpft aber nur die Symptome der Krise, nicht den Auslöser der Finanzkrankheit. Dieser lässt sich nur durch Sparen und Gesundschrumpfen des aus dem Ruder gelaufenen kapitalistischen Systems erreichen. Dabei gilt es zunächst die beteiligten Nationen zu stabilisieren, realistische Neuverschuldungsgrenzen einzuführen und Verstöße wirksam zu sanktionieren. Das System wird nicht zu reparieren sein, aber es kann stabilisiert, gelenkt und kontrolliert werden, vor allem auch in Abschottung zu außenstehenden Nationen. Denn auch die USA haben enorme Probleme, die den Weltfinanzmarkt empfindlich treffen und in Ungleichgewicht bringen werden ohne Korrektur. Einem stabilen Euro-Raum können sich auch die Eurogipfel-Meuterer um Großbritannien mittelfristig nicht verwehren, denn der vollzogene Austritt wirft die Briten auf sich selbst zurück, auf andere (USA) und neue Finanzpartner (China). Hier ist die Entwicklung offener denn je. Pikanterweise kann nun eine kommunistische Nation, die sich allmählich der Weltwirtschaft öffnet, genau das Erreichen, was Kriege und Konflikte nicht erreicht haben: Dreht China den Finanzhahn zu, dann heißt es in Anlehnung an meinen Beitrag von Dienstag schnell “quo vadis mundi?”.

Proteste in Durban: Afrika droht mal wieder unterzugehen in der Weltpolitik (Photo: AFP)

Was jedoch bei all diesen Diskussionen immer gerne verloren geht ist der Blick zur Basis. Politiker und Bankmanager landen immer weich, brauchen sich um ihre Existenz keine Sorgen machen. Auch Führungskreise der Wirtschaftsunternehmen unterliegen keiner Finanzkrise, solange sie aus Umstrukturierungen, Fusionen und Abfindungsregelungen astronomische Summen für ihr Altengleis beiseite legen können – natürlich liegt dieses Geld nicht in Krisenländern, sondern in der Schweiz, den Caymans oder Luxemburg. Probleme bekommen die Menschen, die sich immer weniger leisten können und für die durch den Staat immer weniger geleistet werden kann. Die Opfer der Krise werden also Normalverdiener ohne Ersparnisse oder Immobilien sein. Sie zahlen die Zeche für Probleme auf ganz anderen Ebenen. Denn während die Verantwortlichen der ganzen Sache weich fallen, wird die Hausbank immer ihr Geld zurückfordern, wenn denn mal Engpässe beim Kunden auftreten. Eine Möglichkeit sich schnell anderswo wie Banken untereinander Geld leihen zu können? Fehlanzeige! Das ist einer der Gründe, warum die Occupy-Bewegung großen Zulauf hat. Denn sie betrachtet die Probleme an der Wurzel und will nicht tatenlos zuschauen, wie auf anderen Ebenen über Konsequenzen beraten wird, die am Ende doch die Kleinsten in der Nahrungskette treffen. Genau die, die am wenigsten für die Probleme können. Mal abgesehen davon: Der Blick auf Hunger und Klima, zwei mindestens ebenso wichtige Themen in der Welt, wird massiv verstellt. In Anbetracht der Milliardensubventionen für Griechenland und andere Problemnationen ist die Hilfe für Afrika erbärmlich! Zwar konnte in Durban das Kyoto-Abkommen verlängert werden, doch was bringt das, wenn die USA und China weiterhin aussen vor bleiben und Kanada – bezeichnenderweise aus finanziellen Gründen – zunächst aussteigt? Damit ist dem Klima nicht geholfen, das Geld wird über Nachhaltigkeit gestellt. Quo vadis mundi?

Sic transit gloria mundi

Schon die mittelalterlich-lateinische Welt hatte ihre Bezeichnung für eine Welt, die sich selbst zugrunde richtet: “So vergeht der Ruhm der Welt.” Nach all den Ereignissen in den vergangenen zwei Wochen mag man dem zustimmen und sprichwörtlich ergänzen: “Vornehm geht die Welt zu Grunde”. Unter dem Banner von Demokratie und völkerübergreifender Freund- und Partnerschaft spielten sich gerade in den vergangenen Wochen Dinge ab, über die jeder von uns einmal genauer nachdenken sollte. Ob die USA mal wieder im Umgang mit anderen Nationen alle demokratischen Ideale über Bord werfen – es ist ja schließlich Krieg gegen den Terror angesagt, das legitimiert vieles bis alles – , das vereinte Europa nicht mehr so vereint ist wie zuvor oder ob einige Staaten sich nicht mehr leisten können, dem Klimawandel zu begegnen. Oder auch, aus nationaler Sicht betrachtet, ob ein Betrüger auf die große Bühne zurückkehren darf, der als Minister die Freiheitsrechte des Internets einschränken half, dann über eben dieses World Wide Web stolperte und nun ausgerechnet – nach einem viel zu kurzen und wenig reumütigem Exil in den USA und medienwirksamer Rückkehr ins Tagesgeschen – zum Internetberater der Europäischen Union für Entwicklungsländer werden sollte. Aber auf die Guttenplage möchte ich eigentlich gar nicht eingehen, denn das steht zum einen gerade schön in diesem Spiegel-Kommentar und zum anderen ist es im Vergleich zu anderen Problemen die unsere Welt hat nahezu banal, sich mit einem nationalen politischen Stehaufmännchen mit dunklen Flecken auf der aristokratischen weißen Weste zu beschäftigen. Aber was sagt uns diese Gutte-Nacht-Geschichte? Ein weiteres Sprichwort: “Was schert mich mein Geschwätz von gestern?” – bezeichnenderweise von Konrad Adenauer, unserem ersten Bundeskanzler…

USA und Pakistan - das Bündnis bröckelt... (Photo: REUTERS)

Aber zurück zu den größeren Problemen dieser Welt. Die Vereinigten Staaten und FRIEDENSnobelpreisträger Barack Obama befinden sich im Krieg gegen den Terror, das ist nichts Neues. Auch nicht so neu ist, dass auch Obama nicht über den dunklen Schatten springen kann, den sein Vorgänger George Bush hinterlassen hat. Über gefälschte und irreführende Kriegsgründe in Irak und Afghanistan habe ich ja schon vergangene Woche im Beitrag “Der lange Schatten von Pearl Harbor” gesprochen. Die Welt setzte große Hoffnung in seinen Nachfolger Obama, doch die Realität ist eine andere. Osama bin Laden wird in Pakistan durch ein US-Kommando im Gefecht getötet, darüber kann man nun denken wie man will. Seitdem scheint den USA jedoch nicht mehr so wichtig zu sein, mit den Pakistanis verbündet zu sein: Fortdauernder Drohnenkrieg, (NATO-)Angriff auf pakistanische Grenzposten, diplomatische Verstimmungen und mangelnde Offenheit. Auf die Nachschubblockade durch Pakistan reagieren die Amerikaner nun mit dem Einfrieren der Hilfsgelder an den Verbündeten, dessen Nachlässigkeit im Kampf gegen den Terror den USA auf die Nerven geht. Übersetzen wir das mal in einem Beispiel in unser aller Nachbarschaft: Ich habe einen guten Nachbarn mit dem ich gemeinsam gegen den Vermieter vorgehe, den ich finanziell auch unterstütze, um in seinem Garten zu sitzen. Doch in diesem Garten hinterlasse ich meinen Müll und setze seine Laube in Brand – und als Konsequenz für mein eigenes Fehlverhalten entziehe ich ihm noch meine Unterstützung, ohne den Fehler bei mir zu suchen… Jep, das ist Außenpolitik, meine Freunde!

Auch der Iran ist als Teil der Achse des Bösen natürlich im Visier des FRIEDENSnobelpreisträgers im Weißen Haus – man kann das Wort nur noch einmal betonen! Statt seiner Auszeichnung gerecht zu werden – insofern das im amerikanischen Polit-Establishment überhaupt geht – und Dialog- und Kompromissbereitschaft zu signalisieren, verstärkt sich mir der Eindruck, dass derzeit mal wieder Kriegsgründe konzipiert werden. Das würde natürlich auch den gefeierten Rückzug aus Irak und Afghanistan erklären – vordergründig ein Akt von Konsequenz und Einhalten von Wahlversprechen, hintergründig vielleicht nur politische Notwendigkeit um Kräfte gegen den Iran freizumachen ohne den Rüstungsetat im ohnehin deutlich überzogenen US-Haushalt noch mehr zu strapazieren? Wir werden es wohl erst dann erfahren, wenn es soweit ist. Ein Witz ist – nicht nur unter diesen Aspekten – die Rückforderung der im Iran abgeschossenen und jüngst durch Teheran politisch-wirksam präsentierten US-Drohne. Um es wieder auf Nachbarschaftsniveau zu brechen: Ich schicke meinen Hund auch nicht trotz aller Warnungen in den umzäunten Garten des Nachbarns, lasse ihn dort überall stinkende, braune Haufen hinterlassen, die freilaufenden Hühner jagen und fordere dann meinen Nachbarn auf, als er den Hund fett und faul unterm Baum liegend in Gewahrsam genommen hat, ihn doch bitte wieder zurückzugeben! Mal ehrlich: Das ist so lächerlich, dass mir beim Lachen schon die Tränen kommen bei dem Gedanken, dass es sich bei den USA immernoch – Betonung auf noch – um die einzige Weltmacht des 21. Jahrhunderts handelt. Das Obamas Verwaltung nun stillschweigend im National Defense Authorization Act im Senat das unbegrenzte und ohne Gerichtsverhandlung durchgeführte Inhaftieren von US-Bürgern unter Terrorismus-Verdacht durchbringen möchte, setzt der ganzen amerikanischen Politsatire die Krone auf. Und dann gibt es da ja noch den Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, der immer wieder für Schlagzeilen peinlichster Natur sorgt und Angst macht. Angst macht vor einer noch unberechenbareren und ideologisierteren Weltmacht… quo vadis mundi?

In den kommenden Tagen geht es weiter, denn die europäische Finanzkrise mit dem “Nein” der Briten zu Europa, den ersten Folgen des miss- oder geglückten – je nach Sichtweise – Klimagipfels von Durban, gerade auch in Verschränkung zur Weltwirtschaftskrise und der Occupy-Bewegung, liefern noch reichlich Schreibstoff im großen Welttheater, das derzeit mal wieder – um diesen Beitrag passenderweise sprichwörtlich abzuschließen – “vor die Hunde zu gehen” scheint.

Die Banalität des Bösen

Seit einigen Tagen beschäftige ich mich wieder einmal verstärkt mit dem Nationalsozialismus. Den Schwerpunkt habe ich dabei diesmal auf die Frage gelegt, was denn eigentlich nach dem Krieg mit den verschiedenen Personenkreisen geschehen ist. In dieser Hinsicht verfolgen mich sogar Berichte in den Medien, oder muss ich sagen, dass ich deutlicher darauf achte? Oder ist es einfach purer Zufall? Das ZDF sendete gestern in der Reihe “Geheimnisse des Dritten Reiches” einen Beitrag zu Albert Speer, Hitlers Stararchitekt und späteren Rüstungsminister. Ihm ist es vor dem Kriegsverbrechertribunal knapp gelungen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und der drohenden Hinrichtung zu entgehen. Seine Strategie in Nürnberg – die “kleineren” Verbrechen zuzugeben und durch augenscheinliche Reue und Verantwortungsübernahme Distanz zu den “großen” Vorwürfen zu erzeugen -  wurde zu seinem Lebensbild auch nach seiner Haftentlassung 1966. Mittlerweile weiß man, dass Speer als Teil des engsten Umfelds Hitlers von allen Verbrechen gewusst haben muss. Als Autor und einziger Überlebender der NS-Führungsriege in Freiheit kam er auch in Nachkriegsdeutschland zu einem kleinen Vermögen. Schon länger fasziniert mich genau dieser Gedanke: Was machen verurteilte Schuldige nach ihrer Haftentlassung? Wie integrieren sie sich in ein “neues”, demokratisches Deutschland? Für Speer, den viele als Technokraten und Opportunisten schildern, war die Anpassung an die neue Zeit der Weg, er wurde zum Apologeten.

Spiegel-Online berichtet heute von der Neugestaltung des Bundeskriminalamtes nach dem Krieg und verweist dabei auf Forschungen, die eine sehr große Kontinuität zu NSDAP und SS aufzeigen. So sollen die Führungspositionen der Behörde 1959 zu zwei Dritteln aus SS- und zu drei Vierteln aus NSDAP-Mitgliedern besetzt gewesen sein. Und dabei handelte es sich nicht nur um entlastete Mitläufer, sondern auch um eindeutig als Täter überführte Nazi-Kader! Erst in späteren Jahren wuchsen die alten braunen Eliten demographisch aus der Behörde heraus. Auch in anderen Bereich gab es enorme Kontinuitäten: Wirtschaft, Politik, Justiz – auch wenn Adenauer betonte, dass Männer mit NS-Vergangenheit nicht wieder verwendet werden würden: Es war übliche Praxis in Nachkriegsdeutschland. Die bekannte Formel von den wenigen Verbrechern an der Spitze und den unwissenden, verführten und anständigen Deutschen, die wenn überhaupt nur auf Befehl von ganz oben agierten traf auf eine immer lascher werdende Entnazifizierungspraxis. Beides zusammen und natürlich alte Seilschaften aus der NS-Zeit, die auch nach 1945 wirkten, prägen eine Nachkriegsgesellschaft, die in großer Kontinuität zum Nationalsozialismus stand. Einige wenige Personen strauchelten in den Anfangsjahren der Republik, doch erst die harten Nachfragen und -forschungen der 1968er Generation und die intensivierte Aufarbeitung dessen, was lange Zeit ignoriert und totgeschwiegen wurde, führte zu Aufdeckungen im großen Rahmen. Mittlerweile gibt es kaum noch Behörden, die nicht um eine Aufdeckung der eigenen Geschichte und Analyse ihrer Beteiligung an der Resozialisierung nach dem Krieg bemüht sind. Heute ist es eben opportun, alles über seine Leichen im Keller zu erfahren. Damals war es hingegen ebenso opportun, möglichst viel Gras über die eigene Vergangenheit wachsen zu lassen.

Während also viele Nationalsozialisten nach dem Krieg weich im Bett der neuen Republik landeten und sich den neuen Gegebenheiten anpassten, gab es Personenkreise die damit größere Schwierigkeiten hatten: Die Angehörigen der NS-Prominenz. “Denn du trägst meinen Namen” heißt das Buch von Norbert und Stephan Lebert, Vater und Sohn, die Anfang der 1960er Jahre und noch einmal knapp vierzig Jahre später über die Kinder der Nazi-Größen berichteten. Unterschied- licher hätten die Lebensläufe kaum sein können: Von permanenter Abweisung und Hinwendung zu alten Weltanschauungen (Gudrun Himmler), über die Flucht in den Glauben (Martin Bormann jr.), sowie Liebe zum und Rehabilitationsbemühungen für den Vater (Wolf-Rüdiger Heß) und Hass auf den Schwerverbrecher als Vaterin der Familie (Niklas Frank) reicht das Spektrum der Nachkriegslebensläufe. Einigen hat die Vergangenheit geholfen, anderen wiederum kleinere und größere Steine in den Weg gelegt. Die wenigsten dieser Menschen waren alt genug am Ende des Krieges, um zu verstehen was mit ihnen geschah. Während also viele Parteigenossen nach dem Krieg wieder in wichtige Positionen kamen, war bei den meisten der exemplarisch vorgestellten Kinder der Nachname ein großes Hemmnis nach dem Motto “Aber mit DEM Himmler haben Sie doch nichts zu tun, oder?”, “Doch, er war mein Vater.”, “Danke, aber wir kommen nicht zusammen.” Das legt nahe, dass viele Nationalsozialisten nach dem Krieg trotz ihrer Taten opportunistisch die Seiten wechselten, quasi das braune Hemd gegen die weiße Weste tauschten. Scheinbar war es für sie ideologisch kein Problem nach dem gescheiterten autoritären System in einer anderen Regierungsform ihre “Karriere” fortzusetzen.

Da stellt die Frage, wieso das so ohne Probleme ablaufen konnte. Drang die Ideologisierung der Nazis nicht so tief in das Wesen der Parteigenossen ein, um dauerhaft Wurzeln zu schlagen? Oder waren so viele ehemalige NS-Schergen so kaltschnäuzig und aalglatt, ihre Vergangenheit an sich abperlen zu lassen? Die Wahrheit dürfte wohl im Opportunismus und Karrierestreben einer in militärisch-autoritärer Umgebung aufge- wachsenen Generation liegen. Dazu werde ich demnächst noch was lesen, aber es liegt nahe, dass eine militaristische Vergangenheit wie in Preußen oder Habsburg und auch eine in der Weimarer Republik oft strikt auf Befehl und Gehorsam ausgerichtete Erziehung einen Menschenschlag heranzog, der es gewohnt war zu funktionieren. Hannah Arendt, eine in Deutschland geborene, dann nach Amerika emigrierte jüdische Publizistin, bezeichnete die Art dieses Personentypus mit der Umschreibung “Banalität des Bösen”. Als sie 1961 aus Jerusalem über den Prozess gegen Adolf Eichmann berichtete – er war im Reichssicherheitshauptamt verantwortlich für die Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung des Reiches – erwartete sie zunächst einen ideologischen Antisemiten, einen Judenhasser und fanatischen Nazi. Doch sie fand einen farb- und motivlosen, nicht dummen aber gedankenlosen, unheimlich dienstbeflissenen Schreibtischtäter, der aus reinem Opportunismus agierte und nicht über seinen Arbeitsplatz hinweg darüber nachdachte, dass mit seinen Entscheidungen hundertausende von Menschen starben. Anstelle eines Nazi-Monsters, der das radikal Böse nach Immanuel Kant verkörpert hätte, fand sie einen Menschen vor, der schlichtweg ohne Hinterfragen das tat, was von ihm erwartet wurde. “Dass eine solche Realitätsferne und Gedankenlosigkeit in einem mehr Unheil anrichten können als alle die dem Menschen innewohnenden bösen Triebe zusammengenommen, das war in der Tat die Lektion, die man in Jerusalem lernen konnte.”

Hier begann ich mir persönlich Gedanken zu machen. Wenn viele Nationalsozialisten so gestrickt und erzogen waren wie Eichmann, nach Befehl und Gehorsam agierend, mit den Ellbogen um den eigenen Vorteil bedacht und stets unterwürfig und opportun genau das ausführend, was ihre Vorgesetzten erwarteten, dann ist es nicht mehr weit bis zur Feststellung, dass die Deutschen vor 1945 im ausgehenden Kaiserreich und geprägt durch den Ersten Weltkrieg und dessen Folgen in der Weimarer Republik genau den Nährboden abgaben, den es für ein totalitäres System brauchte. “Führer befiel, wir folgen” war demnach für die meisten keine hohle Phrase, sondern in einem Schlagwort kondensiert das, was ihr anerzogenes Wesen ausmachte. Ich möchte mich jetzt nicht zu sehr in die Richtung des “verführten” Volkes bewegen, doch diese Formlosigkeit, diese Naivität in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt geht schon in die Richtung der liebsten Rechtfertigung der Deutschen nach dem Krieg: “Ich hab von nichts gewusst, nur Befehle ausgeführt”. Diese Mentalität und Erziehung würde auch erklären, warum so viele Nazis nach dem Krieg ihr Fähnchen in den Wind stellten und einfach im neuen System nach dem gleichen Muster weiteragierten. Die Deutschen ein Volk von naiven und gegenüber vielen Dingen abgestumpften Opportunisten? Das mag erklären, warum Widerstand nur in geringem Umfang stattgefunden hat. Nur wenige waren eigenständig und klug genug, das System komplett zu durchschauen und den Mut zu haben, dagegen zu opponieren. Doch Widerständler wie die “Weiße Rose” hatten zwar das Wissen, aber nicht die Mittel, um etwas zu bewegen. Und auch wenn die Gestapo – auch davon habe ich jüngst gelesen – bei weitem nicht so flächendeckend und allwissend agierte, wie es heute gerne dargestellt wird (gegen die Stasi war die Gestapo von der reinen Zahl der Mitarbeiter her ein Kindergarten), wurden Abweichler doch häufig genug denunziert – genau durch die oben geschilderte Masse der Deutschen, wie es mir scheint. Gerne wird in Sachen Widerstand die Gruppe des 20. Juli um Stauffenberg als glorreiches Beispiel gesetzt wenn es darum geht zu zeigen, dass nicht alle Deutschen dem Diktator und seinem Regime blind gefolgt sind. Doch ihr Ziel war keineswegs eine Restaurierung der Republik, sondern ein Wechsel an der Spitze des Reiches um eine totale Kriegsniederlage zu vermeiden. Für viele Deutsche waren sie auch lange nach dem Krieg noch Verräter am eigenen Volk, auch heute sind ihre Motive unter Historikern noch umstritten.

Aber zurück zur Banalität des Bösen und mich selbst. Oft stelle ich mir die Frage, was hätte ich selbst im Dritten Reich getan. Die damalige autoritäre Erziehung unterstellt, die mangelnde Bildung vieler Jugendlichen berücksichtigt, die Faszination der Volksgemeinschaft und die frühe Ideologisierung durch Hitler-Jugend und Reichswehr berücksichtigt und den Opportunismus Speers mit dem Schreibtischtäter Eichmann kombiniert ist für mich klar, dass ich damals mitgemacht hätte. Und zwar genau so, wie weite Teile der Bevölkerung im Nationalsozialismus aufgegangen sind. Die vom Regime ausgehende Faszination, die Aufbruchstimmung ist in vielen Lektüren zum Nationalsozialismus greifbar und wir dürfen heute nicht den Fehler machen, unser Verhalten aus unserem heutigen Wissensstand abzuleiten. Aus heutiger Sicht ist der Nationalsozialismus mit seinen unzähligen Verbrechen und dem Fanal der Judenvernichtung natürlich verwerflich und wird zu Recht als düsterstes Kapitel unserer Geschichte kommuniziert. Gemessen an damaligen Maßstäben, das zeigt auch ein Blick über Deutschland hinaus auf die vielen totalitären Systeme in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (und machmal auch darüber hinaus), war der deutsche Weg in den Faschismus für viele Deutsche eine bessere Alternative zur Demokratie, mit der sie Inflation, Arbeitslosigkeit und Straßenkampf verbanden. “Führer befiel, wir folgen” war für viele Deutsche eben nicht nur eine Phrase, sondern ein echter Glaubenssatz aus ihrer Erziehung und Sozialisierung heraus. Eben durch diesen Kadavergehorsam ergibt sich auch die Banalität des Bösen: Die meisten Verbrecher waren Menschen wie du und ich. Darüber gilt es nachzudenken, die richtigen Schlüsse zu ziehen und eine Wiederholung des Geschehens zu vermeiden!

Trage ich Verantwortung für die deutsche Vergangenheit? Nein und ja. Persönliche Verantwortung natürlich nicht, da gilt der Ausspruch der “Gnade der späten Geburt”. Auch in meinem familiären Umfeld muss ich mich nicht mit Schuld befassen, da ich bei meinen Großvätern keine Indizien gefunden habe, die für Kriegsverbrechen sprechen. Wobei: Ausschließen kann ich das nicht – und es gibt einen schönen Aufhänger für praktische Ahnenforschung ab. Leider sind beide Kriegsteilnehmer im Familienkreis tot, einer kämpfte in Frankreich, der andere im Osten. Ich werde dem mal nachgehen! Dennoch trage auch ich Verantwortung für das Geschehene: Wir haben gerade aufgrund dieser Vergangenheit als Deutsche die Pflicht, eine Wiederholung der Ereignisse zu verhindern, dürfen das Thema im Alltag nicht totschweigen und müssen auf Signale einer Wiederbelebung braunen Gedankenguts angemessen reagieren. Aber darüber habe ich ja bereits vor einigen Wochen geschrieben. Auch die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland liegt in diesem Bereich, da sie in der Rechtsnachfolge des Dritten Reiches steht und daher zum einen Ansprechpartner für alle Ausgleichszahlungen an Geschädigte ist, zum anderen aber auch dazu verpflichtet ist, alles Menschenmögliche zur Aufarbeitung der Geschichte beizutragen. Dabei sind Forschungen wie im Bundeskriminalamt (siehe oben) über die braune Vergangenheit wichtig und notwendig, ebenso wie die ständige Präsenz des Themas Nationalsozialismus in den Medien. Doch muss sich Deutschland nicht mehr kleiner machen als es ist und einen selbstbewussten Standpunkt bei wichtigen Themen einnehmen. Schröders “Nein” zum Irakkrieg vor zehn Jahren oder Merkels “Nein” zu Eurobonds in diesem Jahr sind da gute Ansätze! Die rechte Keule zu schwingen ist einfach, sich demokratisch an den Standpunkten abzuarbeiten fällt manchen Nationen noch schwer. Insofern wird die Gegenwart der Vergangenheit noch eine ganze Weile vorhalten.

Der lange Schatten von Pearl Harbor

Heute vor siebzig Jahren überfielen japanische Kampflugzeuge den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii und zerstörten große Teile der vor Anker liegenden Pazifikflotte. Die zuvor nur indirekt durch Waffenlieferung an Großbritannien und die Sowjetunion am Krieg beteiligten Vereinigten Staaten wurden durch den Angriff in einen Konflikt hineingezogen, an dem sie sich aktiv nicht beteiligen wollten. Doch der Überfall auf Pearl Harbor sorgte für einen Stimmungsumschwung der zuvor pazifistischen und isolationistischen Mehrheit im Land. Der überlegenen amerikanischen Kriegsmaschinerie konnten sowohl Japan, als auch das Deutsche Reich langfristig nichts entgegensetzen. Die Beteiligung der USA führten zu einer beschleunigten Beendigung des Weltkrieges nach sechs (Europa) bzw. acht (Ostasien) Jahren und gilt heute als einer der massgeblichen Wendepunkte des globalen Konflikts. Doch anders als geplant war es den Vereinigsten Staaten nicht möglich, sich nach Kriegsende wieder aus den Konfliktregionen zurückzuziehen. Denn nach dem Ende der braunen Bedrohung durch Nazi-Deutschland zeigte sich schnell eine rote Gefahr durch die Sowjetunion. Die USA blieben zum Schutz Westeuropas zurück, als eine von zwei Weltmächten im Kampf der Weltanschauungen Kapitalismus gegen Kommunismus.

Diese Rolle haben die Amerikaner seitdem nicht mehr abgelegt, bis heute. Nur dass das Feindspektrum sich seit 9/11 um islamistische Terroristen erweitert hat. Wo auch immer auf der Welt amerikanische Interessen in Gefahr gerieten, die USA griffen ein und führten eine Reihe von Konflikten und Stellvertreterkriegen ohne im Kalten Krieg eine ultimative Konfrontation der beiden Machtblöcke zu riskieren. Korea, Vietnam, Irak und Afghanistan – nur die vier bekanntesten und zum Teil aktuellsten Schauplätze amerikanischer Interventionen far away from home. Mit dem Zerfall der Sowjetunion vor zwanzig Jahren fehlt ihnen jedoch ein Machtgegengewicht auf globaler Ebene. Weder Europa, noch Russland oder China sind derzeit weltpolitisch auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten – und diese nutzen diesen Umstand seit George Bush dem Jüngeren aus. Warum auch nicht von innenpolitischen Schwierigkeiten mit einem aussenpolitischen Ausrufezeichen ablenken und mit vorgelebten (christlichen) Patriotismus eine Wiederwahl zu erreichen! Saddam Hussein im Irak hat Massenvernichtungswaffen? Afghanistan ist Operationsbasis für Osama bin Laden und Al-Qaida? Iran und Nordkorea entwickeln Atomenergie und könnten Bomben bauen? Und Öl gibt es im vorderen Orient auch noch? Wunderbar!

Die Vereinigten Staaten scheren sich immer weniger um Hoheitsrechte anderer Nationen, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihr Weltkonzept passen. Die Massenvernichtungswaffen im Irak wurden nie gefunden, aber immerhin ist Saddam nun weg und das Öl fliest in die richtige Richtung. Auch bin Laden haben die Amerikaner erst dieses Jahr aufgespürt und getötet. Aber nicht in Afghanistan, sondern in Pakistan – und warum um Erlaubnis fragen, wenn man ohnehin mit Drohnen Ziele im Wohnzimmer des eigentlich Verbündeten ausschaltet? Einen Plan für die Neuordnung beider Länder hatten die Amerikaner nicht und es lag auch scheinbar nicht in ihrem Interesse. Die USA fokusieren sich nun auf neue Angriffsziele, denn bald sind ja wieder Wahlen – mir graust es jetzt schon davor, möglicherweise einen der vor Dummheit und Inkompetenz strotzenden Kandidaten der Republikaner am Roten Knopf im Weißen Haus sitzen zu sehen. Innenpolitisch und ökonomisch hat Präsident Barack Obama große Probleme. Kann selbst er – der Friedensnobelpreisträger “für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken” – dem Zwang eines aussenpolitischen Konflikts zur Sicherung seiner Wiederwahl nicht widerstehen? Wenn ich mir die jüngsten Entwicklungen in Sachen Iran anschaue, habe ich da ernste Bedenken. Hinter jeder Ecke vermuten die USA iranische Umtriebe und Komplotte, Ahmadenidschad (Bild rechts) spielt mit und reagiert verbal bzw. jüngst durch Unterlassung des Schutzes der britischen Botschaft in Teheran vor Demonstranten. Hier spielt sich in meinen Augen ein Konflikt hoch, der in naher Zukunft explodieren kann. Auch ich mag das Regime im Iran nicht, keine Frage und halte Ahmadenidschad für einen hochgefährlichen Irren. Aber legitmiert das einen Konflikt, dessen Folgen man nicht vorhersehen kann (Stichwort Atomwaffen)? Iran und Nordkorea passen jedenfalls ins amerikanische Beuteschema und erfüllen alte (Kommunismus) und neue (Islam) Feindbildrollen.

Die Frage “was wäre wenn” stellt sich nicht, denn Geschichte ereignet sich nur einmal und auf eine Art und Weise. Pearl Harbor hat die USA demnach aus ihrem Schneckenhaus getrieben und die Amerikaner sind damals – salopp gesagt – gekommen, um zu bleiben. Solange sie jedoch alleinige Weltmacht sind, besteht jederzeit das Problem der Verhältnismässigkeit. Ich will es so ausdrücken: Solange die Vereinigten Staaten unter fadenscheinigen Gründen ohne global-politische Gegenwehr unsanktioniert Krieg gegen souveräne Staaten führen können, hat die Welt ein Problem. Es droht immer Willkür und Durchsetzung exklusiv-amerikanischer Interessen, solange es keinen Gegenpol im Konzert der Weltmächte gibt. Den USA fehlt in meinen Augen ein Korrektiv, ein globaler Gegenspieler der sagt “bis hierhin und nicht weiter”. Europa, Russland und China müssen sich weltpolitisch auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten stellen, um ein ausgeglichenes Weltpolitikklima zu erzeugen. Amerika darf nicht wie zuletzt willkürlich Länder angreifen ohne Plan B und dann die Aufräumaktion anderen Nationen überlassen. Es muss sich wieder UNO- und Nato-Leitlinien und Entscheidungsgremien unterstellen – und nicht erst, wenn vollendete Tatsachen geschaffen wurden. Denn in dieser Hinsicht reagiert die nach eigenem Selbstverständnis vorbildliche Demokratie eindeutig undemokratisch. Der lange Schatten von Pearl Harbor wirkt also heute noch nach, getreu dem Motto “die Geister die ich rief”: Japan hat Amerika auf die Weltbühne gezwungen, auf der sich die USA anschließend lange ein kaltes Tänzchen mit der Sowjetunion gönnten und nun ein schon zu lange andauerndes Solo hinlegen. Es wird Zeit, dass sie wieder einen Tanzpartner bekommen der ihre wilde Zugabe einzubremsen vermag…

NHL: Rückblick auf das erste Saisonviertel – Teil III

Weiter geht es mit dem dritten und letzten Teil meines diesmal deutlich umfangreicher gewordenen NHL-Rückblicks. Mal schauen, wie sich dieser Umfang weiter gestalten lässt, ohne die Zahl anderer Beiträge zu reduzieren! Heute folgen nach den Betrachtungen der beiden Conferences noch ein Zwischenbericht zu den individuellen Leistungen der noch jungen Saison. Zwar fand gestern ein weiterer Spieltag statt – bei dem unter anderen die Siegesserie der Boston Bruins mit 2:3 gegen die Detroit Red Wings riss – jedoch macht das für die individuellen Statistiken gegenüber den Tabellenständen der Teams ja nur wenig Probleme. Viel Spaß!

Torjäger

Phil Kessel (Toronto Maple Leafs)

Phil Kessel von den Toronto Maple Leafs ist derzeit das Maß aller Dinge in der NHL. Der 2006-Firstrounder zeigt in seiner sechsten Saison eine dermaßen starke Performance, dass er mit seinen 16 Treffern die Torschützenliste mit deutlichem Vorsprung anführt. Hinter dem US-Amerikaner wird es so früh in der Saison natürlich deutlich enger. Hinter Kessel haben zunächst Claude Giroux von den Philadelphia Flyers und James Neal von den Pittsburgh Penguins je dreizehn Tore erzielt. Es folgen dem Trio gleich sieben Spieler mit je zwölf Treffern: Kris Versteeg (Florida Panthers), Thomas Vanek (Buffalo Sabres), Ryan Smyth (Edmonton Oilers), Jonathan Toews (Chicago Blackhawks), Tyler Seguin (Boston Bruins), Steven Stamkos (Tampa Bay Lightning) und Milan Michalek (Ottawa Senators). Insgesamt haben 23 Spieler bereits zehn Tore und mehr erzielt.

Vorlagen

Daniel Sedin (Vancouver Canucks)

Bei den Vorlagengebern ist es keine Überraschung, dass einer der Power-Twins aus Schweden vorne liegt, denn daran konnte man sich in den vergangenen Jahren gewöhnen. Derzeit ist es mit 19 Vorlagen Daniel Sedin von den Vancouver Canucks, der sich knapp vor Nicklas Backstrom (Washington Capitals) und Abwehrmann Erik Karlsson von den Ottawa Senators behaupten kann, die derzeit jeweils auf 18 Assists kommen. Es folgen Jamie Benn von den Dallas Stars und Brian Campbell von den Florida Panthers mit 17 Vorlagen, bevor es auch hier enger im Ranking wird. Jeweils 16 Assists auf ihrem Konto haben dementsprechend Claude Giroux, Joffrey Lupul (Toronto Maple Leafs), Jason Pominville (Buffalo Sabres), Henrik Sedin (Vancouver Canucks), Patrick Kane (Chicago Blackhawks), Jordan Eberle (Edmonton Oilers) und Kris Letang (Pittburgh Penguins).

Punkte

Claude Giroux (Philadelphia Flyers)

Die wichtigste Kategorie in der NHL ist jedoch die Addition von Toren und Vorlagen zu Gesamtpunkten, denn daran wird in der Regel der MVP der Saison ausgemacht. Es gibt eine wichtige Marke, die aus Stars absolute Superstars macht: Die 100-Punkte-Grenze. Um diese zu erreichen müsste man derzeit circa 26,5 Punkte haben – und das Tempo natürlich halten. Beste Karten hat hier natürlich derzeit Phil Kessel, der mit 30 Zählern bereits jetzt beinahe die Hälfte der Punkte seiner besten NHL-Saison erzielt hat (64 im Vorjahr) und deutlich auf Kurs eines Karrierejahres (das Setzen einer neuen persönlichen Bestmarke in einer oder mehrerer Kategorien) liegt. Hinter ihm liegen auch Claude Giroux mit 29 und Kessel’s Teamkamerad Joffrey Lupul mit 27 Punkten oberhalb der notwendigen “Pace”. Es folgt Kris Versteeg von den Florida Panthers mit 26, dicht gefolgt von einem Trio aus Thomas Vanek, Nicklas Backstrom und Daniel Sedin, die jeweils 25 Zähler erzielt haben. Hinter ihnen liegen mit je 24 Punkten Jonathan Toews, Ryan Smyth, Jason Pominville, Anze Kopitar (Los Angeles Kings) sowie der Top-Draftpick des Sommers, Ryan Nugent-Hopkins von den Edmonton Oilers, der bisher alle Hoffnungen in ihn mehr als erfüllt.

Plus/Minus

Tyler Seguin (Boston Bruins)

Das Plus-Minus-Rating zeigt an, ob Spieler eher bei eigenen Treffern oder bei Gegentoren auf dem Eis stehen und spiegelt daher auch einen Großteil individueller Klasse wieder. Wer hier vorne liegt ist in seinem Team ein unheimlich wichtiger Spieler, der auch in engen Situationen zum Einsatz kommt. Der beste in dieser Kategorie ist derzeit Bostons Tyler Seguin mit +18, gefolgt von Thomas Fleischmann (Florida Panthers) und Abwehrspieler Shea Weber (Nashville Predators) mit jeweils +16. Stephen Weiss von den Florida Panthers kommt auf +15, sein Teamkollege Kris Versteeg auf +14. Hier ist gut zu erkennen, wie eminent wichtig die erste Reihe aus Fleischmann, Weiss und Versteeg zur Zeit für den Aufschwung der Panthers ist! Auf jeweils +13 kommen Brad Marchand (Boston Bruins), Ryan Suter (Nashville Predators), Alexander Steen (St. Louis Blues), Chris Kelly und Patrice Bergeron (jeweils Boston Bruins).

Verteidiger

Brian Campbell (Florida Panthers)

Die Leistungen von Verteidigern lässt sich immer schwer einschätzen. Offensivverteidiger, sogenannte Blueliner, sind die Scharfschützen von der blauen Linie, die entweder durch harte Schüße selbst zum Torerfolg kommen oder durch Abfälschen (Redirections) und Abpraller (Rebounds) Tore ihrer Angreifer vorbereiten. Defensivverteidiger zeichnen sich zum Beispiel durch geblockte Schüße und hoher Eiszeit in Unterzahl aus. Ich möchte mich hier auf die Blueliner beschränken, da diese Kategorie einfach besser zu analysieren ist. Die Nase vorn haben hier Floridas Brian Campbell und Ottawas Erik Karlsson mit jeweils 19 Punkten. Ihnen folgen mit je 18 Punkten Marc-Andre Bergeron (Tampa Bay Lightning), Dion Phaneuf (Toronto Maple Leafs) und Kris Letang. Die torgefährlichsten Blueliner sind hingegen derzeit Jason Garisson (Florida Panthers) mit acht, sowie das schwedische Duo der Detroit Red Wings bestehend aus Nicklas Lidstrom und Niklas Kronwall, die jeweils sechs Treffer erzielen konnten.

Torhüter

Brian Elliott (St. Louis Blues)

Die Klasse eines Schlußmannes wird in der NHL aus mehreren Faktoren gebildet und ausgewertet. Zum einen steht ein guter Keeper natürlich für die Anzahl seiner Siege als Rückhalt des Teams. Besonders gut hat er seinen Job bei Shutouts gemacht, wenn er also zu Null spielen konnte. Etwas höhere Wertigkeit haben jedoch die Schußabwehrquote (Save%) und der Gegentordurchschnitt (GAA), die besser reflektieren ob ein Siegtorhüter eher seiner Abwehr die gute Bilanz verdankt oder ob er im Puckhagel einfach am besten seinen Mann steht. Ich werde hier ein wenig aus allen Statistiken mischen, da alle einzeln zu betrachten den Rahmen sprengen würde. Derzeit der beste Torwart der NHL ist überraschend Brian Elliott von den St. Louis Blues, der neun seiner zehn Auftritte gewinnen und Spitzenmann Jaroslav Halak verdrängen konnte. Elliott ist Spitze in der NHL in GAA und Save% und hat massgeblichen Anteil am derzeitigen Aufschwung der Blues. Ebenfalls in allen Statistiken vorne dabei ist mit Tim Thomas (Boston Bruins) der beste Torwart der Vorsaison, der nahtlos an seine Form der Meistersaison anknüpft. Ebenfalls richtig gut drauf sind auch Nikolai Khabibulin (Edmonton Oilers), den viele schon als altes Eisen betrachtet haben, und Jimmy Howard von den Detroit Red Wings, der oft unterschätzt wird, aber ein sehr guter und solider Rückhalt seines Teams geworden ist. Interessant ist das hohe Niveau im Kasten der Minnesota Wild, wo Nicklas Backstrom und Josh Harding sich den Job teilen – und beide derzeit allerhöchste NHL-Elite verkörpern.

Rookies

Ryan Nugent-Hopkins (Edmonton Oilers)

Als Rookie bezeichnet man die besten NHL-Spieler in ihrer ersten Profi-Saison oder mit weniger als 25 NHL-Spielen zu Saisonbeginn insgesamt. Keine Frage, dass derzeit Ryan Nugent-Hopkins mit seinen 24 Punkten für die Edmonton Oilers allen anderen die Show stiehlt. Dabei haben wir es offensichtlich mit einem besseren Jahrgang als 2010/11 zu tun, als Jeff Skinner von den Carolina Hurricanes mit 63 Punkten Rookie des Jahres wurde. Im Schatten von Nugent-Hopkins bewährt sich derzeit Craig Smith von den Nashville Predators am besten und hat mit seinen 16 Punkten eine tragende Rolle in seinem Team eingenommen. Auf je 14 Zähler kommen der ungedraftete Matt Read (Philadelphia Flyers) und Luke Adam (Buffalo Sabres), dicht gefolgt von Adam Henrique von den New Jersey Devils mit 12 Zählern. Beste Abwehrspieler im ersten Jahr sind derzeit Marc-Andre Gragnani (Buffalo Sabres) mit acht, sowie Adam Larsson (New Jersey Devils) und Jake Gardiner (Toronto Maple Leafs) mit je sieben Punkten. Bester Keeper ist Jhonas Enroth von den Buffalo Sabres, der bei 13 Einsätzen auf sieben Siege kommt und den verletzten Stammkeeper Ryan Miller sehr gut vertritt. Zweitbester Rookie-Schlußmann ist der Deutsche Thomas Greiss von den San Jose Sharks (mehr dazu unter Deutsche Spieler).

Deutsche Spieler

Christian Ehrhoff (Buffalo Sabres)

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der deutschen Spieler in Nordamerika stark erhöht und mit Dennis Seidenberg stellt unser Land auch einen aktuellen Stanley-Cup-Sieger mit den Boston Bruins. Aushängeschild für Eishockey from Germany ist aber seit einiger Zeit Christian Ehrhoff, der im Sommer von den Vancouver Canucks zu den Buffalo Sabres gewechselt ist. Wenig überraschend ist daher, dass Ehrhoff auch nach einem Viertel der Saison mit elf Zählern bester Deutscher der NHL ist, auch wenn das für seine Qualität leicht unter dem Schnitt liegt. Die übrigen deutschen Spieler konnten dagegen bisher wenig Durchschlagskraft entwickeln. Seidenberg kommt auf drei Punkte und ist damit als Defensivverteidiger immer noch besser als Marcel Goc (Florida Panthers) und Wandervogel Marco Sturm, der mittlerweile auch in Florida gelandet ist und in zwei Jahren fünf verschiedene Trikots getragen hat. Beide kommen auf zwei Zähler. Noch ohne Punkte sind der langzeitverletzte Jochen Hecht (Buffalo Sabres) der erst seit kurzem wieder aktiv ist und Abwehrspieler Alexander Sulzer von den Vancouver Canucks. Die übrigen Deutschen wie zum Beispiel Korbinian Holzer (Toronto Maple Leafs) oder Nationaltworwart Dennis Endras (Minnesota Wild), warten noch auf erste Saisoneinsätze. Eine gute Saison als Ersatztorwart der San Jose Sharks spielt wie oben erwähnt auch Thomas Greiss, der von sieben Auftritten vier gewinnen konnte und mit seinen Werten unter den derzeitigen Top-Backups rangiert.

NHL: Rückblick auf das erste Saisonviertel – Teil II

Western Conference

Heimlich, still und leise haben sich die Minnesota Wild (21/29) im Westen der NHL an die Spitze der Conference gesetzt. Dabei liegt das Erfolgsgeheimnis interessanterweise nicht im Offensivbereich, wo durch zwei Blockbuster-Transfers in der Sommerpause unter anderem mit Dany Heatley und Devin Setogutchi von den San Jose Sharks kräftg nachgelegt wurde, sondern in der Defensive, die mit nur 42 Gegentoren eine der besten der Liga ist. Und ganz hinten wirken mit dem wieder erstarkten Niklas Backstrom und Josh Harding zwei derzeit richtig starke Schlußleute, so dass die fehlende Durchschlagskraft vorne in der Kadertiefe kaum auffällt.

Anders als im Vorjahr sind dahinter die eben schon angesprochenen San Jose Sharks (19/27) richtig gut aus den Startlöchern gekommen und gehören dabei noch zu den Teams mit den derzeit wenigsten Begegnungen. Dabei können sich in der – wie oben bereits angesprochen – etwas ausgedünnten Offensive nun wieder die beiden Veteranen Joe Thornton und Patrick Marleau so richtig entfalten und werden dabei von den beiden jüngeren Joe Pavelski und Logan Couture nach Kräften unterstützt. Es scheint fast so, als ob den Sharks in der Offensive durch die Trades im Sommer neuer Freiraum entstanden ist, den die verbliebenen Stars nun mit mehr Eiszeit ausnutzen können.

Auf dem dritten Platz im Westen rangiert mit den Chicago Blackhawks (22/27) der im Sommer entthronte Stanley Cup Sieger von 2009/10, der anschließend durch das Salay Cap bedingt eine stärkere Zensur durchführen musste. Doch während die seitdem eingebrachten Veteranen und Ergänzungsspieler ihre Rollen erwartungsgemäß ausfüllen, kommt der verbliebene Kern der Meisterschafts-Offensive nun wieder so richtig ins Rollen. Nahezu auf gleich hohem Niveau von einem Punkt pro Spiel agieren dabei mit Marian Hossa, Patrick Kane, Jonathan Towes und Patrick Sharp gleich vier Angreifer und bilden die derzeit zweitgefährlichste Offensive der NHL.

Trotz einer unlängst durchlebten kleinen Krise nach sehr gutem Start haben sich die Dallas Stars (21/26) auch ohne den zu den New York Rangers abgewanderten Free Agent Brad Richards  im oberen Bereich der Western Conference festgebissen. Neben ihrem aktuell stark auftretenden Schlußmann Kari Lehtonen und der ordentlichen Kadertiefe im Scoring haben die Stars es vor allem Loui Eriksson und Jamie Benn zu verdanken, dass sich die vorhandenen Schwächen in der Defensive bisher nicht nachhaltiger in den Ergebnislisten wiederspiegeln. Die jüngst verlorenen Partien gegen die NHL-Elite zeigen klar, dass die Stars noch nicht ganz soweit sind, wie die Tabelle suggeriert.

Wie im Vorjahr gut in die Saison gekommen sind auch die Los Angeles Kings (22/26), die neben den Buffalo Sabres bei der NHL-Premiere in Berlin zu Gast waren. Dabei verhindern sogar bereits vier Niederlagen in der Verlängerung eine noch bessere Position. Herausragend bei den Kings ist einmal mehr Star-Center Anze Kopitar, dessen Verletzung zum Ende der vergangenen Saison zeigte, dass er eigentlich unverzichtbar für die Kalifornier ist. Neben dem Slowaken und dem ebenfalls gut in die Saison gekommenen Mike Richards verteilt sich das Team-Scoring schön auf die Top-Six, die Reihen drei und vier scheinen dagegen jedoch noch Luft nach oben zu haben.

Einer Achterbahn gleicht bisher die Saison der Detroit Red Wings (20/25), die von einer Siegesserie zu Saisonbeginn in einen längeren Negativlauf rutschten und sich seitdem immer wieder mit einer gewissen Inkonstanz herumschlagen. Doch in den vergangenen Spielen zeigte der Zeiger wieder nach oben, was vor allem dem Duo Johan Franzen und seinem Vorlagengeber Pavel Datsyuk zu verdanken ist. Sind diese beiden abgemeldet, dann geht bei den Red Wings wenig. Vor allem von Henrik Zetterberg kommt derzeit zu wenig in der Offensive, um das Duo zu entlasten. Garant für den trotzalledem ordentlichen Start ist Schlußmann Jimmy Howard, der in allen wichtigen Kategorien zu den Top-Keepern der NHL in diesem Herbst zählt.

Mit diesem guten Start der Phoenix Coyotes (20/25) hatten nach dem Abgang von Star-Keeper Ilya Bryzgalov zu den Philadelphia Flyers nicht viele Experten gerechnet, doch der von den Tampa Bay Lightning verpflichtete, zuletzt dort nur Ersatz gewesene Mike Smith erweist sich als Glücksfall für die Coyotes und spielt bisher die mit Abstand beste Saison seiner Karriere. In der Offensive fehlt hinter den aktuellen Top-Scorern Radim Vrbata und Oldie Ray Whitney zwar etwas der Punch aus der zweiten Reihe. Doch in der Tiefe scheint die Offensive der Coyotes hinreichend gut aufgestellt, um  die Playoff-Qualifikation für 2012 anzuvisieren.

Nach einem mässigen Start zogen die St. Louis Blues (21/24) bereits vor zwei Wochen die Reißleine und tauschten ihren Headcoach aus. Und bisher scheint dieser Schachzug von Erfolg gekrönt, konnten sich die Blues doch in der Folge im Tableau nach vorne schieben und belegen derzeit den achten und letzten Playoff-Platz im Westen. Der neue Coach stärkte zunächst die Defensive um die neue Nummer eins Brian Elliott, der derzeit einfach erfolgreicher spielt als sein Vorgänger Jaroslav Halak. Im Angriff fehlt ein richtiger Top-Scorer und gerade mal vier Spieler haben mehr als zehn Punkte erzielt. Da muss demnächst mehr kommen, damit es am Ende ein vergleichbarer Platz in der Endabrechnung wird.

Zweimal in Folge durften die Edmonton Oilers (21/24)  im Draft als erstes Team zuschlagen und schon ihre 2010-Wahl Taylor Hall war eine gute Entscheidung. Doch erst mit der aktuellen Nummer eins, Ryan Nugent-Hopkins – für viele der beste Nachwuchsmann seit Sidney Crosby – konnten die Kanadier aus dem Keller der Western Conference klettern und schielen nach ihrem Kaderumbau endlich wieder in Richtung Playoffs. Neben dem Top-Prospect 2011, der bereits 22 Punkte erzielen konnte, stützen sich die Oilers vor allem auf Rückkehrer Ryan Smith und 2008-First-Rounder Jordan Eberle. Dazu spielt Nikolai Khabibulin im Tor das erste Mal nach langer Zeit wieder auf dem Niveau, das ihm seit Jahren abhanden gekommen schien.

Man nehme einen absoluten Topmann im Tor, offensivstarke Verteidiger und einen super ausgeglichenen Kader in der Offensive und schon spielt man richtig gut mit. So oder so ähnlich könnte das Konzept der Nashville Predators (21/24) aussehen. Doch allzu oft sieht der superstarke Pekka Rinne im Kasten der Predators dann zu, wie seine Offensivverteidiger Shea Weber und Ryan Suter zu viel nach vorne machen und die Defensive etwas vernachlässigen. Wobei: Die beiden müssen etwas nach vorne machen, denn es fehlt ein richtiger Scorer im Team. Lediglich der starke Rookie Craig Smith und Franchise-Player David Legwand haben auf eher durchschnittlichem NHL-Niveau mehr Zähler als ihre Blueliner auf dem Konto…

Etwas der Wurm drin ist dagegen wie schon im Vorjahr zum Saisonstart bei den traditionell vorrundenstarken Vancouver Canucks (21/23). Ihre Statistiken sind nicht wirklich schlecht, aber auch nicht das, was sie über die Presidents Trophy bis ins Finale des Stanley Cups im Sommer geführt hat. Neben den Sedin-Zwilligen und Offensivverteidiger Alexander Edler fehlt es etwas an der gewohnten Durchschlagskraft in der Offensive. Vor allem der derzeit schwache Ryan Kesler und der im Vorjahr lange verletzte Neuzugang David Booth haben das Potential, um den Canucks mehr Scoring-Punch zu verleihen. Keine Frage: Die Kanadier werden schon noch nach vorne wandern.

Guter Saisonstart gefolgt von einem Einbruch: Wie im Vorjahr kommen die jungen Colorado Avalanche (22/19) nach gutem Auftakt aus dem Tritt und müssen aufpassen, nicht schon wieder früh in der Saison den Anschluß an die Playoff-Plätze zu verlieren. Das junge Team wurde trotz eines Totalzusammenbruchs am Ende der Vorsaison größtenteils zusammen gehalten und durch Rookie Gabriel Landeskog verstärkt, doch muss es das Vertrauen der Vereinsführung nun auch in Ergebnisse umsetzen. In einer ausgeglichenen Offensive rund um Topscorer Matt Duchene fehlt dabei vielleicht ein richtiger Starspieler der Marke Sakic oder Forsberg im aktuellen Aufgebot der Avalanche.

Erschreckend harmlos in der Offensive präsentieren sich derzeit die Calgary Flames (20/17), die auch schon im dritten Anlauf wieder versuchen, am Saisonende einen Playoffplatz zu erreichen. Dabei hilft es den Kanadiern natürlich überhaupt nicht, dass sich “Mister Zuverlässig” Jarome Iginla mit mageren zehn Zählern einen äusserst mässigen Saisonstart geleistet hat. Liefe die Saison so weiter für ihn, dann wäre das seine schwächste Serie seit 1997. Die fehlenden Punkte des Franchise-Players können auch Alex Tanguay und Olli Jokinen nicht ausgleichen. Auch Neuzugang Lee Stempniak und Rene Bourque sind weit von dem entfernt, was man von ihnen an Produktion erwarten kann.

Schon im Vorjahr rollten die Anaheim Ducks (21/16) das Feld der Western Conference von hinten auf, hatten dabei aber wohl selten bis nie einen so großen Rückstand auf die Spitze wie im Augenblick. Bezeichnend, dass in einer flügellahmen Offensive derzeit Oldie Teemu Selanne mit 19 Zählern das Maß aller Dinge bei den Ducks ist. Auch von der starken ersten Reihe um Ryan Getzlaf, Corey Perry und Bobby Ryan kommt derzeit zu wenig, um die schon im Vorjahr chronische Schwäche in der Kadertiefe zu kompensieren. Ebenfalls bezeichnenderweise kamen bisher schon 27 Spieler, davon 19 Angreifer, zu Einsatzzeiten in der Liga – Kontinuität sieht anders aus.

Rabenschwarz hingegen verlief der Saisonstart der Columbus Blue Jackets (21/13), die von ihren mageren dreizehn Zählern jedoch zehn in den vergangenen zehn Spielen eingefahren haben und damit zumindest etwas den Abstand auf die Konkurrenz reduzieren konnten. Besonders der Defensivverbund um Torwart Steve Mason ist derzeit offenbar einfach nicht NHL-tauglich. Wären im Augenblick nicht Oldie Vinny Prospal und Franchise-Player Rick Nash, die die Scoring-Fahne bei Columbus auf gutem Niveau aufrecht halten würden, man hätte wenig Hoffnung für die Blue Jackets in dieser Serie. Doch vielleicht bringt die fortschreitende Gesundung von Neuzugang Jeff Carter neuen Wind in eine derzeit biedere Truppe.

NHL: Rückblick auf das erste Saisonviertel – Teil I

Das erste Viertel der neuen NHL-Saison ist vorbei: Zeit für einen ersten Rückblick!

Vor einem Jahr begann ich an dieser Stelle mit regelmässigen Beiträgen zur National Hockey League (NHL) und werde das auch in der derzeit laufenden Saison gerne tun. Mit einer Spielanzahl von Minimum 18 bis hin zu 23 Auftritten in der Spitze ist es Zeit für eine kleine Bilanz des ersten Saisonviertels. Während die Liga passenderweise heute Nacht eine Pause einlegt, um dann am sogenannten “Showdown”-Freitag mit beinahe allen Teams aktiv zu sein, möchte ich aus den Conferences berichten, von den bisherigen Topspielern der Saison und natürlich wie gehabt schauen, was denn so unsere deutschen Spieler in Übersee so zu reißen imstande sind. Und natürlich hat die Liga endlich ihren Superstar zurück: Nach zehn Monaten Verletzungspause feierte Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins ein glänzendes Comeback auf der großen Eishockeybühne.

Eastern Conference

Dabei sind seine Pittsburgh Penguins auch ohne ihn sehr gut zurecht gekommen, wie der Spitzenplatz im Osten der NHL eindrucksvoll deutlich macht (22 Spiele / 28 Punkte). In die Bresche für den verletzten Superstar sprang mit James Neal eine Verpflichtung der letztjährigen Trade-Deadline. Der ehemalige Left Wing der Dallas Stars markierte bereits 22 Zähler und man darf gespannt sein, welche Leistungssteigerungen die Penguins nun vor sich haben. Denn auch Co-Superstar Evgeni Malkin, Pascal Dupuis, Abwehrspieler Kris Letang und Jordan Staal sind derzeit richtig gut drauf.

Hinter den Penguins haben sich überraschend die Florida Panthers positioniert (21/27) und noch ein Spiel in der Hinterhand gegenüber Pittsburgh. Des Rätsels Lösung liegt in der Verpflichtung neuer Leistungsträger am Ende der vergangenen Saison und in der Sommerpause. Zur Trade-Deadline im Frühjahr kamen Kris Versteeg und Tomas Fleischmann zu den Panthers, dazu gesellte sich im Sommer der ehemalige Blackhawk-Abwehrspieler Brian Campbell. Alle drei schlugen zum Saisonstart voll ein und legten zusammen mit Urgestein Stephen Weiss den Grundstein für die derzeitige Erfolgs- und Euphoriewelle.

Doch schon dahinter kommt Titelverteidiger Boston Bruins (20/26) mit gehörig Geschwindigkeitsüberschuß angerauscht! Nach einem verpatzten bis mäßigen Saisonstart konnte der Stanley-Cup-Sieger von 2010/11 zuletzt zehn Spiele in Serie gewinnen und damit gehörig Boden gutmachen. Besonders beeindruckend neben der enormen Tiefe des Teams in Sachen Scoring ist vor allem die Performance von Tyler Seguin, der schon in den vergangenen Playoffs andeutete, dass er im zweiten Profijahr Top-NHL-Niveau erreichen könnte. Bereits jetzt hat der zweite Pick des Drafts von 2010 mit 23 Punkten einen Zähler mehr als in der gesamten Vorsaison auf seinem Konto!

Auf dem vierten Rang hinter den drei Division-Leadern haben sich die Philadelphia Flyers (21/27) positioniert, die schon seit ihrem furiosen Finalsturm in der Saison 2009/2010 wieder zu den absoluten Topklubs der Liga gehören. Dennoch haben sie es nicht beim Weitermachen belassen, sondern den Kader gehörig umgebaut und unter anderem den alternden Superstar Jaromir Jagr aus Russland zurückgeholt. Doch der Plan geht auf und der Tscheche ist neben dem immer stärker werdenden Claude Giroux und Lockenkopf Scott Hartnell direkt Leistungsträger bei den Flyers, die mit dem ungedrafteten Rookie Matt Read (14 Punkte in 18 Spielen) sogar ein echtes Juwel ausgegraben zu haben scheinen.

Der bisher beste Spieler der Saison steht bei den Toronto Maple Leafs (22/26) unter Vertrag: Bostons 2006 First-Round-Pick Phil Kessel. Der 24-jährige Right Wing ist auf dem besten Weg, ein Karrierejahr hinzulegen, denn 30 Punkte in nur 22 Spielen lassen ihn klar auf Kurs zur legendären 100-Punkte-Marke liegen. Neben dem bärenstarken Kessel, der derzeit jeden fünften Schußversuch im gegnerischen Netz versenkt, ist es vor allem der zur letzten Trade-Deadline von Anaheim verpflichtete Joffrey Lupul der für Punkte sorgt und das kanadische NHL-Gründungsteam endlich wieder von den Playoffs träumen lässt.

Im dichten Pulk der noch eng beieinander liegenden Teams mischen auf dem sechsten Rang auch die traditionell in der Vorrunde starken Washington Capitals (20/25) mit. Zwar gelang kein Traumstart wie im Vorjahr, doch Superstar Alex Ovechkin hat sich mit bisher 16 Punkten und für seine Verhältnisse nur mageren sieben Toren auch noch zurückgehalten. Wobei: Schon im letzten Jahr konnte er sein gewohntes 100-Punkte-plus-Niveau nicht halten. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau und Nicklas Backstrom hält die Scorer-Fahne der nun defensiv kompakter ausgerichteten Capitals aufrecht. Washington scheint heuer mehr über die Kadertiefe zu kommen, vielleicht der Schlüssel zum großen Erfolg?

Die Buffalo Sabres (21/25) stehen seit dem Sommer zunehmend unter Beobachtung deutscher Medien, denn neben ihrer Rolle als eines der beiden Teams bei der NHL-Premiere in Berlin führte die Verpflichtung von Free Agent Christian Ehrhoff von Vize-Meister Vancouver zu gestiegener Aufmerksamkeit hierzulande. Doch ein Österreicher stiehlt ihm – wie schon in Berlin – derzeit die Show: Thomas Vanek. Zusammen mit Jason Pominville bildet er die Scoring-Doppelspitze bei den Sabres, die dadurch jedoch auch etwas anfällig scheinen, wenn einer oder sogar beide einen schwachen Tag haben. Ehrhoff hingegen startete stabil, aber nicht überragend mit elf Zählern in die neue Serie.

Breiter aufgestellt scheinen da unter anderem die New York Rangers (18/25), die in der Sommerpause mit der Verpflichtung des heiß umworbenen Free Agents Brad Richards von den Dallas Stars ihre Ambitionen auf vordere Plätze und eine langen Playoff-Phase untermauerten. Als Team mit den derzeit wenigsten Spielen halten die Rangers dabei viele Trümpfe in dieser frühen Phase der Saison in ihrer Hand. Neben Richards ist es Torjäger Marian Gaborik, der in einer sehr ausgeglichenen Mannschaft hervorstechen kann. Besonders auf der Center-Position haben die Verantwortlichen in New York die Qual der Wahl – und damit viele taktische und strategische Optionen für die kommenden Monate.

Eine besondere Stärke entwickeln derweil die New Jersey Devils (20/23), die nach dem verheerenden Saisonstart im Vorjahr diesmal wieder mitten in der vorläufigen und breiten Spitzengruppe mitmischen: Schon fünfmal konnten sie sich in der noch jungen Saison in einem Penalty-Schießen den Sieg in einer Partie sichern, nur einmal mussten sie dem Gegner gratulieren. Die zumeist engen und wenig torreichen Begegnungen mit Devils-Beteiligung führen dazu, dass lediglich Veteran Patrik Elias im Scoring die 20-Zähler-Marke erreicht. Die beiden Stars des Teams, Zach Parise und Ilya Kovalchuk, spielen dabei derzeit nur Nebenrollen und liegen auf einem Niveau mit dem guten Rookie Adam Henrique (alle 11 Zähler).

Auch die Montreal Canadiens (22/23) sind nicht weit von der Spitze entfernt und überzeugen derzeit durch eine enorme Kadertiefe, an deren Spitze Tomas Plekanec und Max Pacioretty stehen. Besonders der zuletzt genannte junge Left Wing aus den Vereinigten Staaten scheint auf dem besten Weg, seine bisher beste Saison zu spielen. Seine derzeitigen 17 Zähler bringen den 2007-First-Round-Pick der Canadiens schon sehr nah an seine Bestmarke von 24 Punkten aus der vergangenen Saison. Sollte er anders als in den vergangenen drei Spielzeiten ausschließlich in der NHL zum Einsatz kommen, dann dürfte einer Karriere-Saison nichts im Weg stehen.

Wie man einen Kader durchrüttelt der unter seinen Ambitionen bleibt, das haben die Ottawa Senators (21/22) gezeigt. Bei den Kanadiern blieb von der letzten Trade-Deadline im Früjahr und über die Sommerpause hinweg kaum ein Stein auf dem anderen und zahlreichen prominenten Abgängen standen Verpflichtungen von Nachwuchsspielern und das Sichern von Draftpicks gegenüber. Doch im Augenblick scheint das Personalpuzzle zu funktionieren und neben den beiden “Überlebenden” Topscorern Jason Spezza und Milan Michalek ist Abwehrmann Erik Karlsson in seiner dritten Saison auf bestem Weg, sich als einer der Topabwehrspieler der Liga zu etablieren.

Etwas getrübt dürfte die Stimmung jedoch bei den Tampa Bay Lightning (20/20) sein, denn das Überraschungsteam des Vorjahres kommt noch nicht so richtig in Tritt. Mehr Aufmerksamkeit als ihre sportlichen Ergebnisse bekam daher zuletzt ihr 1-3-1 Spielsystem, das sogar schon von den Generalmanagern der Klubs diskutiert worden war, nachdem die Flyers sich unlängst entschlossen, denn Puck ohne Druck der tiefstehenden Lightnings nicht mehr in die Offensive zu bewegen. Die Kandidaten an der Spitze des Team-Scorings sind dabei wie immer alte Bekannte: Steven Stamkos, Vincent Lecavallier und Martin St. Louis, dazu der derzeit starke Verteidiger Marc-Andre Bergeron.

Alter Name, neuer Inhalt, gleichbleibend mässiger Erfolg: So lautet die Bilanz der Winnipeg Jets (21/20), die durch den Umzug der Atlanta-Thrashers-Franchise nach Kanada wiederbelebt wurden. Doch für einen Sprung nach vorne im Ranking hat das bisher nicht gereicht. Dabei haben die Jets in der Spitze durchaus eine Mannschaft, der mehr zuzutrauen sein dürfte. Hinter Neuzugang Kyle Wellwood können daher gleich eine ganze Reihe von Spielern zweistellige Punktewerte aufweisen. Es ist also einiges drin für Winnipeg, wenn sich alle Beteiligten in neuer Umgebung richtig eingelebt haben. Aber auch von Atlanta hatte man immer einen Tick mehr erwartet, als die Thrashers letztendlich boten.

Selbst die Carolina Hurricanes (23/21) als vorletztes Team der Eastern Conference sind noch nah genug an der Spitze dran, um sich rasch deutlich zu verbessern, haben hingegen jedoch auch die meisten Spiele aller Mannschaften absolviert. Im jungen Kader der Hurricanes, angeführt von Jeff Skinner, dem Top-Rookie der Vorsaison, sind jedoch derzeit gerade die beiden neuen Hoffnungsträger Anthony Stewart und Tomas Kaberle noch nicht angekommen. Vier Zähler für den letztes Jahr bei Atlanta überraschend starken Stewart sind ebenso zu wenig wie die fünf Vorlagen von Kaberle, der im Sommer noch Meister mit den Boston Bruins wurde. Da geht noch was!

Bereits früh abgeschlagen auf dem letzten Platz im Osten finden sich die New York Islanders (19/14) wieder, für die in dieser Spielzeit vor allem auswärts noch gar nichts geht. Dabei setzten die Islanders so große Hoffnung auf ihre endlich wieder fitten Leistungsträger Mark Streit und Kyle Okposo, von denen vor allem letzterer noch nicht wieder sein altes Niveau erreicht hat. In der Offensive dreht sich daher alles um Star-Center John Tavares und die Islanders bleiben zu einfach auszurechnen. Entlastung erfährt der 2009-Top-Draftpick derzeit lediglich von Spätstarter PA Parenteau, der sein Karrierejahr von 2010/11 zu untermauern scheint.

[to be continued]