9. November: 25 Jahre nach dem Mauerfall

Am Sonntag jährt sich ein Tag, der im Bewusstsein unseres Landes tief verankert ist: Der Tag des Mauerfalls in Berlin. Was lange Zeit unmöglich schien, das wurde friedlich und überraschend möglich. Es war der auch nach außen hin offensichtliche Zusammenbruch eines korroden Systems, das unter dem Druck der eigenen Staatsbürgern kapitulieren musste und von seinem “großen Bruder” Sowjetunion, seinerzeit ebenfalls im Niedergang begriffen, nicht mehr mehr stabilisiert werden konnte. Ein erfreulicher Tag für alle Menschen in Ost und West, ein Tag der Freiheit, ein Tag der Demokratie.

Fünfundzwanzig Jahre später werden viele Bundesbürger diesem Jubiläum jedoch auch mit Skepsis gegenübertreten, denn eine innere Einheit ist noch nicht vollständig wiederhergestellt. Immernoch ist von Ossis und Wessis die Rede, bekommen Arbeiter und Angestellte in den östlichen Bundesländern unterschiedliche Gehälter, sind gravierende Unterschiede im politischen Spektrum der Landesparlamente zu sehen. Weiterhin fließen Milliarden Steuergelder als Solidaritätszuschlag auch aus armen Regionen im Westen in den Osten, sind dort weiterhin wirtschaftliche und industrielle Rückstände zu beobachten und auch in vielen anderen Aspekten ist das, was der damalige Tag versprach, auch heute noch nicht umgesetzt. Denn Freiheit bedeutete für die Ostbürger vor allem eines: Neuausrichtung eines ganzen, bisher in einem anderen System unter ganz anderen Umständen geführten Lebens. Dass das nicht immer gelingen konnte, das liegt auf der Hand. Dennoch muss man unter dem Strich feststellen, dass die Einheit eine historische Notwendigkeit war und die damalige Gelegenheit beim Schopfe gepackt werden musste. Risiken und Nebenwirkungen inklusive. Was vierzig Jahre ostwärts tendierte, das kann in fünfundzwanzig Jahren westwärts nicht komplett absobiert werden – und muss es auch nicht.

Eine beliebte Diskussion rund um das Erbe der DDR ist die Frage nach den positiven Aspekten. Die DDR war nicht nur der Unrechtsstaat, sondern für viele heutige Bundesbürger Heimat und Sozialisierungsumfeld. Ein Zusammenwachsen beider Landesteile wird und muss weitergehen, doch muss dieses auf Grundlage von Gleichbehandlung aller Bundesbürger und unter Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten geschehen. Wahrscheinlich wird in weiteren fünfundzwanzig Jahren erwartungsgemäß der Anteil der Menschen größer sein, die die deutsche Trennung nicht mehr erlebt haben. Schon seit längerem sind in der Bundesregierung Ministerinnen und Minister aus beiden Landesteilen für die gemeinsame Zukunft engagiert, kommt der Bundespräsident aus dem Osten und verschwimmen die früher so offensichtlichen Zuschreibungen Ossi oder Wessi in allen Lebenslagen.

Jedoch dürfen wir nicht den Fehler machen, unseren eigenen Neuaufbau zu Gunsten anderer hintenan zu stellen. Schwarze Null, Bankenrettungsschirme, Stabilisierung der EU, Ebola, Flüchtlingshilfe und so weiter sind wichtige Themenfelder, klar. Doch sollten wir dafür sorgen, dass nicht am Ende WIR unser Geld nicht in UNS investieren. Der deutsche Politikfokus muss auf Europa liegen, darf jedoch die weitere Arbeit an der inneren Einheit und dem neuen Sozialgefüge nicht negativ belasten. Der 09. November 1989 war ein toller, ein schöner, ein historischer Tag – doch der Auftrag, den das Ereignis mit sich brachte, der ist weiterhin vorhanden und es liegt an uns, die letzten Gräben zwischen Ost und West zu überwinden!

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