US-Folterskandal

Zunächst einmal ohne viel Vorspann dieser Auszug aus einem aktuellen Bericht auf www.spon.de:

Abu Zubaydah

Abu Zubaydah wird am 28. März 2002 in Pakistan aufgegriffen. Der damals 31-jährige Saudi-Araber erleidet Schusswunden. Die CIA glaubt, dass er “detaillierte Kenntnisse” über Terroranschläge habe – laut Senatsbericht aber eine “erhebliche” Überbewertung seiner Rolle.

Zubaydah ist der erste Häftling, an dem die Foltermethoden angewendet werden. Die CIA testet an ihm, wie weit sie internationale Konventionen dehnen kann. Zubaydah wird in ein “schwarzes” CIA-Lager (“Detention Site Green”) in einem im Bericht ungenannten Drittland verbracht, nach Medienberichten handelt es sich um Polen. Dort verhören ihn zunächst FBI-Agenten. Zubaydah zeigt sich kooperativ und sagt sogar aus, als er intubiert auf der Krankenstation landet – indem er auf eine Tafel mit arabischen Schriftzeichen deutet.

Die CIA foltert ihn trotzdem. Zubaydah wird nackt in eine komplett weiß gestrichene Zelle gesteckt, ohne Fenster, mit harschem Halogen-Licht rund um die Uhr. Sein Schlaf wird gestört, die Zelle mit lauter Rockmusik beschallt, um ein Gefühl der “erlernten Hilflosigkeit” zu schaffen. Einem ursprünglichen CIA-Memo zufolge soll er “für den Rest seines Lebens” in Isolation und ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten werden.

Zwei CIA-Männer probieren “fast rund um die Uhr” Foltermethoden an ihm aus: Einsperren in einer Kiste, schmerzhafte Stresspositionen, Schlafentzug, Waterboarding, “Einsatz von Insekten”, “vorgetäuschtes Begräbnis” – alle von Justizminister John Ashcroft abgesegnet.

Die “aggressivste Phase” beginnt am 4. August 2002 und dauert 20 Tage. Zubaydah wird nackt in eine sargähnliche Kiste gesperrt und dann dem Waterboarding unterzogen, bis er sich erbricht und unkontrolliert zu zucken beginnt.

Insgesamt verbringt er elf Tage und zwei Stunden in der Sargkiste und 29 Stunden in einer kleineren, nicht mal 70 Zentimeter langen Kiste. Ihm wird gesagt, dass er das Lager nur noch im Sarg verlassen werde. CIA-Kabeln zufolge habe Zubaydah oft “geweint”, “gebettelt”, “gefleht” und “geheult”, oft sei er sogar so “hysterisch” gewesen, dass er nicht mehr “effektiv kommunizieren” habe können. Bei mindestens einer Waterboarding-”Session” habe er Schaumblasen vor dem Mund gehabt.

Abu Zubaydah gibt jedoch nichts preis, was auf neue Terroranschläge hindeuten würde. Im September 2006 wird er nach Guantanamo Bay auf Kuba verbracht, wo er bis heute einsitzt.

Wer auch die drei anderen Beispiele lesen mag, der kann dem oben genannten Link folgen. Meine Empörung ist gerade riesengroß, so dass ich meine Gedanken ziemlich ungefiltert lassen werde. Wer solche Massnahmen befürwortet, egal wie tiefgreifend emotional, verbrecherisch und abartig die Anschläge am 11.09.2001 auch gewesen sein mögen, der stellt sich gleich den Attentätern ausserhalb jeglicher Gesellschaftsnorm, negiert die Errungenschaften der Humanität, darf sein Leben lang nicht mehr von Nächstenliebe sprechen und schon garnicht auf eine pseudo-demokratische Rechtsgrundlage für sein Tun verweisen. Den Verantwortlichen für diese Verbrechen – nichts anderes sind auch diese Massnahmen! – gehört der Prozess gemacht. Ich gehe nun nicht soweit, hier Auge um Auge, Zahn um Zahn zu schreien – nein, diese Blöße gebe ich mir nicht, auch wenn ich im Affekt genau dieses einfordern würde. Aber damit stelle ich mich auf die gleiche Stufe wie diese Bestien in Menschengestalt, die anderen Menschen – egal wie fehlerhaft ihr Verhalten in unseren Augen auch ist – mit solchen Massnahmen traktieren.

Ich hoffe, dass der Bericht des Senats personelle und rechtliche Konsequenzen hat. Wieder einmal bestätigt sich, dass unter der Präsidentschaft von George Bush jr. das amerikanische Volk und die Bevölkerung der ganzen Welt zum Narren gehalten wurde. Legitimation gab es nie für solch abscheuliche Reaktionen auf 9/11 und der Folterbericht ist nur ein weiterer Schritt zur Entzauberung der “Musterdemokratie Vereinigte Staaten von Amerika”. NSA- und Abhörskandal, manipulierte Kriegsgründe und nun die Aufdeckung der abscheulichsten menschlichen Abgründe der “Weltverbesserungsbeauftragten” in Washington D.C. Im Endeffekt sind diese Verbrechen nichts anderes als ein Spiegel für das sich christlich-spirituell in Abgrenzung zum Islam neu erfindende Amerika: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Erbärmlich…

Zeit, dass Barrack Obama seinem Friedensnobelpreis zumindest etwas gerecht wird und alle an diesem Skandal Beteiligten ohne Wasser in die Wüste schickt. Wer wundert sich denn da noch über radikalen Islamismus?

1 comment

  1. René sagt:

    Wie kann es eigentlich sein, dass die CIA in den ganzen Ländern Europas eigene Räumlichkeiten halten darf und dort Menschen nach Lust und Laune festnehmen darf? Dass dort auch sowas ähnliches wie in deinem Text passiert ist wahrscheinlich, wieso darf dies jedoch auf unserem und/oder zum Beispiel polnischem Staatsgebiet erfolgen?
    Begreife das irgendwie nicht…