Bye Bye Uni, Hello Kids

Meine neue wilde Horde im Verein, demnächst folgt dann die wilde Horde im Kindergarten

Am Montag ist es soweit: Ich starte in eine neue berufliche Richtung. Es ist hart, sich einzugestehen, dass man mit etwas gescheitert ist. Mein Studium war zuletzt irgendwie zwar da, aber irgendwie auch nicht. Neben dem Jobben in der Druckerei und im Verein habe ich mich immer weiter vom Alltag eines normalen Studenten entfernt, war einfach nur noch ein-, zweimal pro Woche da, dann immer weniger. Sein Übriges hat natürlich auch die Struktur des Religionswissenschaftsstudiums getan, die leider immer wieder für neue Überraschungen und Verzögerungen sorgte. Mehrmals habe ich mein letztes Seminar absolviert, nur um dann festzustellen, dass sich wieder etwas geändert hat. Einmal fehlten plötzlich Creditpoints, da sich die Aufteilung innerhalb eines Moduls verändert hatte, dann wiederum galten neue Regelungen bei der Erstellung einer Hausarbeit, dann kam ich mit einer Dozentin nicht klar, kriegte einen absolvierten Schein einfach nicht mehr von einem mittlerweile anderweitig beschäftigten Dozenten usw. Die Hauptschuld liegt aber sicherlich bei mir: Ich habe den Schritt weg von der Uni ins Berufsleben verpasst. Sich selbst und sein Verhalten zu reflektieren ist eigentlich eine meiner Stärken, dennoch spukte mir die Entscheidung zum Schritt weg von der Uni zwar immer im Nacken, aber durchgezogen habe ich das nie. Natürlich spielte eine Rolle, dass ich in den Bereich, der mich mit Kusshand genommen hätte, niemals wieder zurückwollte. Sollen andere Finanzdienstleistungen vertreiben, gerne. Damit habe ich abgeschlossen, endlich. Darüber berichtet habe ich in diesem Blog noch nie, aber vielleicht habe ich die Nachwirkungen der Selbstständigkeit mit der Entscheidung für den Sprung in etwas ganz Neues endlich hinter mir gelassen. Was bleibt sind viele schöne Erlebnisse, nette Bekannte und viele Lehren für mein Leben, die ich auch ohne Abschluß nicht missen möchte. Kurz vor Studienende zu gehen ist zwar strange, aber der richtige Weg. Denn bei meiner angestrebten Berufsrichtung hätten auch BA und MA nicht geholfen. Sie hätten nur weitere Zeit gekostet – und zu Ende studieren kann ich schließlich als Rentner noch.

Der womöglich richtige Weg lag wahrscheinlich seit siebzehn Kahren, spätestens aber seit vier Jahren direkt vor meiner Nase. Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, das trifft auf mich voll zu. Wenn jemand so lange Jugendarbeit macht, mit viel Spaß, Leidenschaft und Zeitaufwand, dazu noch aus dem Vereins- und Freundeskreis in seinem Handeln positiv bestärkt wird – dann muss man das einfach zum Beruf machen! Am Montag starte ich mein 900-Stunden-Praktikum in einer Recklinghäuser Kindertagesstätte, eine Möglichkeit, die ich sehr zu schätzen weiß, denn dieses Praktikum gibt es in dieser Form bei meinem ausgewählten Träger garnicht. Meine Erfahrungen im Bereich Jugendarbeit, nun auch im fünften Jahr mit Jungen und Mädchen im Kindergartenalter, dazu die durch das Ehrenamt angesammelten Kenntnisse, “soft skills” auf Neudeutsch, und natürlich auch die Fürsprache und Unterstützung meiner zukünftigen Kindergartenleitung – all das hat mir neue Türen geöffnet. Auch mit dem Gedanken an eine zweijährige schulische Ausbildung habe ich mich mittlerweile abgefunden und schon meine Schule im Auge. Man, wird das ein Spaß als quasi 98%-Uniabsolvent wieder Englisch und Sport unterrichtet zu bekommen, wenn man doch selbst bereits unterrichtet hat! Dazu gehört natürlich auch die Unterstützung aus der für mich tollsten Familie der Welt, denn ohne EUCH wäre mein Weg schon lange in einer Sackgasse gelandet. Meine Frau Katja und meine Eltern haben mir immer den Rücken gestärkt, egal was ich getan habe, egal ob das gut oder nicht gut ging, egal ob das gesellschaftliche Umfeld das toll fand oder nicht. Dieses DANKESCHÖN kann ich garnicht groß genug schreiben!!!

Und jedem, der meinen krummen Lebenslauf nicht akzeptiert, darüber die Nase rümpft und mein Leben im Stillen belächelt: Fuck you, I won’t do what you tell me! Zudem habe ich offenbar endlich das Selbstbewusstein, um mein Leben als Ganzes auf der Leiter zwischen Erfolg und Misserfolg anders, und zwar viel positiver zu verorten. In Amerika würde das, was ich ehrenamtlich mache, richtig gut bezahlt und wäre sozial extrem angesehen. “Coach Kannix”, das wäre eine Lebensrolle, die in Amerika und anderswo mit großem Respekt anerkannt und gewürdigt werden würde. Leider geben die Strukturen in Deutschland eine entsprechende Entlohnung nicht her und es ist daher kein Wunder, dass wir im Verein derzeit händeringend nach Ehrenamtlichen suchen. Dabei ist diese Aufgabe so enorm wichtig, die Begleitung der Kids auf ihrem sportlichen Weg ein wichtiger und ergänzender Bestandteil einer umfassenden Erziehung. Eigentlich sind wir Dienstleister, die anders entlohnt werden müssten in unserer Gesellschaft als mit einem Lächeln, einem feuchten Händedruck und dem Gefühl “gut, dass es der Doofe da macht”! Aber das ist ein Thema für sich und derzeit sicherlich mit den vorhandenen Strukturen nicht zu verändern. Am Montag geht es also los und ich freue mich riesig darauf! Natürlich besteht die Gefahr, dass ich vor lauter Kindern in der Kita und im Verein am Ende verrückt werde, dass ich die Lust und den Spaß an dieser tollen Aufgabe verliere. Aber ich bin da positiv gestimmt! Schließlich habe ich im Verein und mit Fußball-AGs längst Erfahrung in diesem Bereich und viele Situationen erlebt, die mich auf dem neuen Weg begleiten und sich als nützlich erweisen werden. Die Wechselwirkung Verein/Kindergarten kann ohnehin nur helfen, mich selbst und meine Jugendarbeit zu verbessern. Nicht zuletzt ist es natürlich auch reizvoll, dass sich mir als fertigem Erzieher gleich neue Türen aufbauen. Denn davon gibt es nicht viele und NRW ist massiv auf der Suche nach diesem selten Berufsprofil. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wie meine zukünftige Chefin mir beschrieb, dann kann ich mir womöglich den Job nach der Ausbildung aussuchen – wäre das nicht ein Happy End?

1 comment

  1. Rene sagt:

    Freut mich, dass es auf diesen Bereich zugeht. Viel Erfolg bei deinem Praktikum :)