Zu Gast auf der Sonneninsel, Teil II

Gorilla im Loro Parque

Am vierten Tag unseres Urlaubs auf Teneriffa wurden wir Zeugen eines seltenen Naturschauspiels auf der Sonneninsel: Regen. Der erste seit Monaten, wie wir später erfahren sollten. Tja, was nun? Bestes Wetter für einen Zoobesuch. Letztlich entschieden wir uns doch für die lange Fahrt in den Norden. Lang deshalb, weil es keine direkte Nord-Süd-Autobahn auf Teneriffa gibt. Das Tejde-Massiv ist einfach im Weg, so dass die Fahrtzeit in den Norden nach Puerto de la Cruz etwa eineinhalb Stunden dauerte. Als wir auf die Nordautobahn gelangten, fing es richtig an zu schütten und im dichten Nebel betrug die Sichtweite auf der Straße nur noch wenige Dutzend Meter. Sollten wir umdrehen? Wir taten es nicht, waren ja fast schon da und das war auch die richtige Entscheidung.

Weißer Tiger im Loro Parque

Wer den Loro Parque auf Teneriffa gesehen hat, der braucht wohl keinen anderen Zoo der Welt mehr besuchen! Ein tolles, tropisch gehaltenes Areal, wunderbares Ambiente, weitgehend tolle Freigehege (die Ausnahme bildeten die namensgebenden Papageien, aber daran arbeiten sie gerade – die Zuchtstation war dafür umso toller!), eine super interessante Führung mit vielen Informationen, klasse Shows und vieles mehr. Muss man gesehen haben! Leider waren die Orcas “in Renovierung”, aber das machte uns wenig aus, gibt es doch dadurch nur einen guten Grund, nochmal vorbeizuschauen! Und als wir in den Süden zurückfuhren spielte auch endlich das Wetter wieder mit.

Blick von Masca auf den Atlantik

Der fünfte Tag war ein Samstag und wir machten uns auf, die westliche Inselseite und das Tenogebirge zu erkunden. Oberhalb der Küste ging es auf einer gut ausgebauten Straße bis nach Santiago del Teide, wo wir auf die schmale Bergstraße nach Masca einbogen. Der Weg zum idyllisch gelegenen Bergdorf mitten im Gebirge war wohl die “heißeste” Fahrt, war doch die Straße deutlich verwinkelter und so schmal, dass an vielen Stellen eben keine zwei Autos aneinander vorbeifahren konnte. Die Pause in Masca entschädigte dafür umso mehr, denn der Blick durch die enge Schlucht auf das strahlendblaue Meer war einfach toll. Auch wenn ich stundenlang dort hätte bleiben können, ging es bald weiter über die schmale Strecke nach Norden, wo uns Nebel leider viel der tollen Bergatmosphäre nahm. Über Buenavista, wo wir für sparfüchsige 96 Cent pro Liter den Wagen auftankten, ging es nach Garachico. Die einstige Hafenstadt wurde Ende des 18. Jahrhunderts von einem Vulkanausbruch vernichtet und im Kolonialstil wieder aufgebaut, so dass die Innenstadt einem Museum glich und durch das Verbot von Autos ein wenig aus der Zeit gefallen schien. Wir aßen das beste Eis des Urlaubs, besichtigten eine kleine Festung, die einst den Hafen bewachte und staunten über das tolle Naturschwimmbad, in das gerade mit voller Kraft die Flut hineindrückte. Katja musste mich echt wegreißen, so toll war dieser Ort!

Marktplatz von Garachico

Der letzte Abschnitt der Hinfahrt führte uns zum Inselwahrzeichen, dem riesigen El Drago. Ein Riesenbaum, keine Frage, aber sooo toll nun auch wieder nicht. War eher einer der Punkte auf meiner Liste, den wir schnell abgehakt hatten. Wir fuhren zurück über andere Straßen als zuvor und erreichten die riesigen Steilwände von Los Gigantes im Westen der Insel. Mehrere hundert Meter hoch sind die geradezu senkrecht abfallenden Felswände dort und boten ein tolles Panorama! An der Küste entlang ging es schließlich zurück nach Adeje, vorbei an einem vollkommen einsam stehenden, knallig pinken Hotel. Was wir für bescheuert hielten, entpuppte sich – wie wir später erfahren sollten – als das Luxus- und Promiresort der Insel. Naja, Geschmack ist immer relativ.

Playa de las Teresitas

Am Sonntag, unserem sechsten Urlaubstag, hatten wir zum letzten Mal das Auto. So ging es früh über die Südautobahn in die Hauptstadt der Insel, Santa Cruz de Teneriffa. Wir fuhren am Hafen entlang und besichtigten die Stadt quasi “on the fly”, denn unser Ziel war der einzige echte Sandstrand der Insel: Die Playa de las Teresitas. In dieser herrlichen Bucht sammelte sich über die Jahrzehnte angewehter Wüstensand aus Afrika und wir erwischten einen tollen Tag mit bestem Wetter. So warm, dass wir nicht lange am Strand verblieben, sondern uns nach Nordosten aufmachten, wo die letzte der drei Bergregionen der Insel auf uns wartete: Das Anagagebirge mit seinen uralten Lorbeerwäldern. Bei dichtem Nebel – hier oben stauen sich die von Norden kommenden Wolken – folgten wir bei recht übler Sicht einer tollen Panoramastraße, über die der Wind die Wolken gespenstisch hinwegjagte.

Sandgemälde in La Laguna

Es war das größte Abenteuer unseres Urlaubs, vor allem durch die vielen engen Straßen und Kurven bei schlechter Sicht, und am Ende waren wir beide froh, dass wir unter der Wolkengrenze ankamen und sich vor uns das Tal von La Laguna ausbreitete. Wir spazierten ein wenig durch das erhaltene Zentrum der Universitätsstadt und schlugen dann den Rückweg über die Autobahn nach Adeje ein. Eine weitere Tour über Bergpanaromastraße am Tejdemassiv entlang verweigerte mir Katja leider. Also ging es noch kurz an den Pool und dann nach dem Abendessen entspannt an die Playa del Duque, um den Sonneruntergang zu genießen. Leider nahm uns eine mit bloßem Auge nicht zu erkennende Wolkenwand wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche viel von der sicherlich herrlichen Atmosphäre. Naja, man kann nicht alles haben.

Die Tage geht es weiter mit dem Ende dieses tollen Urlaubs. Bis dann!

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